Stadt muss klären, ob sie Brandschau versäumt hat

dzGeräumte Häuser

Handelt es sich bei den geräumten Häusern um Hochhäuser? Dieser Frage geht die Stadt jetzt nach. Sie ist wichtig, weil dann eine regelmäßige Brandschau erforderlich gewesen wäre.

Bergkamen

, 04.07.2019, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadtverwaltung will jetzt klären, ob die Bauaufsicht die beiden geräumten Häuser an der Töddinghauser Straße schon früher kontrollieren musste. Entscheidend dafür ist, ob es sich bei den beiden Gebäude mit jeweils acht Etagen um Hochhäuser handelt oder nicht, wie Bürgermeister Roland Schäfer sagte. In Hochhäusern sind regelmäßige Brandschauern vorgesehen, in Mehrfamilienhäusern aber nicht. Bisher hatte die Stadt nur ein Gebäude in Bergkamen tatsächlich als Hochhaus geführt – den bereits vor einigen Jahren abgerissenen Wohnturm, den sie im Jahr 2000 für unbewohnbar erklärt hatte. Bisher war die Stadt bei den 1973 gebauten Häusern davon ausgegangen, dass es sich nicht um Hochhäuser handelt. Deshalb hatte es auch keine Brandschauen gegeben. „Falls die Gebäude fälschlicherweise nicht als Hochhäuser geführt wurden, müssen wie klären: Was bedeutet das rechtlich?“, sagte der Bürgermeister.

Baudezernent nimmt im Ausschuss Stellung

Diese und weitere Fragen zu den geräumten Häusern soll Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bauen und Verkehr am kommenden Dienstag, 9. Juli, beantworten. Der Ausschuss tagt um 17 Uhr im Ratssaal im Ratstrakt neben dem Bergkamener Rathaus. Alle interessierten Bürger können als Zuhörer an der öffentlichen Sitzung teilnehmen.

Bürgermeister wertet einen Teil der BergAUF-Fragen als Polemik

In der Sitzung geht es auch um die zwölf Fragen, die der Stadtverwaltung von der Fraktion BergAUF gestellt worden sind. Schäfer wertete einen Teil der Fragen allerdings schon jetzt als reine Polemik. Er wertete zum Beispiel die Aussage in einer Frage, dass die Eigentümerin der Turmarkaden nichts getan habe, um das leere Einkaufszentrum vor unerlaubtem Betreten zu sichern, als reine Stimmungsmache.

Stadt muss klären, ob sie Brandschau versäumt hat

Beim Brand in den Turmarkaden am 10. Mai hatte die Feuerwehr die Häuser in kurzer Zeit evakuiert. Der Bürgermeister geht davon aus, dass deshalb niemand zu Schaden kam. © Borys Sarad

Schäfer nimmt auf seiner Homepage Stellung

Schäfer hat mittlerweile auf seiner Homepage unter dem Punkt „Bürgermeister“ in einem Extra-Beitrag noch einmal umfangreich Stellung dazu genommen, warum die beiden Häuser geräumt werden mussten. Außerdem geht es um die öffentliche Diskussion zur Räumung.

Rauch und CO dringen über Technikraum ein

Nach Schäfer Angaben sind Rauch und Kohlenmonoxid (CO) beim Brand in den benachbarten Turmarkaden über den nicht ausreichend abgeschotteten Technikraum der beiden Gebäude in die Häuser eingedrungen. Von dort hätte sie sich schnell in alle Etagen und alle Wohnungen verteilt. Die Feuerwehr habe kurze Zeit nach dem Brand in Teilbereichen der Gebäude eine CO-Konzentration von mehr als 200 ppm gemessen. Bei dieser Konzentration kommt es schon zu gesundheitlichen Beschwerden wie Schwindelgefühle, Schläfrigkeit, Übelkeit und Erbrechen.

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Drei Faktoren für schnelle Ausbreitung

Verantwortlich für die schnelle Ausbreitung sind vor allem drei Faktoren, schreibt der Bürgermeister: die Müllschlucker-Schächte, die über alle Etagen reichen, die Schächte der Zwangsentlüftung für die Bäder und die Küchen sowie „zahlreiche Durchbrüche in Wände, Decken und Schächten“.

Bei den bisherigen Bränden habe die Feuerwehr die beiden Häuser jeweils so schnell evakuiert, dass niemand zu Schaden gekommen sei. Giftiger Brandrauch und CO könnten sich auch bei einem Brand in einem der beiden Gebäude so schnell verteilen, dass die Feuerwehr das für künftige Einsätze nicht garantieren könne. Dann könne es zu Verletzten oder sogar zu Toten kommen.

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