Stark belasteter Petrolkoks wurde auch im Kraftwerk Heil verbrannt

dzUmstrittener Brennstoff

Auch im Steag-Kraftwerk in Heil ist der stark belastete Petrolkoks verbrannt worden. Die Steag ist sicher, dass davon keine Gefahr ausging und dass ein aufsehenerregender Vorfall nichts damit zu tun hat.

Bergkamen

, 16.01.2020, 15:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der hoch mit Schwermetallen belastete Brennstoff Petrolkoks ist nicht nur in 20 vom Landes-Umweltministerium benannten Kraftwerksstandorten in NRW zum Einsatz gekommen, sondern offenbar in mindestens einem weiteren: Wie David Mühlenfeld, Pressesprecher der Steag bestätigte, wurde auch im Kraftwerk in Heil Petrolkoks eingesetzt.

Nach Mühlenfelds Angaben liegt das schon länger zurück. Petrolkoks ist nach seinen Angaben zwischen 1999 und 2009 im Kraftwerk Heil zur Energieerzeugung verbrannt worden. Er geht davon aus, dass davon keine Gefahren für die Umgebung ausgegangen sind.

Grenzwerte eingehalten

Der Einsatz von Petrolkoks sei genehmigt gewesen. Außerdem würden die Emissionen des Kraftwerks regelmäßig geprüft. Dabei sei es zu keinen Auffälligkeiten gekommen.Nach Mühlenfelds Angaben hat ein Vorfall vor einigen Jahren, als in Bergkamen zahlreiche Autos durch Kraftwerksrückstände verunreinigt wurden, nichts mit der Verbrennung von Petrolkoks zu tun. „Zu diesem Zeitpunkt wurde schon seit einigen Jahren kein Petrolkoks mehr verbrannt“, sagte er.

Zu dem Vorfall war es im September 2014 gekommen. Damals waren weiße Partikel niedergegangen, die sich nicht ohne weiteres vom Autolack entfernen ließen. Die Steag hatte auf ihre Kosten eine umfangreiche Reinigungsaktion veranlasst.

Kleine Anfrage zu Petrolkoks im Landtag

Dass Petrolkoks in Kraftwerken verbrannt wurde, ist durch eine kleine Anfrage der beiden SPD-Landtagsabgeordneten Michael Hübner und Thomas Göddertz an die Öffentlichkeit gekommen. Nach Angaben der beiden Abgeordneten wurden Rückstände aus der Schwerölvergasung aus einer Shell-Raffinerie in der Nähe von Köln als Petrolkoks abgegeben. Die Einstufung als Brennstoff akzeptierte auch die Aufsichtsbehörde, die Bezirksregierung Köln – offenbar fälschlicherweise wie das Landesumweltministerium in er Antwort auf die Anfrage einräumt.

Nach Recherchen des Landesumweltministeriums hätten die als „Petrolkoks“ deklarierten Rückstände schon wegen des hohen Anteils an Nickelsulfit als gefährlicher Abfall eingestuft werden müssen. Nickelsulfit gilt als krebserregend.

Das Ministerium bestätigt ebenfalls, dass in den betroffenen Kraftwerke in Rünthe die Grenzwerte für Vanadium und Nickel nicht überschritten wurden.

Das Ministerium hatte in seiner Antwort auf die Anfrage 20 Anlagen benannt, in denen der Petrolkoks zum Einsatz kam, darunter auch das Steag-Kraftwerk in Lünen.

Petrolkoks

Gefahr durch Schwermetalle

  • Der Ausgangsstoff für Petrolkoks sind sehr schwere Öle, die als Rückstand in Raffinerien anfallen.
  • Bei der Weiterbehandlung bilden sich flüchtige Kohlenwasserstoffe (Gase und Benzin) sowie der Koks als Feststoff.
  • Er wird unter anderem in Hochöfen genutzt, weil der hohe Anteil von manchen Schwermetallen dort vorteilhaft ist.
  • Die Nutzung als Brennstoff ist wegen des hohen Schwermetall-Gehallts (Nickel, Cadmium oder Vanadium) und anderen Elementen wie Schwefel problematisch.
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