Städtische Ordnungshüter haben immer mehr zu tun, Verkehrssünder zu bändigen

dzOrdnungsdienst

Eigentlich soll sich der städtische Ordnungsdienst um Ordnung und Sauberkeit in der Stadt kümmern. Mittlerweile hat er einen anderen Tätigkeitsschwerpunkt und der hat vor allem mit Verkehrssünden zu tun.

Bergkamen

, 28.02.2020, 16:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Schwerpunkt bei der Arbeit des städtischen Ordnungsdienstes hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr verschoben. Als er gegründet wurde, hatte er die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich die Bürger sicherer fühlen. Er sollte zum Beispiel dort einschreiten, wo es zu Ansammlungen kommt, aus denen heraus Passanten angepöbelt oder belästigt werden. Außerdem sollte er sich um die Sauberkeit in der Stadt kümmern.

Das Ahnden von Verkehrsverstößen ist  mittlerweile die mit Abstand häufigste Maßnahme  des Ordnungsdienstes.

Das Ahnden von Verkehrsverstößen sind mittlerweile die mit Abstand häufigsten Maßnahmen des Ordnungsdienstes. © Johannes Brüne (Archiv)

Ordnungsdienst schreitet oft gegen Falschparker ein

Das tun die zurzeit drei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes immer noch. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist aber mittlerweile ein anderer, wie ihr Vorgesetzter bestätigt – der Sachgebietsleiter für Ordnungsangelegenheiten, Heiko Brüggenthies.

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Nach der Statistik, die er jetzt wieder im Ausschuss für Familie, Soziales, Gesundheit und Senioren vorlegt, geht es bei den meisten Einsätzen der Ordnungshüter um Falschparker. Allein im vergangenen Jahr mussten sie in 2013 Fällen einschreiten, weil Autofahrer sich nicht an die Verkehrsregeln hielten. Dagegen nehmen sich die 157 weiteren Fällen, in denen sie einschritten, verschwindend gering aus.

Ein Einsatzschwerpunkt sind die Bergkamener Grundschulen. Dort gibt es so gut wie täglich Ärger mit sogenannten „Elterntaxis“.

Ein Einsatzschwerpunkt sind die Bergkamener Grundschulen. Dort gibt es so gut wie täglich Ärger mit sogenannten „Elterntaxis“. © Stefan Milk (Archiv)

Brennpunkt vor den Grundschulen

Nach Angaben von Brüggenthies gibt es vor allem vier Brennpunkte, an denen die städtischen Ordnungshüter immer wieder gegen Parksünder durchgreifen müssen. Alle vier liegen direkt vor Bergkamener Grundschulen und in allen vier Fällen geht es um die „Elterntaxis“, die Kinder morgens zur Schule bringen und nach Schulschluss wieder abholen.

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Nach Brüggenthies´ Angaben halten sich viele Eltern nicht an Park- und Halteverbote vor den Schulen. Der Ordnungsdienst beobachtet beispielsweise immer wieder motorisierte Eltern, die zum Schulschluss zu früh sind und trotz Parkverbot auf der Straße warten. „Das kann bis zu zehn Minuten dauern. In dieser Zeit halten sie den gesamten Verkehr auf“, ärgert sich der Sachgebietsleiter.

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Vor der Schillerschule an der Bambergstraße ist die Situation sogar so eskaliert, dass die Stadt vor der Schule ein absolutes Halteverbot auf beiden Straßenseiten angeordnet hat. Geholfen hat es nur begrenzt. Es stehen immer noch Elterntaxis an der Schule.

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Brüggenthies ärgert sich nicht nur darüber, weil sie den Verkehr behindern, sondern weil sie auch Kinder gefährden. „Die kommen manchmal kaum über die Straße“, sagt er.

Die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes sind meist nicht allein, sondern zu zweit auf Streife. Sie müssen sich fast täglich Beleidigungen anhören, wenn Menschen bei einem Fehlverhalten ertappt werden.

Die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes sind meist nicht allein, sondern gehen zu zweit auf Streife. Sie müssen sich fast täglich Beleidigungen anhören, wenn Menschen bei einem Fehlverhalten ertappt werden. © Marcel Drawe

Es kommt fast täglich zu Beleidigungen

Nach seinen Angaben sind viele Verkehrssünder uneinsichtig und es kommt zu Übergriffen gegen die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes. „Unsere Mitarbeiter werden fast täglich angepöbelt. Das ist schon fast Standard“, sagt er.

Sicherheit

Drei Ordnungshüter sind fast täglich unterwegs

Der Bergkamener Ordnungsdienst besteht zurzeit aus drei Mitarbeitern. Zwei von ihnen sind unbefristet Vollzeit bei der Stadt angestellt. Ein weiterer wird noch bis September 2022 als „Ordnungsdiensthelfer“ im Rahmen des „Teilhabechancengesetzes“ eingesetzt. Träger der Maßnahme ist die Werkstatt Unna. Der Ordnungsdienst arbeitet normalerweise von 7 bis etwa 16 Uhr. Vor allem im Sommer kommen auch Spätschichten bis 22 Uhr hinzu. Die städtischen Ordnungshüter waren 2019 in allen Bergkamener Stadtteilen unterwegs, mit einer Ausnahme: In heil gab es keine Einsätze. Die Überwiegende Zahl, 7763, waren Kontrollen ohne besondere Vorkommnisse. In 3079 Fällen nahmen die Mitarbeiter Hinweise oder Beschwerden von Bürgern entgegen oder standen als Gesprächspartner zur Verfügung. Die meisten Einsätze gab es in Bergkamen-Mitte (4913) und in Weddinghofen (1655). In Oberaden waren es 746, in Rünthe 439 und in Overberge nur zehn.

Schwerwiegende körperliche Übergriffe hat es bisher noch nicht gegeben. Brüggenthies führt das darauf zurück, dass die Ordnungshüter ein Deeskalationstraining gemacht haben.

Neben dem Einsatz gegen Verkehrssünder gehen die drei Ordnungsamtsmitarbeiter aber auch ihrer eigentlichen Tätigkeit nach und Sorgen für Sicherheit und Ordnung. Sie haben einen Tourenplan, nach dem sie bestimmte Brennpunkte in der Stadt regelmäßig kontrollieren, zum Beispiel den Nordberg, den Wasserpark, aber auch die Spielplätze.

Vandalismus, Drogenkonsum und wilder Müll

Hinzu kommen Einsätze aufgrund von Hinweisen und Beschwerden von Bürgern. Sonderkontrollen hat der Ordnungsdienst zum Beispiel an der Stadtbibliothek durchgeführt, weil es Beschwerden über Personen gab, die betrunken waren und in der Öffentlichkeit urinierten. Im Bereich Stormstraße in Oberaden gab es Hinweise auf Vandalismus und Drogenkonsum, ebenso wie in der Umgebung des Pestalozzihauses. Bei ihren Streifen und den Sondereinsätzen griff der Ordnungsdienst beispielsweise 42 mal wegen unangeleinter Hunde, 40 mal wegen wilden Mülls und 28 mal wegen Rauchen unter 18 Jahren ein. In zwei Fällen hielten sich Personen unberechtigt auf Spielplätzen auf und in jeweils einem Fall schritten sie wegen Urinierens in der Öffentlichkeit und wegen zu lauter Musik ein.

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