Tiefer, breiter, mehr PS - das Gut Keinemann wird Ziel Hunderter Autoverrückter. Das Autotreffen „Tief im Hof“ richtet sich an junge Autofans, aber auch Freunde der Klassiker finden etwas.

von Niklas Mallitzky

Rünthe

, 28.07.2019, 19:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dieses Auto ist nichts für jedermann. Schon die roten Samtkordeln, die in die Türen eingehängt sind, verraten: Hier ist nur Zutritt für Befugte. Macht aber nichts, denn der tiefschwarze Opel GT von 2008 ist ein Cabrio und die geöffneten Flügeltüren geben den Blick auf das Innere frei. Seit fast vier Jahren schraubt der 27-jährige Sascha Tietz an dem kleinen Flitzer, der es immerhin auf stolze 260 km/h bringt.

Tiefer, breiter, mehr PS: Die Schau der Autoverrückten!

Ein mit Flügeltüren modifzierter Opel GT der aktuellen Generation. © Stefan Milk

Getunte Wagen in jeglicher Form im Fokus

Das Gut Keinemann ist vor allem für die dortige Oltimer-Remise bekannt, beim Autotreffen „Tief im Hof“ am Sonntag stehen aber getunte Wagen in jeglicher Form im Fokus. Daniel Junker ist 24 Jahre alt und tritt als Veranstalter auf. Nicht jeder darf hier mit seinem Fahrzeug auf den Hof. Junker ist Teil der „Lowlife Crew“, die auf Facebook Fotos und Videos von der Tunerszene hochlädt. Dort können sich Interessenten um einen Platz bewerben. Die Kriterien sind einfach: Möglichst ungewöhnlich und ausgeflippt sollen die Fahrzeuge sein, erklärt Junker: „Im Vordergrund steht das optische Tuning, die Motorleistung ist hier nicht entscheidend.“ Auffallen sollen die Fahrzeuge hier, und diesem Wunsch kommen die Schrauber nach.

Tiefer, breiter, mehr PS: Die Schau der Autoverrückten!

Alexander Kroll aus Welver (r.) erzählt Michael Bier von der Restaurierung seines Ford Mutt M1 51 A2, der 50 Jahre alt ist und aus der US-Armee stammt. „Völlig zerschossen" hat Kroll ihn als Wrack erstanden und in mehr als einem Jahr Arbeit perfekt wieder aufgebaut © Stefan Milk

Ein Modellauto fährt im richtigen Auto mit

Tietz, der Besitzer des GT, führt weiter durch seinen Zweisitzer. Nicht nur der Innenraum ist mit rotem Leder überzogen. Auch die Radkästen und die Motorabdeckung sind mit dem roten Leder bedeckt. Fängt das bei großen Hitzen denn kein Feuer? Darum müsse man sich keine Sorgen machen, so der 27-Jährige: „Das Leder zieht sich bei Hitze zusammen, bleibt ansonsten aber völlig unversehrt.“ Im Fahrzeuginneren dann eine Überraschung. Auf einem kleinen Brett, angebracht zwischen den zwei Sitzen, steht ein Modellauto des GT unter einem kleinen Baum. Wie das große Vorbild ist natürlich auch das Modell in schwarz-rot gehalten.

Tiefer, breiter, mehr PS: Die Schau der Autoverrückten!

Sabine (l.) und Meike gefallen die extravagenten 19-Zoll-Felgen an diesem Golf GTI. © Stefan Milk Stefan Milk

Schon seit der Kindheit ein begeisterter Schrauber

Schon seit seiner Kindheit ist Tietz ein begeisterter Schrauber. „Während die anderen Kinder gespielt haben, wollte Sascha an den Harleys rumschrauben“, erinnert sich Vater Detlev Weidl. Auch die Begeisterung für Opel gab er an den Sohn weiter, Weidl selbst ist neben dem Opel-Werk in Bochum aufgewachsen. Einen baugleichen GT wie der Sohn hat er sich auch schon gekauft, sein ganzer Stolz ist aber der 67er „Olympia Rekord-C-Coupe“, von dem nur 1000 Stück existieren. Am Sonntag muss der Oldtimer zwar draußen bleiben, parkt aber nur wenige Meter vom Treffen entfernt auf dem Seitenstreifen.

