Trotz Rezept gibt es oft das verschriebene Arzneimittel nicht

dzEngpass bei Apotheken

Nicht immer bekommen Patienten das Medikament, das ihnen der Arzt verschrieben hat. Für die Lieferengpässe bei den Apotheken gibt es mehrere Ursachen.

Bergkamen

, 20.10.2019, 14:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kundin war erstaunt: Der Arzt hatte ihr ein häufig verwendetes Medikament für den Magen verschrieben und ein gängiges Schmerzmittel. In der Apotheke erfuhr sie jedoch, dass sie Glück hatte, beides zu bekommen.

Patienten müssen in Apotheken nicht nur in Bergkamen in jüngster Zeit die Erfahrung machen, dass auch gängige Arzneimittel nicht da sind, bestätigt Bettina Horzella. Sie arbeitet in der Sonnen-Apotheke und ist für den Einkauf zuständig. Die Lieferprobleme bei den Großhändlern zögen sich schon durch das ganze Jahr, bestätigt sie. „Es sind immer wieder andere Mittel“, sagt Horzella. Die Lieferschwierigkeiten träten plötzlich und meist ohne Vorankündigung auf. Eine Ursache dafür wüssten auch die Apotheker nicht genau.

Nur wenige Hersteller für Wirkstoffe

Verantwortlich ist ein ganzes Bündel von Problemen für die Lieferengpässe, wie Dr. Nina Grunsky vom Apothekerverband Westfalen-Lippe in Münster sagt. Die grundsätzliche Ursache liegt darin, dass die Hersteller von Medikamenten die Wirkstoffe nur von sehr wenigen Produzenten weltweit beziehen können. Diese Hersteller produzieren oft nicht in Deutschland, sondern irgendwo - zum Beispiel in Amerika oder Asien.

Wenn es Probleme bei der Produktion gebe, dann wirke sich das schnell auf alle Arzneimittelhersteller weltweit aus.

Trotz Rezept gibt es oft das verschriebene Arzneimittel nicht

Oft können Patienten froh sein, wenn sie ein Medikament bekommen. Dass die Apotheke es da hat oder beschaffen kann, ist nicht mehr selbstverständlich. © Borys Sarad

Deutsche Arzneimittelhersteller können oft nicht mitbieten

Hinzu kommt, dass deutsche Hersteller nicht unbedingt die sind, die bei einem Wirkstoffmangel weltweit bei den Restbeständen zum Zuge kämen. Länder wie China und Indien seien zunehmend wohlhabender und träten als Konkurrenz auf. Außerdem können die deutschen Hersteller nicht unbedingt die besten Preise zahlen.

„Wir sind bei Arzneimitteln mittlerweile ein Niedrigpreis-Land“, erklärt die Apothekensprecherin. Die Folge: Wegen der geringen Erlöse könnten die Hersteller bei hohen Wirkstoffkosten oft nicht mitbieten.

Der Apothekerverband fordert deshalb, dass die Krankenkassen bei ihren Verhandlungen mit den Arzneimittelherstellern nicht mehr nur Wert auf niedrige Preise legen. Sie sollen auch die Versorgungssicherheit im Auge haben. Außerdem müsse es verpflichtend sein, dass Hersteller Versorgungsengpässe beim Bundesamt für Medizinprodukte melden. Bisher ist das freiwillig.

Patienten, die auf ein Medikament eingestellt sind, müssen oft mühsam mit ihrem Hausarzt nach einer Alternative suchen, wenn es Lieferprobleme gibt.

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