Wellenbad Bergkamen: Corona-Regeln gefallen manchen Gästen richtig gut

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Wegen der Corona-Pandemie ist im Wellenbad in Bergkamen vieles verboten, was sonst erlaubt ist. Wir haben vor Ort geschaut, wie es mit begrenzter Gästezahl und anderen Regeln läuft.

Bergkamen

, 12.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist heiß, das Wasser im Schwimmbecken lockt und auf dem Sprungturm albern zwei Jugendliche herum. Jäh wird die sommerliche Schwimmbad-Idylle von einem schrillen Pfiff aus der Trillerpfeife unterbrochen. „Bitte Abstand halten, auch auf dem Sprungturm“, ruft Schwimmmeisterin Marion Sobolewski quer übers Becken. Sie sitzt auf dem Ausguck am Beckenrand und hat im Blick, dass sich die Besucher im Wellenbad nicht zu nahe kommen.

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Das Wellenbad in Weddinghofen ist zwar schon seit einiger Zeit geöffnet, auch die Wellenmaschine läuft wieder – aber dennoch ist in den Zeiten der Corona-Pandemie alles anders. Das merken Besucher schon, wenn sie unangemeldet an der Kasse des Wellenbades stehen.

Linda Goumaa und Andreas Pieper achten darauf, dass Sicherheitsabstände und Maskenpflicht eingehalten werden. Sobald die Besucher die Kasse passiert haben und ins Freie getreten sind, dürfen sie die Masken wieder abnehmen. Maskenpflicht gilt auch in den Sanitäranlagen.

Linda Goumaa und Andreas Pieper achten darauf, dass Sicherheitsabstände und Maskenpflicht eingehalten werden. Sobald die Besucher die Kasse passiert haben und ins Freie getreten sind, dürfen sie die Masken wieder abnehmen. Maskenpflicht gilt auch in den Sanitäranlagen. © Stefan Milk

Sicherheitsdienst an der Kasse

Ein Ehepaar, das mit Badetasche kommt, wird an der Kasse wieder zurückgewiesen. „Sie müssen sich online anmelden, sonst können wir sie nicht hereinlassen“, erklärt ihnen der Sicherheitsdienst. Der Badbetreiber, die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW), haben mit dem Kreis-Gesundheitsamt vereinbart, dass nur angemeldete Besucher eingelassen werden, um den Überblick über die Anzahl der Besucher zu behalten, erklärt GSW-Sprecher Timm Jonas.

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Die Besucherzahl ist auf 1500 pro Tag begrenzt, die aber auch nicht alle gleichzeitig kommen dürfen. 750 dürfen im Zeitfenster am Vormittag von 10 bis 14 Uhr kommen,weitere 750 am Nachmittag von 15 bis 19 Uhr. In der Stunde dazwischen wird das Bad gründlich gereinigt und desinfiziert.

Schwimmmeister Daniel Knapp leitet das Wellenbad in Bergkamen-Weddinghofen.

Schwimmmeister Daniel Knapp leitet das Wellenbad. Er und seine Kollegen achten darauf, dass die Vorgaben des Gesundheitsamtes eingehalten werden. © Stefan Milk

Nur 750 Badegäste in jedem Zeitfenster

Diese Regelung dürfte nicht nur bei abgewiesenen Besuchern zu Frust führen, sondern auch vor dem Computer. In den vergangenen heißen Tagen war der Nachmittag immer komplett ausgebucht, allenfalls vormittags waren noch kurzfristig Plätze zu haben. Schwimmmeister Daniel Knapp geht aber davon aus, dass der Andrang nach dem Ende der großen Ferien in dieser Woche deutlich nachlässt.

Jan aus Weddinghofen, der im Urlaub mit seinem Sohn jeden Tag ins Wellenbad kommt, will aber trotzdem am Nachmittag wiederkommen. Sein Sohn wird eingeschult, aber nachmittags haben beide weiterhin Zeit. Er beklagt sich, dass er morgens und abends Eintritt zahlen muss.

