Standing Ovations beim Silvesterkonzert in Bergkamen: Schöne blaue Donau an der Lippe

dzStudio-Theater

Eine Sopranistin mit komödiantischem Talent, ein „Teufelsgeiger“ mit Stradivari – und ein Finale mit der heimlichen Hymne Österreichs: Bergkamen hat ein gefeiertes Silvesterkonzert erlebt.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 01.01.2020, 14:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gehört zu den absoluten musikalischen Höhepunkten im Bergkamener Musikjahr, und manche sprechen sogar schon von einer liebgewordenen Tradition: das Silvesterkonzert mit der „M:LW Festival Philharmonie“, das am Silvesterabend einmal mehr für ein proppenvolles Studio-Theater gesorgt hat.

Keineswegs übertrieben hatten die Verantwortlichen im Bergkamener Kulturreferat, als diese für das nunmehr dritte Silvesterkonzert mit der renommierten „M:LW Festival Philharmonie“ unter der Leitung des bulgarischen Dirigenten Martin Panteleev nicht nur hervorragende instrumentale Virtuosen, sondern auch ein absolutes Stimmwunder versprachen. So entpuppte sich die eher zierlich erscheinende Librettistin Ekaterina Korotkova zur Verblüffung des Publikums als eine absolut stimmgewaltige Sopranistin.

Das Publikum fast schwindelig gespielt

Und auch der ungarische Teufelsgeiger József Lendvay, der bereits beim Silvesterkonzert im Jahr 2018 als Solist das Bergkamener Publikum mit einem überaus rasanten Geigenspiel nahezu schwindelig gespielt hatte, bewies in diesem Jahr mit einem beschwingt hüpfenden und zugleich sanft streichelnden Geigenbogen auf der wohlklingenden Stradivari seine musikalische Genialität.

Bei der „M:LW Festival Philharmonie“ handelt es sich um ein beeindruckendes Projektorchester, welches aus der 2012 in Borken gegründeten Penderecki-Musikakademie Westfalen hervorgegangen ist. Darin versammeln sich seitdem hochtalentierte Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt regelmäßig zu einem beeindruckenden Klangkörper – und kommen ihrem großen Vorbild, den Wiener Philharmonikern, in besonderer Weise nahe.

Standing Ovations beim Silvesterkonzert in Bergkamen: Schöne blaue Donau an der Lippe

Ein 50 Musikerinnen und Musiker starkes Orchester begeisterte die Zuhörer im Studio-Theater, hier die erste Geige. © Klaus-Dieter Hoffmann

Wiener Mélange im Dreivierteltakt

Da das Silvesterkonzert eine „Wiener Mélange im Dreivierteltakt“ versprach, durften sich die Zuhörer auf viele Ohrwürmer aus der Strauss-Dynastie freuen. Nichtsdestotrotz machte die Polonaise aus der Oper „Eugen Onegin“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski den Anfang, prachtvoll und opulent gespielt, genau wie es sich der Komponist vermutlich vorgestellt hatte.

Nachdem Sopranistin Ekaterina Korotkova mit der „Arie Numero 18“ aus der Oper „Don Giovanni“ für das erste Gänsehaut-Feeling des Abends sorgte, bewies sie in „Mein Herr Marquis“ aus der Fledermaus zugleich ihr komödiantisches Talent und entlockte hierfür dem Publikum begeisterten Applaus.

Für regelrechte Begeisterungsstürme beim Publikum sorgte indes Maestro József Lendvay unter anderem mit den „Zigeunerweisen“ von Pablo de Sarasate. So manch einer fühlte sich an den Schlager „Bianca“ von Freddy Breck erinnert, als das Orchester dann das „Capriccio Italiano“ anstimmte, welches ebenfalls aus der Feder von Tschaikowski stammt.

Geschichten aus dem Wienerwald

Nicht zuletzt zeigten die über 50 Musikerinnen und Musiker des Orchesters bei den „Geschichten aus dem Wienerwald“ und dem darin befindlichen „Ritenuto“ ihr brillantes instrumentales Können, bei dem das Tempo von den kräftigen Celli, über die leiser werdenden sanften Hornbläser und Flöten bis zur zartklingenden Geige in die Gemütlichkeit eines Sommertages in der Wachau überging, worüber selbst Dirigent Martin Panteleev ins melancholische Schwärmen geriet.

Mit einhundert Sachen über das Notenblatt ging es hingegen bei der flotten Tritsch-Tratsch-Polka und auch bei der späteren Zugabe „Can Can“, während bei der Pizzicato-Polka die Streicher ihr hervorragendes zupfendes Können unter Beweis stellen durften. Keine Frage, dass am Ende des großartigen Konzerts die heimliche Hymne Österreichs „An der schönen blauen Donau“ die Zuhörer zu Standing Ovations anregte.

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