Auf dieser Wiese am Häupenweg sollen ein Lebensmittelmarkt mit einer Fläche von 1170 Quadratmetern und ein 980 Quadratmeter großer Getränkemarkt entstehen. © Marcel Drawe
Einzelhandel

Trotz Widerstand: Mehrheit für Netto-Neubau in Weddinghofen

Die Politik hat dem umstrittenen Bau des neuen Netto-Markts am Häupenweg den Weg geebnet – gegen erheblichen Widerstand. Der kommt nicht nur von den Grünen, sondern auch aus Weddinghofen.

Der Ausschuss für Bauen und Verkehr hat zumindest dem ersten Anschein nach die Weichen für den Bau des geplanten neuen Netto-Marktes und eines Getränkemarktes am Häupenweg gestellt. Der Ausschuss beschloss mit den Stimmen von SPD und CDU, die Änderung des Flächennutzungsplans einzuleiten und einen sogenannten „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ aufzustellen. Die Grünen, die eigentlich ein Bündnis mit der SPD in Rat und Ausschüssen haben, hatten versucht, die Beschlüsse zu verhindern.

Gleich zu Beginn der Sitzung hatte Lucie Kleinstäuber von der Umweltpartei beantragt, den Beschluss über den Supermarkt von der Tagesordnung abzusetzen. Die Begründung: Die Grünen hatten um Akteneinsicht zur Suche nach möglichen Alternativstandorten gebeten, hätten sie aber nicht bekommen. Nach Angaben von Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters gibt es solche Akten nicht. Eine Bewertung von anderen Standorten, die er in der Sitzung vorstellte, sei praktisch erst in letzter Minute fertig geworden. sagte er.

Die Steinkäuze, die im Bereich der Wiese am Häupenweg leben, haben Junge. Sie sind jetzt flügge geworden. © privat © privat

SPD und CDU lehnten den Antrag der Grünen ab. es werde noch keine endgültige Entscheidung getroffen, sagte Kevin Derichs (SPD). „Wir leiten jetzt ja nur ein Verfahren ein und treffen noch keine endgültige Entscheidung.“

In der ´Bewertung von Alternativstandorten kommt das Baudezernat zu dem Schluss, dass sie mehr oder weniger ungeeignet sind. Der Standort des bisherigen Netto-Marktes an der Schulstraße liege zwar ideal zentral im Ortsteil, biete aber keinen Platz für eine Erweiterung. Andere mögliche Standorte liegen nach Ansicht der Stadt zu weit von Teilen des Ortes entfernt. Ein Standort auf der ehemaligen Zeche Grimberg 3/4 finde bei Netto keine Gegenliebe. Das Unternehmen wolle keine unattraktive Sackgassenlage.

Dafür gab es nicht nur Kritik von den Grünen, sondern auch von unerwarteter Seite. „Der Standort am Häupenweg ist eindeutig nicht der Mittelpunkt von Weddinghofen“, kritisierte eine Bürgerin in der Einwohnerfragestunde., die ganz in der Nähe in Pfalzstraße wohnt. „Wir haben nur noch das Stück Grün – und das soll jetzt bebaut werden, weil Netto nicht auf die Grimberg-Fläche will.“

Wer in Weddinghofen einkaufen will, ist vorerst auf den Netto an der Schulstraße angewiesen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Die Grünen wiesen darauf hin, dass es am Rande von Weddinghofen Möglichkeiten gebe, Einzelhandel problemloser anzusiedeln. „Es gibt die leerstehende Fläche von Kaufland im Rathaus-Center und die Fläche der abgerissenen Turmarkaden – aber wir bebauen die grüne Wiese“, erregte sich Ratsmitglied Bernhard Salfer.

Durchsetzen konnten sie sich damit nicht. Die SPD hält den neuen Netto für erforderlich, um die Nahversorgung in Weddinghofen zu verbessern. „Der vorhandene Markt ist nicht auskömmlich für einen Ortsteil mit 10.000 Einwohnern“, sagte Derichs. Thomas Eder von der CDU sprach von einem „vernünftigen Konzept“.

Einen Bebauungsplan aufzustellen hält auch der Baudezernent jetzt für den besseren Weg. Zu Beginn der Sitzung hatte er eingeräumt, dass es ein Fehler war, einen positiven Bauvorbescheid nach Paragraph 34 des Baugesetzbuchs zu erteilen. Der Paragraph ist eigentlich für Baulücken gedacht.

Bisher war die Fläche im Flächennutzungsplan der Stadt für Wohnbebauung vorgesehen. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Das Bauleitplanverfahren habe den Vorteil, dass es umfangreiche Gutachten gebe, unter anderem zum Artenschutz, zu Geruchsbelästigungen oder zum Verkehr. Die Öffentlichkeit werde beteiligt und außerdem habe die Stadt die Möglichkeit, Einfluss auf die Gestaltung der beiden Märkte zu nehmen – zum Beispiel, indem sie Grasdächer vorschreibt oder Ladestationen für E-Autos und Pedelecs.

In einem Nebensatz machte er allerdings darauf aufmerksam, dass das Verfahren auch eine Gefahr birgt: Die Gutachten könnten ergeben, dass die Märkte an dieser Stelle doch nicht genehmigungsfähig sind.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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