Anders lasse sich die Zahl der Besucher aber nicht reglementieren, erklärt ihm Knapp. „Ein Kassenzettel ist bei dem weitläufigen Gelände schnell durch den Zaum gesteckt – und dann haben wir auf einmal viel mehr als die erlaubten 750 Besucher im Bad“, erläutert er.

Schwimmmeister Andreas Moroz wacht am Wellenbecken und schaltet die Wellenmaschine regelmäßig ein.

Schwimmmeister Andreas Moroz wacht am Wellenbecken und schaltet die Wellenmaschine regelmäßig ein. © Stefan Milk

Bänke und die große Liegewiese sind gesperrt

Auch sonst bestimmt der Hygieneplan des Gesundheitsamtes den Besuch im Wellenbad. Im Bereich der Kasse müssen alle Besucher eine Mund-Nase-Maske tragen. Wer seine vergessen hat, kann sie im Kiosk kaufen.

Alle Bänke an den Beckenrändern sind mit rot-weißen Flatterband gesperrt, damit sich dort nicht zu viele Menschen hinsetzen. Ob sie zusammengehören, lasse sich nicht kontrollieren, sagt Knapp.

Auch die große Liegewiese hinter den Becken ist abgesperrt. „So viel Personal, um dort den Abstand zu kontrollieren, haben wir gar nicht“, sagt der Schwimmmeister. Immerhin bietet das Bad 24.000 Quadratmeter Wiese – fast so viel wie dreieinhalb Standard-Fußballplätze.

Rutschen ist erlaubt, aber auch dabei müssen Badegäste Abstand halten. Dichter zusammen dürfen nur diejenigen, die zusammen leben.

Rutschen ist erlaubt, aber auch dabei müssen Badegäste Abstand halten. Dichter zusammen dürfen nur diejenigen, die zusammen leben. © Stefan Milk

Die Besucher sind meistens sehr diszipliniert

Im Einsatz sind ständig vier Sicherheitsleute, von denen zwei am Eingang stehen und zwei über die Wiese patroullieren, und drei Bademeister. Eingreifen müssen sie selten, allenfalls sanft ermahnen. „Wir mussten noch niemanden des Bades verweisen, zumindest nicht wegen Missachtung der Corona-Regeln“, sagt Knapp.

Wenn die Besuchszeit beginnt, sind immer zwei Kassen offen, damit die Schlange nicht zu lang wird.

Das Wellenvergnügen ist mit ausreichend Abstand möglich.

Das Wellenvergnügen ist mit ausreichend Abstand möglich. © Stefan Milk

Vor Corona kamen an heißen Tagen mehr als doppelt so viele

Die Besucherzahlen sind trotzdem nicht mit den Vor-Corona-Zeiten zu vergleichen. Statt der insgesamt 1500 Besucher kamen an heißen Tagen sonst zwischen 3000 und 3500 Badegäste. Der Allzeit-Rekord, der aus dem Sommer 2004 stammt, liegt bei 9500 Besuchern an einem Tag. „Damals konnte man kaum noch Wasser zwischen den Menschen sehen“, erinnert sich Knapp.

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Besuch nur mit Online-Buchung vorab

  • Ein Besuch im Wellenbad ist nur möglich, wenn er vorab online gebucht wird.
  • Buchungen für alle Bäder im GSW-Bereich – auch in Kamen und Bönen – sind über den Link www.gsw-freizeit.de/ticket-reservierung möglich.
  • Die Buchung gilt immer für ein Zeitfenster. Im Wellenbad stehen täglich die Zeiten von 10 bis 14 Uhr und von 15 bis 19 Uhr zur Verfügung.

Das ist heutzutage undenkbar. Es gibt aber auch Besucher, die finden das gut. „Es ist viel schöner, wenn man mehr Platz im Wasser hat und es nicht so voll ist“, sagt Jessica Maisler aus Bergkamen, die im Urlaub mit ihrem Freund Marco Heuser ins Wellenbad gekommen ist und die Sonne am Beckenrand genießt. Das Wellenbad könnte nur länger geöffnet sein, findet sie – dann könnte sie auch nach der Arbeit kommen. Dafür fehle der GSW aber das Personal, sagt Jonas.

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