Vor allem nachts sind die Kröten in Gefahr, wenn sie eine Straße überqueren müssen. Die Krötenschützer sorgen sich, dass sie an der Erich-Ollenhauer-Straße unter die Räder kommen. © Stefan Milk
Naturschutz

Tunnel für Kröten unter der Erich-Ollenhauer-Straße als Ausgleich für die L 821n

Krötenschützer fürchten, dass die Kröten bei den Baustellen auf der Erich-Ollenhauer-Straße unter die Räder kommen. Sie haben einen ungewöhnlichen Vorschlag, wie die Amphibien zu retten sind.

Landschaftswächterin Tanja Mastenbroek macht sich ernsthafte Sorgen um die geschützten Kröten, die am und in der Nähe des Schwanenweihers an der Erich-Ollenhauer-Straße leben. In diesen Tagen machen sich die Kröten auf den Weg zu ihren Laichplätzen am Schwanenweiher. Zwar gilt wegen der Baustelle der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) zurzeit ohnehin Tempo 30 in dem Bereich – ebenso wie auf einem Teil der Bruktererstraße in Oberaden in Höhe des Wieckenbuschteichs.

Krötenschützer kritisieren Zeitpunkt der GSW-Baustelle

Trotzdem fürchtet die Landschaftswächterin, dass die Kröten und Molche auf der Erich-Ollenhauer-Straße unter die Räder kommen. Sie ärgert sich insbesondere, dass die GSW die Baustelle, bei der eine Gasleitung in Richtung Oberaden verlegt wird, ausgerechnet jetzt eingerichtet haben. „Dabei sind wir überhaupt nicht einbezogen worden“, kritisiert sie.

Sie befürchtet unter anderem, dass durch die Baugrube und die Arbeiten an der Gasleitung der Krötenschutzzaun beschädigt oder stellenweise sogar ganz weggenommen werden muss – und Kröten und Molche ungehindert auf die Straße laufen und dort überfahren werden. „Die Baustelle wäre sicherlich auch außerhalb der Krötenwanderungszeit möglich gewesen“, sagt sie.

An diese Schilder auf der Erich-Ollenhauer-Straße in Bergkamen müssen die Autofahrer sich gewöhnen. Die Bauarbeiten dauern mindestens vier Monate.
An diese Schilder auf der Erich-Ollenhauer-Straße müssen die Autofahrer sich gewöhnen. Die Bauarbeiten dauern mindestens vier Monate. © Stefan Milk © Stefan Milk

Nach ihren Angaben hat die Wanderung bereits begonnen. Sie dauert bis etwa Mitte April. In den vergangenen Tagen haben die Krötenschützer schon Dutzende Tiere aus den Sammeleimern geholt, die am Schutzzaun in die Erde eingelassen sind. Darunter waren auch Jungtiere der streng geschützten Kammmolche.

Befürchtungen wegen der L821n-Baustelle

Doch nicht nur die Baustelle auf der Erich-Ollenhauer-Straße macht den Krötenschützern Sorgen. Ein Teil der Tiere komme auch von Süden aus dem Bereich des Heidegrabens in Richtung Schwanenweiher, sagt Mastenbroek. Sie mussten bisher keine Straße überqueren. Das ist nach Einschätzung der Landschaftswächterin vorbei, wenn der Bau der L 821n beginnt, die in diesem Bereich den Heidegraben überqueren soll.

Mastenbroek kritisiert, dass sich die Landesbehörde Straßen NRW, die für den Bau der L 821n verantwortlich ist, noch nichts vorgelegt hat, wie sie die Kröten und insbesondere die seltenen Kammmolche schützen will.

Diese beiden jungen Kammmolche sammelten die Krötenschützer an der Erich-Ollenhauer-Straße ein. Die Tiere sind streng geschützt.

Sie fordert als Ausgleichsmaßnahme für die L 821n, dass Straßen NRW Krötentunnel unter der Erich-Ollenhauer-Straße finanziert, damit die Tiere sicher die Straße passieren können. Eine Initiative beim Kreis Unna, der eigentlich für die Erich-Ollenhauer-Straße zuständig ist, sei vor einiger Zeit ins Leere gelaufen, weil der Kreis die finanziellen Mittel nicht hatte.

GSW und Straßen NRW wollen mit den Krötenschützern reden

Die GSW haben auf Nachfrage angekündigt, Gespräche mit den Krötenschützern zu führen. Die Stadtwerke seien offen dafür, eine Lösung zu finden, sagte Sprecherin Anna Lootze. Die GSW hätten bereits im Vorfeld mit der Naturschutzbehörde beim Kreis Unna gesprochen. Die Stadtwerke warteten auf eine Rückmeldung, was sie tun könnten.

Auch Straßen NRW will etwas für den Krötenschutz tun, wie eine Sprecherin ankündigte. Entgegen der Krötenschützer selbst wähnt sich die Landesbehörde im Dialog mit ihnen. Straßen NRW hat nach eigenen Angaben ein Umweltfachbüro beauftragt, ein Konzept zum Schutz der Kröten und Molche zu entwickeln.

Ein Bild der Krötenschützer vom vergangenen Jahr, als sie in Vor-Corona-Zeiten noch keine Maske tragen mussten: Thorsten Bramey, Sandra Prinz, Tanja Mastenbroek und Uwe Janke suchen weitere Unterstützer. © Stefan Milk (Archiv) © Stefan Milk (Archiv)

Vorgesehen sind nach Angaben der Sprecherin schon Schutzzäune und Fangeimer und die Kröten vor der Baustelle zu bewahren. Einen Schutzzaun soll es auch am geplanten Kreisel geben, an dem die L 821n von der Erich-Ollenhauer-Straße abzweigt.

Straßen NRW hält auch den Bau von Tunneln für möglich. Zunächst einmal müsse aber erfasst werden welche Amphibien es in dem Bereich gibt und welchen Weg sie nehmen.

NaturschutzKrötenschützer suchen noch weitere Helfer

  • Bei den Bergkamener Krötenschützern handelt es sich um Menschen, die ich schon seit Jahren im Umwelt- und Artenschutz engagieren.
  • Die Gruppe kommt mit der Arbeit aber kaum nach.
  • Sie sucht deshalb noch weitere freiwillige Helfer.
  • Wer daran Interesse hat kann sich bei Tanja Mastenbroek per Mail melden, t-luma@gmx.de oder bei Thorsten Bramey unter thorsten.bramey@t-online.de.
Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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