So unterstützen Bergkamener Kleingärtner die Wildbienen

dzArbeit und Entspannung in der Parzelle

Im Frühjahr nächsten Jahres fliegen die Wildbienen wieder. Dann wollen die Kleingärtner aus dem Krähenwinkel in Weddinghofen mehrere Insektenhotels aufstellen. Aber noch genießen sie den Sommer.

von Sharin Leitheiser

Bergkamen

, 19.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Viele Bergkamener Kleingärtner müssen für ihre Auszeit vom Alltag gar nicht weit fahren, denn sie haben ihre privaten Naherholungsgebiete ganz in der Nähe gepachtet. Wir haben in örtliche Kleingartenanlagen hineingeschnuppert und bei den Gartenbesitzern nachgefragt, wie sie sich und ihre Pflanzen vor dem Hitzeschock bewahren und in Urlaubsstimmung kommen.

Nicht nur Entspannung

„Solange die Pumpen in unseren Bohrlöchern noch Wasser ansaugen statt Luft, ist alles halb so wild“, bilanziert der 1. Vorsitzende vom KGV „Im Krähenwinkel“ Michael Ludwig. Jede Wetterlage habe ihre Vor- und Nachteile „und diesen Sommer muss man eben besonders die Morgen- und Abendstunden nutzen, um seine Pflanzen zu gießen.“ Ein Urlaub im Kleingarten könne niemals ein reiner Entspannungsurlaub sein, betont der langjährige Kleingärtner. Dazu gebe es schlichtweg zu viel zu tun. „Aber wer die Gartenarbeit als Ausgleich sehen kann und die Entspannung als Belohnung für seine Arbeit, ist hier genau richtig.“

So sehen das auch Egon und Anne Seifert, die ältesten Pächter im „Krähenwinkel“. Sie bewirtschaften ihre Parzelle Nummer 34 nun schon seit 42 Jahren und belegen im internen Kleingarten-Ranking regelmäßig den ersten Platz. „Gartenarbeit macht jung, außerdem lieben wir die Natur“, erklärt Egon Seifert seinen Ehrgeiz. Über dem Fischteich hinter ihrer Gartenhütte haben die Eheleute sogar einen Sonnenschirm aufgespannt. „Die armen Fische müssen zurzeit beschattet werden, sonst gehen sie uns bei der Hitze noch ein“, so Anne Seifert.

Obst und Gemüse sind den beiden jedenfalls nicht eingegangen. Das meiste hat Egon Seifert bereits aus der Erde geholt. Sogar verschiedene Kartoffelarten konnte er in diesem Jahr ausbuddeln: „Solara“, eine eher mehlige Knolle, „Belana“, laut Seifert eine „Kartoffel für alle Fälle“ und die holländische „Gunda“.

So unterstützen Bergkamener Kleingärtner die Wildbienen

Anne und Egon Seifert in der Kleingartenanlage „Im Krähenwinkel“vor ihren Weinreben. Die Weinlese steht in ein paar Tagen an. © Leitheiser

Was jetzt noch anstehe, sei die Weinlese. Tomaten, Kürbisse, Paprika und Co. ernten die Seiferts nach und nach ab. In ihre erfolgreiche Ernte mussten sie wie alle anderen Kleingärtner einige Gießkannen voll Wasser investieren, erzählt Anne Seifert.

Wenn Egon und Anne Seifert in diesem Jahr die „Kartoffelkönige“ vom Krähenwinkel waren, sind Anja und Klaus Petrat nicht nur wieder einmal Stadtmeister, sondern auch die unangefochtenen „Einmach-Champions“. 557 Weckgläser haben sie allein in der laufenden Saison eingekocht – und es werden täglich mehr. Apfelmus aus 700 Äpfeln, Senfgurken aus 65 Kilo geschälten und entkernten Gurken, Marmelade, rote Bete und Böhnchen landeten bei ihnen bereits luftdicht verschlossen im Vorrat.

„Mit Holunderblüten-Gelee wird unsere Gartensaison eröffnet und mit Pflaumenmus offiziell beendet“, erklärt Anja Petrat scherzhaft. Sie und ihr Mann hätten nach 40 Jahren gemeinsamer Gartenarbeit im „Krähenwinkel“ einige Kleingarten-Rituale entwickelt. „Aus den ersten Erdbeeren machen wir zum Beispiel immer eine Erdbeer-Bowle und die ersten Kartoffeln landen grundsätzlich in der Bratpfanne“, verrät sie.

Insektenhotels im Frühjahr

Nur für Tomaten hegt Klaus Petrat eine einseitige Leidenschaft. In seinem Gewächshaus züchtet der Frührentner zahlreiche Sorten von klein bis groß, rosa bis schwarz und rund bis oval.

Auch Vereinsvorsitzender Michael Ludwig ist Tomaten-Liebhaber und hat in seinem eigenen Garten bereits einige Formen und Farben ausprobiert. „Eine russische Tomaten-Art mit riesigen, pinken Früchten ist in der Anlage mittlerweile nur noch als ‚Atom-Tomate‘ bekannt“, scherzt er.

So unterstützen Bergkamener Kleingärtner die Wildbienen

Stadtmeister Anja und Klaus Petrat bei der Rote-Bete-Ernte in ihrer Parzelle. © Leitheiser

In der Kleingarten-Anlage „Im Krähenwinkel“ zieht sich außerdem ein auffälliges Markenzeichen durch die Parzellen. In vielen der 49 Gärten steht ein eigenes Insekten-Hotel, in dem sich vor allem Wildbienen gerne einnisten.

Das größte Exemplar haben Ludwig und seine Vereinskollegen in der ehemaligen Parzelle Nummer 41 aufgestellt, die seit einigen Jahren als Lehrgarten mit Barfußpfad, Apfelbaum und Blumenmeer dient.

„Um dem Insektensterben entgegenzuwirken, planen wir gerade auch noch ein Projekt für ganz Weddinghofen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Apotheker Christian Weischede sei vor einiger Zeit mit der Idee auf ihn zugekommen. Mittlerweile hätten auch weitere Vereine ihre Unterstützung zugesichert. „Im Frühjahr nächsten Jahres fliegen die Wildbienen wieder. Dann wollen wir an markanten Punkten in Weddinghofen Insektenhotels aufstellen“, so Ludwig.

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