Jetzt lesen

Veränderte Bremshebel und Leuchten

Auch Thomas Gorczynski ist seit seiner Jugend von Fahrzeugen fasziniert. Allerdings ist es sein Motorrad, das es auf den Hof geschafft hat. Denn auch hier sind die Tuningmöglichkeiten groß und an der Harley Davidson V-Rod ist quasi nichts mehr Original. „Die Harley ist Erbstück von meinem Vater“, berichtet der 35-Jährige. „Der ist vor einem Jahr gestorben und hat mir das Teil vermacht.“

Die Liste der Veränderung ist lang, von kleinen Dingen wie veränderten Bremshebeln und Leuchten bis hin zu einer Luftfederung, mit der man die Höhe der Maschine individuell und auf Knopfdruck verstellen kann. Weitere Details sind ein transparenter Behälter für den Ölfüllstand und die Kupplung, die den Blick auf die sonst versteckte Technik freigeben. Das Motorrad sei, auch wegen des Bezugs zu seinem Vater, sein ganzer Stolz, doch beim TÜV gebe es schon mal Probleme: „Da so viele Teile nicht original sind, kann so eine Prüfung schon mal zur Geduldsprobe werden.“

Tiefer, breiter, mehr PS: Die Schau der Autoverrückten!

Ein VW Käfer, der den Motor immer hinten hat. Vorn passt dann ein Koffer unter die Haube. © Stefan Milk Stefan Milk

Sofort von dem Wagen begeistert gewesen

Ein ganz besonderer Hingucker ist der marrakeschbraun-metallic farbene BMW von Frank Sauerland. Auf den ersten Blick scheinen dem fast golden funkelnden Fahrzeug die Türen zu fehlen. Aber Autofans wissen, dass dies eine der Eigenheiten des seltenen Stücks ist. Denn die Türen tragen nicht zur Stabilität der Karosse bei und lassen sich deshalb versenken. Bereits 1987 stellte BMW das Fahrzeug mit dem Werkscode „E30 (Z)“ auf der Internationalen Automobil Ausstellung „IAA“ vor. Auch Sauerland war damals mit dabei, erinnert er sich: „Ich war sofort von dem Wagen begeistert.“ Genau 8000 Stück baute der Hersteller zwischen 1989 und 1991, Sauerlands Wagen ist ein 91er. Original ist an dem Wagen so gut wie nichts mehr, die Felgen sind breiter, der Radsturz der Hinterachse scheint deutlich in den negativen Bereich zu gehen. Ein aktuelles Wertgutachten verortet den Wagen auf rund 120.000 Euro.

Tiefer, breiter, mehr PS: Die Schau der Autoverrückten!

Tiefer, breiter, mehr PS - das Gut Keinemann wird Ziel hunderter Autoverrückter. Das Autotreffen „Tief im Hof“ richtet sich an junge Autofans, aber auch Freunde der Klassiker finden etwas. © Stefan Milk

Immer daran basteln, dafür sind Autos ja da

Soviel hat Benjamin Wegener, 29 Jahre alt, nicht in seinen Wagen investieren müssen. Der Ford Focus RS ist aus dem Rallye-Sport bekannt und kommt schon mit ordentlich Power daher. Natürlich brauchte der giftgrüne Wagen einige kleine Veränderungen wie ein Bodykit, das dem Wagen eine etwas andere Form verleiht, und ein Chip-Tuning, das dem Wagen ein Paar mehr Pferdestärken verleiht. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das aufgrund des Fronttriebs und gut 350 PS überall hin will, nur nicht nach vorne. Spaß mache das zwar schon, findet Wegener, aber es sei eben auch sehr anstrengend. Deswegen plant er, den Wagen gegen ein heck- oder allradgetriebenes Fahrzeug einzutauschen. Natürlich würde er an dem aber auch wieder rumbasteln, denn dafür sein sie ja schließlich da.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Sprachprojekt in der Grundschule

Warum auch deutsche Eltern am Rucksack-Projekt für den Spracherwerb teilnehmen

Meistgelesen