Die Polizei versucht immer noch zu ermitteln, was geschah, bevor eine 22 Jahre alte Frau niedergestochen wurde und verblutete. Mutmaßlicher Täter ist ein 23 Jahre alter Bergkamener. © Lothar Zimmermann
Kriminalität

Tod einer schwangeren Frau (22) war das blutige Ende einer On-Off-Beziehung

Ermittler rekonstruieren den Tagesablauf der schwangeren 22-Jährigen, bevor sie getötet wurde – mutmaßlich von einem 23 Jahre alten Bergkamener. Jetzt werden weitere Details bekannt.

Wie konnte die Situation so eskalieren, dass ein 23 Jahre alter Bergkamener zu einem scharfen Gegenstand griff und eine schwangere Frau (22) aus Hamm mit mehr als 60 Stichen und Schnitten tötete? Diese Frage können Polizei und Staatsanwaltschaft auch knapp zwei Wochen nach der Tat noch nicht genau beantworten. Der Verdächtige hüllt sich in Schweigen und die Indizien geben bisher noch keinen Aufschluss über die Tat und ihre unmittelbare Vorgeschichte.

Seit dem Tod der 22-Jährigen am Donnerstag, 14. Januar, in Hamm versucht eine Mordkommission der Dortmunder Kripo die Hintergründe der Bluttat aufzuklären.

Opfer und mutmaßlicher Täter waren seit Ende 2020 getrennt

Zumindest was die Beziehung des mutmaßlichen Täters und des Opfers anging, ist sie ein Stück weitergekommen. Nach den bisherigen Ermittlungen waren der 23-Jährige und die 22-Jährige ein Paar, hatten sich aber Ende des Jahres getrennt. Das Kind, mit dem die Frau schwanger war, soll nach Angaben beider Familien von dem Bergkamener gewesen sein.

Vor der Trennung sei die Beziehung wohl auch nicht sonderlich stabil gewesen, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Felix Giesenregen. „Das war wohl so eine Art On-Off-Beziehung“, teilte er mit.

Die Frau war am Abend des 14. Januar auf einem Parkplatz in Hamm gefunden worden. © Lothar Zimmermann © Lothar Zimmermann

Für den 23-Jährigen war die Beziehung aber wohl trotz der Trennung noch nicht vorbei. Er habe immer wieder per Telefon oder per Whatsapp Kontakt zu der 22-Jährigen aufgenommen und sie um Treffen gebeten.

Er sei auch um das Haus, in dem sie wohnte, herumgeschlichen. Es sei auch wohl noch zu Treffen gekommen, sagte Giesenregen.

Den Tattag konnte die Kripo zumindest zum Teil rekonstruieren. Nach ihren Erkenntnissen ist die 22-Jährige bis etwa 19 Uhr bei einer Verwandten in Hamm gewesen. Anschließend sei sie nach Hause gegangen.

Tatwaffe ist immer noch verschwunden

Wie es danach zu dem Aufeinandertreffen mit dem 23-jährigen Bergkamener auf einem Parkplatz südlich der Hammer Innenstadt kam, auf dem sie starb, steht noch nicht fest. Auch nicht, ob die 22-Jährige und der mutmaßliche Täter sich dort verabredet hatten. „Die Auswertung der Mobiltelefone ist noch nicht abgeschlossen“, sagte Giesenregen.

Auch die Tatwaffe ist noch immer verschwunden, obwohl der 23-Jährige am Tatort festgenommen wurde. Fest steht lediglich, dass der mutmaßliche Täter mehr als 60 Mal mit einem „scharfen Gegenstand“ auf den Hals der 22-Jährigen einstach, die auf dem Parkplatz verblutete. Nach der Obduktion geht die Polizei davon aus, dass es sich um ein Messer gehandelt hat.

Der mutmaßliche Täter hatte nach der Tat seine Schwester angerufen und ihr gestanden, dass er „etwas Schlimmes“ getan habe. Die Schwester kam zum Tatort und rief die Polizei. Die Staatsanwaltschaft geht immer noch von Totschlag aus. Mordmerkmale hätten sich bei den bisherigen Ermittlungen nicht gefunden, sagte Giesenregen.

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Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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