Traumhaus abgefackelt: Stuckateur droht Gefängnis

dzLandgericht Dortmund

Im Prozess um einen verheerenden Hausbrand in Bergkamen hat die Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe beantragt. Der Angeklagte selbst wollte nichts mehr zu der Brandstiftung sagen.

Bergkamen

, 10.03.2020, 17:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war sein Lebenswerk. Sein „Castle“, in das er all sein Herzblut, seinen Schweiß und sein Geld investiert hat. Jahrelang hat ein Stuckateur aus Bergkamen jede freie Minute investiert, um eine renovierungsbedürftige Immobilie in ein Schmuckstück zu verwandeln. Als er schließlich fertig war, fackelte er alles wieder ab. Dafür soll der 57-Jährige nun ins Gefängnis.

Im Prozess am Dortmunder Landgericht hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag drei Jahre Haft beantragt – für die Brandstiftung in Rünthe und die Erpressung einer früheren Freundin.

"Eine sinnlose Tat"

Staatsanwalt Henner Kruse sprach von einer „sinnlosen Tat“, die nur durch die narzisstische Persönlichkeit des Angeklagten zu erklären sei. "Er ist kein einfacher Mann", so Kruse. Der 57-Jährige sei reizbar und schnell kränkbar gewesen, habe zum Beispiel wochenlang nicht mit seiner Tochter gesprochen – nur weil sie ihm kein Bier aus dem Keller geholt habe. Dass das Familienleben überhaupt noch funktioniert habe, sei wohl nur seiner Ehefrau zu verdanken, die sich vollkommen untergeordnet habe.

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Situation in der Familie ist eskaliert

Doch auch das habe dem Angeklagten am Ende nicht gereicht. Er soll ihr Vorschriften gemacht haben, wie lange sie abends fernsehen dürfe, wann sie ins Bett müsse. Am Ende sei einfach alles eskaliert. Das war im Mai 2016, am Geburtstag des Angeklagten. Es kam zu einem Streit, andere Familienmitglieder mussten eingreifen. Am nächsten Tag zog die Frau aus. Der Angeklagte soll sie dazu aufgefordert haben. „Du bist hier nicht mehr sicher." So oder so ähnlich soll er sich laut Staatsanwalt ausgedrückt haben.

Nicht mehr zurückgeblickt

Was folgte, war eine Trennungsphase, in der es auch um das gemeinsame Haus in Rünthe ging. Als schließlich sogar von Zwangsversteigerung die Rede war, muss der Angeklagte völlig den Halt verloren haben. Er stapelte Möbel übereinander und und zündete den „Scheiterhaufen“ (wie er ihn selbst nannte) mit einem Dachdeckerbrenner an. Das war am 28. Oktober 2016.

„Er verließ das Haus, ohne noch einmal zurückzugucken", so Staatsanwalt Kruse. Der Weg führte ihn allerdings direkt zur Polizei, wo er sofort ein Geständnis ablegte. "Sie bekommt nichts von dem Haus - genau wie ich." Diesen Satz soll er damals zu Protokoll gegeben haben.

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Geld von neuer Partnerin erpresst

Doch auch danach kam der Stuckateur nicht mehr auf die Beine. Er hatte in einer Klinik zwar eine Frau kennengelernt, die seine Partnerin wurde. Doch von gemeinsamen Glück konnte laut Staatsanwaltschaft allenfalls anfangs die Rede sein. Bei einem Streit um Geld soll der Angeklagte sie erst auf den Balkon gesperrt und anschließend 640 Euro von ihr erpresst haben. Außerdem nahm er sich ihr Auto, das sie inzwischen allerdings wieder zurück hat.

Haft könnte nach dem Urteil unterbrochen werden

Ein bisschen Hoffnung gibt es trotz der zu erwartenden Gefängnisstrafe aber doch. Wenn am Freitag das Urteil gesprochen wird, könnte auch der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt werden. Der Angeklagte kann sich Hoffnungen machen, dass er nach sieben Monaten Untersuchungshaft zumindest vorübergehend wieder auf freien Fuß kommt. Die Staatsanwaltschaft sieht keine Fluchtgefahr mehr.

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