Seit Anfang des Jahres arbeitet Angelina Korth im Homeoffice. Weil sie alleine lebt, ist das eine besondere Herausforderung. © Angelina Korth
Arbeiten und Corona

Single im Homeoffice: „Manchmal fällt mir die Decke auf den Kopf“

Das Homeoffice bringt für Familien Herausforderungen mit sich. Aber für Menschen, die allein leben, ist die Arbeit zu Hause auch nicht ganz einfach: Mit dem Büro fehlen dem Single viele Kontakte.

Seit Anfang dieses Jahres arbeitet Angelina Korth im Homeoffice. Das tun derzeit viele Menschen. Für Eltern, die gleichzeitig ihre Kinder betreuen müssen, bringt das enorme Schwierigkeiten mit sich. Dieses Problem hat Korth nicht. Aber für die 26-Jährige bedeutet das Arbeiten zu Hause eine ganz andere Herausforderung: Sie lebt allein.

Für Angelina Korth und viele andere Singles heißt Homeoffice nicht nur, dass sich der Arbeitsalltag vollständig ändert: Auf einmal fallen auch die sozialen Kontakte weg, die sie sonst im Büro haben. Bei Angelina Korth sind das die Kollegen des Elektrofachgroßhandels EFG Westfalen, einer Tochter der Herbert Held KG, die ihren Sitz im Logistikpark A2 in Bergkamen hat.

Der Arbeitsweg von Bergkamen nach Dortmund fällt weg

Den Weg dorthin kann sich Korth, die in Dortmund wohnt, jetzt sparen. Das ist sicherlich einer der Vorteile des Homeoffice. Andererseits, sagt sie, spürt sie das Alleinsein nun manchmal deutlicher. Gar nicht unbedingt während der Arbeitszeit, da ist sie beschäftigt. Aber am Wochenende. In der Rückschau fällt ihr dann auf, dass sie in der ganzen Woche kaum Kontakt zu Menschen hatte. Und die Möglichkeiten auszugehen, sind derzeit ja auch sehr überschaubar: „Da fällt einem schon mal die Decke auf den Kopf“, sagt Korth.

Auch bei der Herbert Heldt KG arbeiten etliche Büro-Beschäftigte nicht am Firmensitz, sondern zu Hause. © Stefan Milk © Stefan Milk

Immerhin, die Gefahr, dass sie völlig vereinsamt, besteht nicht: „Ich besuche fast jeden Tag meine Mama“, sagt sie. „Die wohnt ganz in der Nähe.“ Und auch unter verschärften Corona-Beschränkungen ist ab und zu ein Spaziergang mit einer Freundin drin.

Chef stellt den Wechsel ins Homeoffice frei

Der Kontakt zur Mutter war dann auch der Grund, warum sich Angelina Korth im Januar entschied, ins Homeoffice zu wechseln: „Unser Chef hat uns das freigestellt.“ In ihrem Fall war es genau die richtige Wahl. Wenig später wurde bei ihr eine Corona-Infizierung festgestellt: „Die Quarantäne war schon eine schwierige Zeit“, sagt sie. Da durfte sie überhaupt keinen Menschen treffen. Und der Covid-19-Verlauf war auch nicht unproblematisch. „Ich spüre heute noch ein oder zwei Nachwirkungen.“

Die Büroausstattung hat Angelika Korth von ihrem Bergkamener Arbeitsplatz mit in ihre Dortmunder Wohnung genommen. © Angelina Korth © Angelina Korth

Inzwischen hat sich Angelina Korth aber soweit erholt, dass sie wieder ihrer Arbeit nachgehen kann. Zuhause. Allein. „Man gewöhnt sich dran“, sagt sie. Angelina Korth arbeitet im Verkauf der EFG Westfalen. „Da mache ich viel am Telefon.“ Das hat sich natürlich auch im Homeoffice nicht geändert. Aber Korth spürt, dass die Telefonate mit den Kollegen wichtiger werden und manchmal etwas länger dauern – weil man auch mal über nichtdienstliche Dinge spricht. „Das sind die Gespräche, die man sonst im Büro führt.“

Der PC aus dem Büro steht jetzt zu Hause

Bei ihrem Arbeitgeber hat man schon beim ersten Lockdown Erfahrungen mit dem Homeoffice gesammelt. Deshalb war der Wechsel für Korth zumindest technisch kein Problem. „Ich habe meinen PC und meine Monitore mitgenommen“, sagt sie.

Wann Angelina Korth an ihren regulären Arbeitsplatz zurückkehren kann, weiß sie noch nicht. „Auch das hat uns unser Chef freigestellt.“ Aber um ihre Mutter nicht zu gefährden, will sie erst einmal zu Hause bleiben. Gleichwohl hofft sie, dass die Zeiten wieder normal werden und sie in ihr Büro im Logistikpark zurückkehren kann. Aufs Homeoffice will sie aber nicht vollständig verzichten: „Ein oder zwei Tage zu Hause zu arbeiten, wäre schon gut.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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Johannes Brüne
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