Tagesgäste im Seniorenheim sind zurück aus der Corona-Isolation

dzHaus am Nordberg

Für die Senioren, die tagsüber ins Haus am Nordberg kommen, war der Corona-Shutdown hart und trieb sie in die Isolation. Nun dürfen sie wieder zur Tagespflege – unter besonderen Bedingungen.

Bergkamen

, 28.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalbetrieb herrscht im Untergeschoss des Hauses am Nordberg längst noch nicht. Aber Nicol Adamczyk, die Leiterin der Tagespflege des Bergkamener Seniorenheims, ist froh, dass sie wieder Gäste in ihren Räumen empfangen kann. Das sind ältere Menschen, die alleine oder bei ihren Angehörigen wohnen, morgens ins Haus am Nordberg kommen und abends wieder nach Hause gehen.

Während der Corona-Krise mussten sie lange auf diese Betreuungsform verzichten: „Von 18. März bis zum 8. Juni blieb die Tagespflege geschlossen“, berichtet Adamczyk.

Nicol Adamczyk leitet die Tagespflege im Haus am Nordberg in Bergkamen.

Nicol Adamczyk leitet die Tagespflege im Haus am Nordberg. © Stefan Milk

Große Belastung für die Senioren und ihre Angehörigen

Dass das für die Senioren Folgen hat, spüren Adamczyk und ihre Mitarbeiterinnen bei der täglichen Arbeit: „Insbesondere unsere dementziell veränderten Gäste haben stark abgebaut“, sagt sie. Auch für die Angehörigen stellte der Tagespflege-Stopp eine Belastung dar: Sie mussten sich nun den ganzen Tag selbst um die Senioren kümmern. Adamczyk nennt das Beispiel einer Krankenschwester, deren Mutter normalerweise in die Tagespflege kommt. „Ich habe die ganze Zeit über telefonischen Kontakt zu den Angehörigen gehalten“, sagt sie. Manche hätten im Homeoffice gearbeitet, was die Betreuung etwas erleichtert habe.

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Besonders schwer war die Situation für Senioren, die alleine in ihrer eigenen Wohnung leben und denen die sozialen Kontakte bei der Tagespflege fehlten. Eine Frau sei dadurch richtig depressiv geworden, berichtet Adamczyk. Inzwischen komme sie wieder in die Tagespflege. Aber es werde noch eine Weile dauern, bis sie sich von den Folgen der Isolierung erholt habe.

Seniorenheime

Besuche in Zimmern erlaubt

  • Ab dem 1. Juli dürfen Bewohner von Seniorenheimen wieder Besucher in ihren Zimmern empfangen.
  • Die Besuche sind am Nachmittag, an Wochenenden und an Feiertagen möglich.
  • Die Besuche sind auf je zwei Besuche pro Tag und Bewohner von maximal zwei Personen, im Außenbereich vier Personen beschränkt.
  • Bei den Besucherinnen und Besuchern ist ein Kurzscreening einschließlich Temperaturmessung durchzuführen. Die detaillierten Regelungen sind der vorliegenden Allgemeinverfügung zu entnehmen.

Es dürfen weniger Gäste in die Tagespflege kommen

„In normalen Zeiten haben wir 16 Gäste pro Tag“, berichtet Adamczyk. Derzeit kommen im Schnitt acht bis neun, sodass sich die Abstandsregeln einhalten lassen. Damit sich immer die selben Menschen begegnen, sind zwei Gruppen gebildet worden: Die eine kommt montags, mittwochs und freitags an die Albert-Einstein-Straße, die anderen am Dienstag und Mittwoch.

Die Tagespflege ist im selben Gebäudetrakt des Hauses am Nordberg untergebracht wie das Betreute Wohnen.

Die Tagespflege ist im selben Gebäudetrakt des Hauses am Nordberg untergebracht wie das Betreute Wohnen. © Milk

Bei den Mitarbeiterinnen lässt sich dieses Kontinuität aber nicht durchhalten: „Wir haben ja Urlaubszeit“, sagt Adamczyk. Aber selbstverständlich trägt das Personal Masken. Die Gäste auch – zumindest bis sie ihren Platz erreicht haben und von den anderen Abstand halten.

Zweimal täglich wird die Tagespflege desinfiziert. Und auf den täglichen Programmablauf wirkt sich der Schutz vor dem Virus ebenfalls aus. Das eigentlich sehr beliebte gemeinsame Singen muss wegen der Ansteckungsgefahr bis auf weiteres entfallen. „Wir behelfen uns, indem wir Musik vom CD-Player hören“, sagt Adamczyk.

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Auch der Fahrdienst wird komplizierter

Die verschärften Hygiene-Maßnahmen bekommt auch der Fahrdienst der Awo zu spüren, der die Menschen zum Haus am Nordberg bringt und wieder abholt. Pro Fahrt dürfen nur noch drei Senioren in einem Transporter sitzen. Außerdem müssen die Fahrer nach jeder Fahrt das Wageninnere gründlich desinfizieren.

Dennoch sind Adamczyk und ihre Tagesgäste sehr froh, dass überhaupt wieder Betrieb in der Tagespflege herrscht. Aber nicht alle, die vor der Corona-Krise regelmäßig ins Haus am Nordberg kamen, sind zurückgekehrt. Einige haben so abgebaut, dass sie jetzt in einem Pflegeheim leben. „Andere haben Angst, sich anzustecken“, sagt Adamczyk. Sie hat dafür Verständnis.

Wenn die Krise vorbei ist, ist wieder jeder willkommen, meint sie: „Und wir nehmen schon jetzt neue Gäste auf.“

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