Stadtbetrieb rät zu Rasen statt Pflaster

dzHochwasserschutz

Der Stadtbetrieb Entwässerung sieht den Trend zu Steingärten mit Sorge. Er fürchtet fatale Folgen bei einem Starkregenereignis, wenn Flächen versiegelt werden.

Bergkamen

, 04.12.2018, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Stadtbetrieb Entwässerung (SEB) sieht schon seit einiger Zeit mit Sorge, dass immer mehr Hauseigentümer Gartenflächen versiegeln. Der Trend geht bei vielen Eigentümern zu fast pflegefreien Steingärten. „Das sieht dann oft aus wie das Alpenvorland“, sagt Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters. Das Problem für die Abwasserbeseitigung ist aber nicht die Gestaltung mit Steinen, sondern der Unterbau, der bei solchen Gärten üblich ist. Dabei wird unter den Steingarten meist eine Folie verlegt, die mehr oder weniger wasserundurchlässig ist – auch um das Unkraut am Durchkommen zu hindern. „Selbst wenn es sich um eine wasserdurchlässige Folie handelt, versickert nicht so viel Wasser wie bei Rasen oder Pflanzbeeten“, erläutert Thomas Staschat, der technische Leiter des Stadtbetriebs.

Starkregen kommt in Zukunft häufiger

Für den SEB ist das vor allem im Hinblick auf den Hochwasserschutz ein Problem. Experten gehen davon aus, das es durch den Klimawandel in Zukunft häufiger zu solchen Starkregenereignissen wie im September 2014 kommt – auch wenn das trockene Jahr 2018 einen anderen Eindruck vermittelt. Damals waren weite Teile von Bergkamen überflutet. Staschat meint, dass es nur eine Frage von relativ kurzer Zeit ist, bis es wieder zu einem ähnlich starken Regen kommt. Mittlerweile hat der SEB zwar einiges für den Hochwasserschutz getan – wie zum Beispiel die Regenrückhaltebecken ausgebaggert. Trotzdem seien Überflutungen bei solchen Wassermassen nicht zu vermeiden, sondern allenfalls abzumildern.
Versiegelte Gartenflächen führen aber zu einem genau gegenteiligen Effekt. „Wir gehen davon aus, dass das Wasser von dort größtenteils über die öffentliche Kanalisation abfließt – entweder über die Hausentwässerung oder direkt über den Gehweg oder über die Straße“, sagt Staschat. Das bedeutet, dass bei Starkregen noch mehr Wasser über die Kanalisation abfließen und meist auch noch gepumpt werden muss. Außerdem besteht die Gefahr, dass Wasser von versiegelten Flächen direkt über Kellerfenster oder den Schacht für die Kellertür ins Haus läuft. „Wir arbeiten am Hochwasserschutz, aber die privaten Eigentümer müssen auch ihren Teil dazu tun“, sagt der technische Leiter.

Er weist außerdem darauf hin, dass Rasenfläche und Beete auch an heißen Tagen deutlich besser für das Mikroklima am Haus sind als versiegelte Flächen und Steine.

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