Kita-Plätze sind rar in Bergkamen und der Umgebung, noch schwieriger ist es, Plätze für Kinder unter drei Jahren zu bekommen. Der Tagesmütterverein ist oft die letzte Chance für Eltern.

von Niklas Mallitzky

Oberaden

, 02.03.2019, 20:52 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit fast zwei Jahren gibt es die Großtagespflege „BEOS“ am Westfalenweg in Oberaden. Hier bekommen die Kinder eine Rundum-Betreuung.

Zu einem guten Start in den Tag gehört ein anständiges Frühstück, das ist für Erwachsene genauso wichtig wie für Kinder. Und deshalb beginnt auch der Tag für die Kinder der Großtagesstätte Beos genau so. „Ab 8 Uhr treffen die Kinder hier ein, ab 9 Uhr gibt es dann Frühstück“, erklärt Helga Boine, „ein geregelter Ablauf ist besonders für so junge Kinder sehr wichtig.“ Auf den Teller kommen hier nur hochwertige Produkte, von Weißbrot und dergleichen nehmen die Tagesmütter Abstand. So ist das Brot, das die Kinder morgens verzehren, aus Dinkelmehl gebacken.

Tagesmütter bieten neun Kindern eine zweite Heimat

Die Tagesmütter müssen sich nicht nur um die Kinder kümmern. Zur Tätigkeit gehören auch Büroarbeiten, die Helga Boine erledigt.Niklas Mallitzky © Niklas Mallitzky

Boine ist eine von drei Tagesmüttern, die sich in einem Teil des Gebäudes der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule montags bis freitags um die Kinder kümmert. Dazu kommen Birgit Worm-Witt und Manuela Schäfer, beides Vollzeitkräte. Boine selbst kommt als „Springerin“ dazu, springt also bei Krankheits- und Urlaubsfällen ein.

Nach dem Frühstück treffen sich die Kinder dann im Morgenkreis. Ein festes Ritual, das mittlerweile von den Kindern auch eingefordert würde, so Boine. Hier begrüßen die Kinder einander noch einmal gegenseitig und singen gemeinsam einige Lieder. Auch hier wird wieder deutlich, wie wichtig diese festen Strukturen sind. Denn die Kinder sind alle im Alter von ein bis drei Jahren, die Tagesmütter sind während der Öffnungszeiten der Tagespflege zu einem gewissen Maße der Familienersatz. Die wiederkehrenden Rituale helfen den Kindern bei der Orientierung in diesem Alltag.

Allzu lang darf dieses Ritual aber nicht dauern, denn schließlich wollen die Kinder auch etwas erleben. In der vergangenen Woche war das Wetter schön, so konnten sie draußen nach Herzenslust toben und spielen. Ein Bauwagen ist zu diesem Zweck voll mit Spielgeräten, Bobby Cars und vielem mehr. Der Sandkasten ist mit Einbruch des Regenwetters zwar wieder abgedeckt, an schönen Tagen können die Kinder den aber natürlich auch benutzen. Besonders beliebt sei vor allem das Hochbeet, so Boine: „Die Kinder lieben die Gartenarbeit, selber etwas pflanzen zu können und sich dann darum zu kümmern.“ Die Arbeit an dem Hochbeet ist keine reine Beschäftigungstherapie, so konnten die Kinder im vergangenen Herbst die Früchte ihrer getanen Arbeit ernten. Oder besser gesagt, das Gemüse, die geernteten Mohrrüben und der Kohlrabi landeten ebenfalls auf den Tellern der Kinder.

Tagesmütter bieten neun Kindern eine zweite Heimat

Fred macht sich einen Burger in der Kinderküche. Dort dürfen sich die Kinder unter Aufsicht auch selbst kleine Mahlzeiten zubereiten.Niklas Mallitzky © Niklas Mallitzky

Auch das Mittagessen entspricht gewissen Kriterien, ein nährstoffoptimierter Vier-Wochen-Speiseplan für Ein- bis Dreijährige dient zur Orientierung. „Die Kinder bekommen einmal in der Woche Fleisch, ansonsten gibt es viel Gemüse“, so Boine. „Zum Glück mögen die Kinder das Gemüse gerne, Broccoli steht besonders hoch im Kurs.“ Thunfisch-Bolognese mit Nudeln ist ebenfalls ein Renner bei den Kindern. Auch hier verwenden die Frauen nur Produkte aus Vollkorn- oder Dinkelmehl.

Bei schlechtem Wetter müssen die Kinder kein Trübsal blasen, denn angrenzend an die Räume der Tagespflege befindet sich die alte Turnhalle der Schule. Die Halle ist für die Kinder riesig, der große Spiegel entlang der Kopfseite des Raumes besonders beeindruckend. Hier können die Kinder ebenfalls mit vielen verschiedenen Spielzeugen spielen oder zur Musik tanzen. Momentan sehr beliebt sei das Lied von Hoppelhase Hans, so Boine.

Insgesamt neun Kinder können die drei Tagesmütter in den Räumen der Tagespflege betreuen. Die Kapazitäten sind erschöpft, die Frauen können nicht allen Aufnahmewünschen entsprechen. Deswegen brauche es eigentlich mehr solcher Einrichtungen und Tagesmütter. Im Gegensatz zur klassischen Erzieher-Ausbildung dauert die Zertifizierung für Tagesmütter nur rund ein Jahr, ein polizeiliches Führungszeugnis wird ebenfalls benötigt. Private Tagesmütter kümmern sich oft in den eigenen vier Wänden um die Kinder, das Umfeld und die wohnlichen Gegebenheiten müssen also auch stimmen. So müssen zum Beispiel die Steckdosen gesichert und die Möbel mit spezieller Folie versehen sein, um mögliche Verletzungen zu vermeiden. Das Schöne an dem Job sei, dass man sich so intensiver um seine Schützlinge kümmern kann, so Boine. „In einem Kindergarten mit rund 20 Kindern in einer Gruppe ist das schwieriger.“

Um 12 Uhr geht es für die Kinder dann erst mal ins Bett für den Mittagsschlaf. Zwei Stunden lang, dann geht das bunte Treiben weiter. Wimmelbücher lösen, mit Bauklötzen spielen oder in der Kinderküche Plastikwürstchen mit Plastikkäse zubereiten – etwa eine Stunde bleibt den Kindern noch, dann ist Schluss. Um etwa 15 Uhr schließt die Tagespflegeeinrichtung ihre Pforten, weiter geht es dann am nächsten Tag.

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