Tödliche Falle Fenster: Wenn die Feuerwehr Katzen befreit, sterben sie oft trotzdem

dzAppell der Feuerwehr Bergkamen

Im Sommer stehen manche Fenster dauerhaft „auf Kipp“. Katzenhalter sollten damit vorsichtig sein. Die Bergkamener Feuerwehr warnt: Für Katzen kann ein gekipptes Fenster zur tödlichen Falle werden.

Bergkamen

, 06.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass es für diese Art von Einsätzen eine eigene Begrifflichkeit gibt, ist schon erschreckend. Denn das bedeutet, dass sie häufiger vorkommen. Und das muss nicht sein, wie der Bergkamener Feuerwehrchef Dirk Kemke findet. Die Rede ist vom sogenannten „Kippfenster-Syndrom“.

„Ja das heißt wirklich so“, sagt Kemke. Von diesem Syndrom spricht die Feuerwehr, wenn eine Katze in einem Kippfenster hängen bleibt, weil sie hinaus will. Bleibt sie einmal zwischen Rippenbogen und Hüfte in dem Spalt hängen, muss die Rettung zeitnah erfolgen. Sonst endet es böse.

„Für uns ist das immer wieder ein Einsatzszenario, das für uns oft schnell abgehandelt ist, für die Tiere aber meist tödlich ausgeht“, sagt Kemke. Wenn Katzenbesitzer ihr Fenster auf Kipp stehen lassen, versuchen viele freiheitsliebende Samtpfoten, über das Fenster die frische Luft zu erreichen. Was oft verheerende Folgen hat.

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„Durch ihre Befreiungsversuche verletzten sie sich noch mehr. Das kann zu inneren Verletzungen führen oder es kommt zu Lähmungserscheinungen in den hinteren Extremitäten, weil die nicht mehr durchblutet werden“, so Kemke. Die Feuerwehr befreit die Katzen – meist aufwendig aus dem ersten oder zweiten Stockwerk und mit Schutzkleidung – und bringt sie zum Tierarzt, wenn kein Halter in der Nähe ist. „Die Feuerwehr versucht alles, um zu helfen, aber der Weg zum Tierarzt ist oft der letzte für das Tier“, so Kemke.

Dirk Kemke ist der Chef der Bergkamener Feuerwehr.

Dirk Kemke ist der Chef der Bergkamener Feuerwehr und erlebt auch Einsätze, die leicht verhindert werden könnten. Dazu gehören auch Katzen, die im Kippfenster hängen bleiben – solche Einsätze müssen nicht sein, findet Kemke. Die Tiere kommen dabei meist um. © Stefan Milk

Katzenhalter sollen ihre Fenster schließen, wenn sie das Haus verlassen

Genau so war es auch am vergangenen Donnerstag. Die Feuerwehr Bergkamen rettete eine Katze, die im Fenster einer fremden Wohnung festhing. Dort war sie hineingeschlüpft und wurde dann eingeschlossen. Sie wollte sich befreien und scheiterte. „Der Tierarzt konnte nur noch die Prognose geben, die Katze von ihrem Leiden zu erlösen“, so Kemke.

„Das sind Situationen, die nicht sein müssen. Denn es passiert oft aus Unwissenheit.“ Er appelliert an die Tierhalter, die Fenster zu schließen, wenn sie nicht zu Hause sind – vor allem im Sommer kann man das schnell vergessen.

Fälle wie diese kommen laut Kemke in letzter Zeit zwar nicht öfter vor, aber leider immer wieder. Unnötigerweise. Gleiches gilt übrigens für Kinder und Hunde, die im Sommer in aufgeheizten Autos eingeschlossen sind. Was solche Fälle betrifft, sei die Sensibilität der Menschen zum Glück gestiegen, sagt Kemke. Aufmerksame Passanten sprechen die Fahrzeughalter an, rufen die Polizei – und schlagen schon mal die Scheibe ein. Was richtig ist, denn auch solche Fälle gehen manchmal nicht gut aus. Auch darüber weiß Kemke leider zu berichten.

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