Springen oder nicht springen?

dzParkour-Workshop

Der Parkour-Workshop, den die Jugendkunstschule für 10- bis 14-Jährige anbietet, ist kostenlos. Doch Workshopleiter Pablo Giese verlangt von den Teilnehmern eine besondere Eintrittskarte, die alle lösen müssen.

Bergkamen

, 15.10.2018, 16:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Denn selbst wenn die zwölf Mädchen und Jungen, die mitmachen, schon vom Rückwärts-Salto an der Wand und dem Sprung vom Dach träumen: Erst müssen sie über Parkour nachdenken. „Parkour ist eine individualisierte und freiheitliche Sportart“, sagt Giese, selbst Profi-Traceur und Gründer von „Parkour im Pott“. Und bevor die jungen Sportler starten und ihren Körper einsetzen, sollen sie sich mit Kopf und Bauch Gedanken über Grenzen und Regeln des Parkour machen. Dazu gehört, die eigene Unversehrtheit und die der anderen ebenso wenig zu verletzen wie die Geräte heil zu lassen. „Ihr seid frei“, sagt Giese, „aber ihr müsst auch mit euren Entscheidungen und möglichen Konsequenzen leben.“ Das heißt dann oft: Springen oder nicht springen. Parkour, die Sportart, während der die Akteure möglichst flüssig und elegant Hindernisse überwinden, indem sie wahlweise springen, klettern oder abrollen, ist grenzenlos. Doch diese Freiheit beinhalte ebenso eine große Verantwortung, sagt Giese. Er lasse die Workshopteilnehmer an der ganz langen Leine, nach dem Motto „du darfst, was du kannst.“ Junge Menschen, die sich auf dieses Konzept einlassen, können ganz viel wachsen und erhielten Transferpotenzial für alle Lebensbereiche.

Springen oder nicht springen?

Sascha Wohlfahrt gehört zum Team „Parkour im Pott“ und zeigt, wie man über den Kasten springen kann. © Marcel Drawe

Erste eigene Route

Die Kinder und Jugendliche, die unter Anleitung von Sascha Wolfrath am ersten Tag versuchen, mit einer Drehung über den Kasten zu springen oder den Barren als Trainingsgerät für erste Übungen nutzen, machen überwiegend schon Sport, Judo oder andere Kampfsportarten und Turnen. Für Parkour beste Voraussetzungen.

Am Ende des Workshops sollten sie, so Giese, „sportlich stabile Vorstellungen“ von Sprung- und Landetechniken haben und erste eigene Routen laufen können. Bis dahin betreuen sie neben Pablo Giese und Sascha Wolfrath auch noch Guido Grebing, Kamil Sowa und Mario Vogt aus dem Team im Pott.

Die Angst vor dem Sprung

Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit sei dabei, neben aller Sportlichkeit auch für eine angenehme Atmosphäre in der Halle zu sorgen, die Gefühle wie Angst und Scham in jedem Moment zulässt. Denn: „Ich gebe zu, auch ich habe Schiss“, sagt Giese zu den Jugendlichen. Und das sei auch ganz gut so. Nicht nur im Parkour müsse man lernen, sich selbst und seinen Körper richtig einzuschätzen. Dazu gehöre auch das Gefühl der Angst vor dem nächsten Sprung und das Schamgefühl nach der Entscheidung: Ich kletter wieder runter. „Das darf alles sein. Und es ist wichtig“, sagt Giese. Parkour-Läufer sind in Bergkamen schon seit mehr als zehn Jahren unterwegs und ein festes Angebot der Jugendkunstschule. Jugendliche über 14 Jahre treffen sich regelmäßig donnerstags von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle 1 des Gymnasiums. Mit dem Workshop während der ersten Herbstferienwoche sollen jetzt gezielt die jüngeren Sportler von 10 bis 14 Jahren angesprochen werden

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