Schluss mit schlechter Laune: Therapeutin gibt Tipps für die Zeit im Lockdown

dzVerhaltenstipps in Coronazeiten

Hobbies, Freunde treffen, Essen gehen – das alles fällt derzeit flach. Unter den aktuellen Bedingungen gibt es nur wenig, was Freude macht. Wie man damit umgehen kann, weiß eine Bergkamener Therapeutin.

Bergkamen

, 15.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der aktuellen Situation positiv zu bleiben oder sogar gute Laune zu verbreiten, fällt wohl vielen Menschen schwer. Verabredungen werden verschoben, Veranstaltungen und Weihnachtsmärkte sind abgesagt, das Vereinsleben steht still und dann ist da auch noch das kalte, dunkle Wetter, das aufs Gemüt schlägt.

All das sollte aber kein Grund dafür sein, sich im Bett zu verkriechen oder gar nicht mehr vor die Tür zu treten. Warum, das erklärt die Verhaltenstherapeutin Sabrina Heuser. „Wenn ich mich mit meiner Traurigkeit verkrieche, um sie nicht zu spüren, dann hilft das kurzfristig. Langfristig macht es die Problematik aber größer“, erklärt sie.

Ein erster Schritt sei es, sich zunächst einmal Ängste, Sorgen und vielleicht Traurigkeit einzugestehen. „Das ist eine außergewöhnliche Situation, die uns alle beeinflusst. Jeder leidet darunter.“ Und damit meint Heuser längst nicht nur ihre Patienten, sondern wirklich alle Menschen – sich eingeschlossen.

Freilich leidet manch einer mehr und manch anderer weniger, aber den Lockdown und die Einschränkungen bekommen wohl alle zu spüren. Und dass das unangenehm ist, sollte man sich eingestehen.

Über das Verhalten die Stimmung beeinflussen

Sorgen müsse man nicht verstecken, so die 40-jährige Psychotherapeutin. Stattdessen solle man sich fragen, wie man mit dem Gefühl leben und die Tage trotzdem gut gestalten kann.

Sabrina Heusner ist durch eine Plexiglasscheibe von ihren Patienten getrennt und mittlerweile tragen sie und ihr Gegenüber während der Therapie auch Masken. Vor allem bei neuen Patienten ist es da schwer, die so wichtige Mimik zu erkennen.

Sabrina Heusner ist durch eine Plexiglasscheibe von ihren Patienten getrennt und mittlerweile tragen sie und ihr Gegenüber während der Therapie auch Masken. Vor allem bei neuen Patienten ist es da schwer, die so wichtige Mimik zu erkennen. © Marcel Drawe

Wie die Bezeichnung Verhaltenstherapeutin schon anmuten lässt, ist Heuser davon überzeugt, dass eine Besserung durch Verhalten erzielt werden kann. „Wenn ich erst warte, bis ich positiv eingestellt bin, um mein Handeln zu verändern – dann kann ich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten.“

Stattdessen sollte man sich Alternativen suchen: Ein perfekter Kaffee auf der Couch statt im Café, ein Telefonat mit den Liebsten oder an die frische Luft gehen. So könne die Situation zumindest nicht schlimmer werden und es bestehe die Chance, dass sie besser wird.

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„Das einzige, was wir unter Kontrolle haben, ist das, was wir tun und entscheiden“, so Heuser. Gefühle lassen sich hingegen schwer kontrollieren, „aber man kann gucken, wie man damit umgehen und trotzdem einen guten Tag haben kann.“

Einige Menschen in Therapie leiden besonders unter der Situation

„Das einzige, was wir unter Kontrolle haben ist das, was wir tun und entscheiden.“
SABRINA HEUSER, DIPLOM-PSYCHOLOGIN

Es sind Tipps, die Heuser auch bei ihren Patienten umsetzt, denn auch in den Sitzungen ist der Lockdown Thema – je nach Krankheitsbild in unterschiedlichem Ausmaß. Er bedeutet auch für die Therapeutin eine hohe Anforderung, denn sie muss Lösungen finden für eine Mutter, die wegen Homeschooling total überfordert ist, dem depressiven Mädchen, das sich gerade wieder zum Schwimmverein getraut hat und nun nicht mehr hingehen kann – oder dem Patienten mit einer Zwangsstörung, der nun noch viel mehr Grund dazu hat, stundenlang zu putzen und zu desinfizieren.

Therapeut gesucht?

Kurzfristige Erstberatung beim Therapeuten

  • Wie bei den meisten Therapeuten ist die Wartezeit für einen festen Therapieplatz bei Sabrina Heuser lang. Eine Erstberatung ist aber bei ihr und auch anderen Therapeuten auch kurzfristig möglich. Das sei gesetzlich vorgeschrieben.
  • Sie rät auch, sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter Tel. 116 117 zu wenden. Hier kann vielleicht schon im Vorgespräch geklärt werden, ob eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt.
  • Sabrina Heusner ist in ihrer Praxis unter Tel. (01575) 4833032 zu erreichen oder via info@sabrinaheuser-psychotherapie.de

Doch Heuser passt sich der Situation an und findet für ihre Patienten individuelle Lösungen. Ihre Tipps lassen sich jedoch auf jeden übertragen. Das Wichtigste ist wohl, sich nicht runterziehen zu lassen und aktiv zu bleiben: „Über das Tun können wir zumindest verhindern, dass es noch schlimmer wird.“

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