Wenn der Einbrecher nach 20 Minuten nicht am Ziel ist, gibt er auf

dzSchutz vor Kriminalität

Manche Hausbesitzer installieren Alarmanlagen, um sich vor Einbrüchen zu schützen. Es gibt auch andere Methoden, Einbrecher zu stoppen: Indem man ihnen ihr kriminelles Handwerk erschwert.

Bergkamen

, 14.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Bewohner eines Hauses Im Rosenholz in Oberaden hat sich die Investition in eine Alarmanlage gelohnt. Sie vertrieb in der vergangenen Woche Einbrecher. Allerdings waren die zu diesem Zeitpunkt schon bis in die Küche vorgedrungen. Besser wäre es natürlich, sie wären gar nicht erst ins Haus gelangt.

Wenn der Einbrecher nach 20 Minuten nicht am Ziel ist, gibt er auf

Haben Einbrecher Erfolg, hinterlassen sie oft eine Spur der Verwüstung. © www.k-einbruch.de

Deshalb ist für Kriminalhauptkommissar Andreas Kaltenberg aus dem Kommissariat Prävention und Opferschutz der Kreispolizei Unna eine Alarmanlage auch nicht das Mittel der ersten Wahl, wenn es darum geht, Einbrecher abzuschrecken.

Alarm auf dem Handy hilft nicht in jedem Fall

Das hängt damit zusammen, dass solche Anlagen zumeist ziemlich teuer sind. Und auch von den Möglichkeiten des „Smart Home“ ist Kaltenberg nicht wirklich überzeugt, mit dem der Bewohner sein Haus per Mobiltelefon überwachen kann. Falls die Einbrecher zum Beispiel kommen, wenn der Hausbesitzer in der Sauna sitzt oder eine Flugreise unternimmt, nützt der Alarm auf dem Handy auch nicht viel.

Wenn der Einbrecher nach 20 Minuten nicht am Ziel ist, gibt er auf

Abschließbare Fenstergriffe verhindern, dass sich Einbrecher Zutritt durch das Fenster verschaffen. © www.k-einbruch.de

Am besten schützt man sich gegen Einbrecher, indem man ihnen ihr kriminelles Handwerk so schwer wie möglich macht: „Der klassische Einbruch dauert 20 Minuten“, gibt Kaltenberg die polizeilichen Erkenntnisse wieder. So lange nimmt sich ein Einbruchsprofi Zeit, um ein Objekt auszuspähen, einzudringen und zu durchsuchen.

Bei vielen Einbrüchen bleibt es beim Versuch

Braucht er länger, stehen die Chancen gut, dass er sein Vorhaben abbricht. Und so etwas kommt offenbar häufiger vor. Im November 2019 wurden der Kreispolizei Unna insgesamt 25 Einbrüche in Häuser und Wohnungen angezeigt, in 15 Fällen davon blieb es beim Versuch. Ein Jahr zuvor scheiterten die Einbrecher in 18 von 45 Fällen. Anfang 2019 gingen die Zahlen deutlich nach oben: Die Polizei im Kreis Unna registrierte im Januar 102 Fälle, davon 44 Versuche. Danach gingen die Zahlen aber deutlich zurück. In fast allen Monaten im Jahr 2019 lag die Quote der Versuche bei nahezu 50 Prozent oder sogar darüber.

Eine sehr gute Methode, Einbrecher zum Aufgeben zu zwingen, sieht Kaltenberg im Einbau widerstandsfähiger Türen und Fenster. Die Türen haben einen Schutz gegen das Aufhebeln. Die Fenster lassen sich abschließen: „Die Einbrecher schlagen die Fensterscheiben nicht ein, um dadurch einzudringen, sondern um innen die Griffe zu öffnen“, erläutert er.

Eine Norm für den Einbruchsschutz

Für einbruchshemmende Türen und Fenster und gibt es die Norm DIN EN 1627. Je nach Prüfergebnis gibt es sechs Klassen, von RC (restistance class) 1 bis 6. Vom Kauf der Klasse 1 rät Kaltenberg ausdrücklich ab.

Wenn der Einbrecher nach 20 Minuten nicht am Ziel ist, gibt er auf

Auch einbruchhemmende Türen können die Kriminellen stoppen. © www.k-einbruch.de

Er empfiehlt zudem, beim Kauf sicherzugehen, dass Fenster oder Tür tatsächlich der Norm entspricht und sich im Zweifelsfall die Prüfbestätigung zeigen zu lassen. Ein entsprechendes Herstellerverzeichnis gibt es bei der Polizei oder im Internet unter www.polizei-beratung.de.

Kontakt

Die Polizei berät kostenlos

  • Das Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz der Kreispolizei Unna hat seinen Sitz in der Polizeiwache Kamen, Am Bahnhof 12
  • Es ist zu erreichen unter Tel. (02307) 921 4910 .
  • Kriminalhauptkommissar Anderas Kaltenberg hat die E-Mail-Adresse Andreas.Kaltenberg@polizei.nrw.de

Ältere Häuser lassen sich nachrüsten

Diese Informationen sind nicht nur für die Bauherren von Neubauten von Interesse, betont Kaltenberg. Die sicheren Türen und Fenster lassen sich auch nachträglich in ältere Häuser und Wohnungen installieren. Ganz billig ist das allerdings nicht. Je nach Zustand des Gebäudes muss man dafür 200 bis 500 Euro investieren, meint Kaltenberg – pro Fenster.

Wenn der Einbrecher nach 20 Minuten nicht am Ziel ist, gibt er auf

Die Polizei bietet auch eine mobile Beratung zum Thema Einbruchschutz an. © Carsten Fischer

Gemessen an dem materiellen und immateriellen Schaden, den Einbrecher anrichten, hält Kaltenberg das für eine angemessen Investition: „Und wenn dann noch Geld da ist, kann man über den Einbau einer Alarmanlage nachdenken.“

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