Stiefvater mit Brotmesser attackiert - Täter fühlte sich fremdgesteuert

dzLandgericht Dortmund

Ein junger Mann aus Bergkamen greift seinen Stiefvater mit einem Messer an. Jetzt muss er sich dafür vor Gericht verantworten. Um eine klassische Bestrafung geht es aber nicht.

Bergkamen

, 08.04.2020, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angriff kam aus dem Nichts. Vor rund sechs Monaten ist ein junger Mann aus Bergkamen mit einem Brotmesser auf seinen Stiefvater losgegangen. Nur durch Zufall kam es nicht zu schweren Verletzungen. Auslöser war eine schwere Psychose. Im Prozess vor dem Dortmunder Landgericht hat der 21-Jährige dazu am Mittwoch gesagt: „Ich habe Stimmen gehört.“

Es war der 30. September 2019, morgens gegen neun. Der junge Bergkamener hatte Mutter und Stiefvater an der Töddinghauser Straße besucht. Warum? Das ist nicht ganz klar. Nach rund zehn Minuten hatte er das Haus auch schon wieder verlassen. Doch dann fiel ihm noch etwas ein. Er klingelte erneut, der Stiefvater öffnete. Danach ging alles ganz schnell.

Täter glaubte an eingepflanzten Chip im Kopf

Laut Staatsanwaltschaft hat der 21-Jährige sofort zugestochen. Die Folge: ein rund drei Zentimeter langer Bauchstich.

„Ich war damals fremdgesteuert“, sagte der 21-Jährige den Richtern. „Ich habe gedacht: Wenn ich jetzt zusteche, dann hört das auf. Dann werde ich operiert. Ich dachte, man hätte mir heimlich einen Chip in den Kopf eingepflanzt.“ Seit rund zwei Jahren will der Bergkamener schon Stimmen gehört haben – praktisch jeden Tag. „Das ging alles querbeet.“

Er könne sich auch noch erinnern, dass er Mutter und Stiefvater gebeten haben, den Großvater anzurufen und das Telefon an ihn weiterzureichen. Das sei ihm jedoch verwehrt worden. Die Frage sei aber eigentlich unnötig gewesen. „Ich hätte so oder so zugestochen.“

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Das Brotmesser hatte er nach eigenen Angaben bei seinem Bruder eingesteckt. Das sei auch nicht ungewöhnlich gewesen. „Bei mir wurde dreimal eingebrochen“, so der 21-Jährige. „Deshalb hatte ich immer eine Waffe dabei.“

„21-Jähriger gilt als schuldunfähig“

Seinem Stiefvater soll er damals übrigens noch diese Worte gesagt haben: „Wir sehen uns heute zum letzten Mal.“ Doch daran will er sich vor Gericht nicht mehr erinnern können.

Weil die Tat offenbar eindeutig während einer schweren Psychose passiert ist, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Bergkamener schuldunfähig war. Eine klassische Bestrafung kommt deshalb nicht in Frage. Entschieden werden muss aber, ob er auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss – zum Schutz der Allgemeinheit.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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