Staatsanwältin findet Angeklagten auffallend teilnahmslos – Verteidiger fordert Freispruch

dzPlädoyers im Missbrauchsprozess

Im Missbrauchsprozess gegen einen 52-jährigen Bergkamener wollen die Richter Mitte Juni ihr Urteil sprechen. Für den Angeklagten steht dabei eine Menge auf dem Spiel.

Bergkamen

, 02.06.2020, 15:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über Jahre hinweg soll ein heute 52-jähriger Mann aus Bergkamen zwei Töchter seiner Ex-Lebensgefährtin sexuell missbraucht haben. Die Frauen sind inzwischen über 30 Jahre alt und leben in Österreich. Und doch „kämpfen beide bis heute mit den Folgen der Taten“, wie ihre Anwältin Birgit Schwipp am Dienstag im Dortmunder Landgericht sagte.

Plädoyers nach langem Warten

Nach vielen Wochen des Wartens konnten in dem Prozess vor der 31. Strafkammer endlich die Plädoyers gehalten werden. Und Staatsanwältin Alina Hildesheim legte gleich richtig los. „Dieses Verfahren hat mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt und wird mir deshalb in Erinnerung bleiben“, sagte sie. Zum einen habe Verteidiger Manfred Heinz das Verfahren immer wieder verschleppt, zum anderen „habe ich selten erlebt, dass sich ein Angeklagter so teilnahmslos gezeigt hat, wie in diesem Prozess“, so Hildesheim.

Serie soll 1997 begonnen haben

Für die Vertreterin der Anklagebehörde steht fest, dass der heute 52-Jährige schon im Jahr 1997 damit begonnen hat, die beiden Töchter seiner damaligen Partnerin sexuell zu missbrauchen. Anfangs habe es sich bei den Übergriffen noch um verbotene intime Berührungen gehandelt. Später habe der Mann die Kinder auch zum Geschlechtsverkehr gezwungen und dabei stets gesagt: „Wenn du jemandem etwas verrätst, kommst du ins Heim.“

Tatorte in drei Städten

Die vielen Übergriffe sollen sich in den unterschiedlichen Wohnungen der Familie zugetragen haben – in Bergkamen, Bönen und zuletzt in Dortmund. Laut Staatsanwältin Hildesheim endete die Missbrauchsserie erst mit dem Umzug der Kinder nach Österreich. Die Anklägerin forderte schließlich fünf Jahre und drei Monate Haft, wobei die lange Verfahrensdauer schon massiv zugunsten des 52-Jährigen berücksichtigt worden sei.

Verteidiger glaubt an Intrige

Opferanwältin Birgit Schwipp schloss sich diesem Antrag ohne Wenn und Aber an. Dann war Verteidiger Manfred Heinz an der Reihe. Dessen Antrag stand schon vorher fest: Freispruch. Der Anwalt ist davon überzeugt, dass das Gericht auf die Aussage der Zeuginnen vor Gericht nicht bauen darf. Beide Frauen hätten wenig detailreiche Angaben gemacht und sich immer wieder widersprochen.

Der Verteidiger glaubt weiterhin daran, dass die Missbrauchsvorwürfe nur deshalb in die Welt gesetzt worden sind, um dem verhassten Ex-Stiefvater nachträglich zu schaden. Wie das Gericht den Fall bewertet, wird sich am 15. Juni zeigen.

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