Sprösslinge wachsen in Literaturkita auf

dzFamilienzentrum zertifiziert

900 Bücher, rund 90 Kinder und ein Familienzentrum, das nun den Titel „Literaturkita“ trägt. Für die Overberger Sprösslinge eine Chance, Bücher selbstverständlich ins Leben zu integrieren.

Bergkamen

, 22.11.2018, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Denn immer noch ist es so, dass ein Teil der in Overberge aufgenommenen Kinder Bücher erst im Familienzentrum kennenlernt. Zwischen 20 und 50 Prozent der Kinder haben einen zusätzlichen Sprachförderbedarf. Da aber Sprache sowohl die Voraussetzung zu einem guten Start in der Schule als auch für das ganze Leben ist, bemüht sich das Familienzentrum unter der Leitung von Susanne Kortendiek seit drei Jahren, die Literatur zum zentralen Thema zu machen. Und darf sich deshalb ab sofort mit dem Titel „Literaturkita“ schmücken. Allen Kindern stehen in der Einrichtung jederzeit Sach- und Bilderbücher zur freien Nutzung zur Verfügung. „Es war ein langer Prozess, der eigentlich schon vor drei Jahren begonnen hat“, sagt Susanne Kortendiek. Damals reifte im Team – nach einer Fortbildung zur Sprachförderung – die Idee, aus dem Familienzentrum eine „Literaturkita“ zu machen. Weil viele Familien ihren Kindern zu wenig Zugang zu Büchern böten, sollten die Kinder in der Kita damit in Berührung kommen können. „Für die meisten Kinder steht das Vorlesen lange Zeit für Kuscheln, innige Nähe und eine besondere Atmosphäre, und ich würde mir wünschen, das möglichst viele Mädchen und Jungen so entdecken, dass Bücher eine Selbstverständlichkeit im Leben sind“, sagt die zuständige Beigeordnete Christine Busch im Rahmen einer Feierstunde am Donnerstag.

Sämtliche Gruppenräume in der Kita verfügen mittlerweile über einen eigenen Lesebereich. Doch sie lesen nicht bzw. lassen sich vorlesen, sondern reinigen und reparieren regelmäßig beschädigte Bücher „für einen wertschätzenden und behutsamen Umgang.“ Freitags können sie sich Bücher ausleihen und mit nach Hause nehmen ganz so wie in einer „echten“ Bücherei. „Das tun auch schon die U3-Kinder“, bestätigt Kortendiek. Einmal pro Woche kommen Lesepatinnen ins Familienzentrum. Die leihen regelmäßig Bücher in der Stadtbibliothek aus, um daraus dann später in kleinen Gruppen vorzulesen. Zum Konzept gehört auch ein zweisprachiges Schattentheater, das in deutsch und türkisch aufgeführt wird. Und dann tagt noch eine morgendliche Zeitungsrunde, die sich mit Fotos und Artikeln aus der Tageszeitung beschäftigt. Ebenso wie in der benachbarten Grundschule hängt auch im Familienzentrum ein gläserner Schaukasten, in dem ein aufgeschlagenes Bilderbuch liegt und jeden Tag weitergeblättert wird. Die Sprösslinge jedenfalls haben längst erkannt, das „lesen eine coole Sache“ ist, wie sie mit musikalischer Unterstützung von Sabine Mottog lautstark verkündeten.

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