Singen und beten im Freibad

Gottesdienst im Grünen

Dort, wo andere sonst schwimmen gehen, feierte die Martin-Luther-Kirchengemeinde am Wochenende ihren traditionellen Erntedank-Gottesdienst. Die Gemeinde traf sich im Naturfreibad Heil.

von Sharin Leitheiser

Bergkamen

, 08.10.2018, 12:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Singen und beten im Freibad

Einen ungewöhnlichen Ort zur Feier des Erntedankgottesdienstes wählte die Martin-Luther-Kirchengemeinde: Sie trafen sich zum Gottesdienst im Naturfreibad Heil. Sarad © Borys Sarad

Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich über 50 Gemeindemitglieder im Naturbad Heil ein, um gemeinsam zu ehren, was „der Landwirt schafft“.

„Nachdem die Heiler Kapelle Mitte des Jahres geschlossen hat, mussten wir ein bisschen kreativ werden“, erläuterte Pfarrer Reinhard Chudaska seinen Entschluss zum Open Air Gottesdienst. Seine Erwartungen an das neue Format seien direkt übertroffen worden. „Ich habe 50 Programme drucken lassen und es waren sogar zu wenig“, freute er sich über den Andrang zu Erntedank.

Hauptrolle für Landwirte

Außer festen vier Kirchenwänden fehlte am Sonntag nicht eine Kleinigkeit – vom hölzernen Kreuz über die aufgestapelten Gaben bis hin zur musikalischen Begleitung durch Nils Orlowski war alles (fast) wie gewohnt. Auch für ein wenig „Live Action“ habe er in Gedenken an das Motto des diesjährigen Erntedank-Gottesdienstes gesorgt, so Pfarrer Chudaska: „Werner Löbbe aus Oberaden ist Hobby-Imker und hat heute extra seinen Imker-Anzug für uns angezogen.“ Für Dekoration und Darbietung der Gaben waren in diesem Jahr ebenfalls echte Landwirte zuständig: darunter die Familien Lippmann und Willeke sowie der Metzgereibetrieb Kralemann, der Salami und Schinken beisteuerte.

Die Landwirte waren es auch, denen beim Gottesdienst am Sonntag eine wichtige Hauptrolle zukam. „Wie ein Fahrrad zwei Räder braucht, braucht unser tägliches Brot gleichermaßen zwei Dinge: menschliche Arbeit und den Segen Gottes“, erinnerte Pfarrer Chudaska die Gemeinde. In einem Anspiel es besonders anschaulich, wie viele lebenswichtige Produkte die Landwirtschaft hervorbringt. An Wurst, Käse, Marmelade oder Brot denke dabei noch jeder. Selbst Kerzenwachs oder Streichhölzer fielen manchen Leuten mit ein wenig Nachdenken ein. „Aber an Leder, Speiseöl oder Kunststoffe und Autobenzin auf Mais-Basis denkt schon fast keiner mehr.“

Mehr Wertschätzung

Zum Nachdenken regte auch die Erntedankerklärung der Kirchen, des Bauern- und des Landfrauenverbandes an, die Landwirte und Pfarrer Chudaska den Anwesenden am Ende des Gottesdienstes mit auf den Weg gaben.

Angesichts von 18 Millionen Tonnen Lebensmittelabfall im Jahr sei es dringend notwendig, mehr Wertschätzung für volle Supermarkt-Regale aufzubringen. Mit regionalem und saisonalem Einkaufen, planvoller Lagerung und kreativer Küche könne jeder einzelne die heimischen Landwirte unterstützen.

Bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken klang der Erntedank-Gottesdienst am Nachmittag gemütlich aus. Den Kuchen hatten die Heiler Frauen gestiftet, der Kaffee kam vom Schwimmverein als Gastgeber der Veranstaltung. Spenden und Einnahmen durch die anwesenden Gemeindemitglieder flossen nicht in die Kollekte, „sondern in einen großen Topf für die Katastrophenhilfe in Indonesien“, so Chudaska. Dem Erntedank-Gottesdienst im kommenden Jahr sieht er bereits jetzt optimistisch entgegen – auch ohne die Kapelle in Heil. „Wenn es wieder so läuft wie heute, bin ich wunschlos zufrieden.“

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