Das Schießzentrum an der Hansastraße ist schon im Rohbau fertig. Bei der Planung der Anlage haben vor allem zwei Aspekte eine große Rolle gespielt.

Bergkamen

, 08.10.2018, 17:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beim Schießzentrum der Kreisjägerschaften, das auf dem Gelände nördlich der Sportanlagen an der Hansastraße entsteht, geht es vor allem um zwei große „S“: Sicherheit und Schallschutz. Die Mitarbeiter der Bundespolizei, des Hauptzollamtes und der Bundesbank aus Dortmund sowie die Mitglieder der Kreisjägerschaften Unna und Hamm, die sich an diesem Montag auf der Baustelle umschauten, konnten vor allem eine Botschaft mitnehmen: Es wird alles dafür getan, dass auf der Anlage weder Waffen noch Munition abhanden kommen können.

Sicherheit und Schallschutz gehen vor

Die Führung durch den Rohbau war teilweise nur mit Taschenlampen möglich. Die Raumschießanlage ist komplett gegen die Umgebung abgeschottet. © Borys Sarad

Konzept mit der Polizei


Wie Architekt André Heinrich vom Büro „planwerk“ aus Münster deutlich machte, soll der gesamte Komplex gleich mehrfach gegen Einbrecher oder einen Überfall gesichert sein. Das Sicherheitskonzept, das mit der Kreispolizeibehörde Unna abgestimmt ist, sieht nicht nur absolut einbruchsichere Fenster und Türen, sondern auch eine ausgeklügelte Alarmanlage vor, die laut warnt und als stiller Alarm bei der Polizei aufläuft. Hinzu kommen Bewegungsmelder und Kameraüberwachung. Selbst wenn sich jemand einschließen lassen sollte oder versucht, durch die Wand zu kommen, hat er keine Chance. „Das dauert so lange, dass längst Sicherheitskräfte da sind“, sagte Reinhard Middendorf, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Unna. Die Jäger aus dem Kreis Unna bauen das Schießzentrum zusammen mit der Kreisjägerschaft Hamm.

Mindestens ebenso viel Aufwand betreiben die Jäger, wenn es um den Schallschutz geht. Die wenigen Anwohner in Overberge sollen von den Übungsschüssen möglichst nicht mitbekommen. Dazu haben die Architekten die Anlage, die mittlerweile im Rohbau fertig ist, nach dem neuesten Stand der Technik gebaut, versichert Middendorf. Die Raumschießanlage, in der auch Bundespolizei, die Mitarbeiter der Hauptzollämter Dortmund und Münster und der neuen Bundesbankfiliale in Dortmund im Gebrauch der Schusswaffe ausgebildet werden sollen, ist komplett isoliert und hat außer Öffnungen für die Lüftung keine direkte Verbindung nach draußen. „Von dieser Anlage hört man absolut nichts“, versicherte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Beim jagdlichen Schießstand, der vor allem für die Ausbildung und die Schießprüfungen von Jägern genutzt wird, soll ein ausgeklügeltes System von schallschluckenden Lamellen dafür sorgen, dass allenfalls ein leises „Plopp“ nach außen dringt – obwohl die Anlage kein festes Dach bekommen soll.

Sicherheit und Schallschutz gehen vor

Ein Blick auf die riesige Dachlandschaft des Schießzentrums. Die längste Schießbahn ist 100 Meter lang. © Borys P. Sarad

Langer Vorlauf


Die Vorbereitungen für die Schallschutzmaßnahmen haben schon lange begonnen, bevor die ersten Pläne gezeichnet waren. Die Jäger haben insgesamt vier mal bei jeweils unterschiedlichen Windrichtungen geschossen und Gutachter haben den Lärm in der Nähe der nächsten Wohngebäude gemessen, damit die passenden Schallschutzmaßnahmen geplant werden konnten.

Eine ähnliche Anlage gibt es bisher nur in Berlin, die sich die Kreisjägerschaften auch angeschaut haben. „Unsere wird aber noch besser“, versicherte Middendorf.

Erweiterung ist möglich

Sobald das Schießzentrum fertig ist, wollen die Kreisjägerschaften selbst den Betrieb der jagdlichen Schießanlage übernehmen. Middendorf geht davon aus, dass sie zumindest kostendeckend ist. Für die heimischen Jäger soll die Anlage eine erhebliche Erleichterung sein. Bisher müssen sie entweder bis hinter Paderborn oder nach Xanten zum Schießtraining.

Middendorf geht davon aus, dass die neue Schießanlage, die wesentlich moderner als alle anderen in NRW ist, Nutzer aus einem Radius von über 150 Metern anzieht. Dazu gehören nicht nur Jäger. Auch Sportschützenvereine haben bereits Interesse bekundet, die Anlage zu nutzen. Sie wollen unter anderem auf der Pistolenanlage schießen.

Die Raumschießanlage soll ein Pächter betreiben. Dort können Jäger und Behördenmitarbeiter unter nahezu echten Bedingungen den Umgang mit der Waffe trainieren – Jäger aus einer großen und Behörden aus einer kurzen Distanz bis zu drei Metern. Was die Trainingszeiten für Behörden angeht sind die Trainingszeiten – montags bis mittwochs bis 14 Uhr – schon jetzt komplett ausgebucht. Falls es noch weitere Anfragen gibt, lässt sich die Anlage noch erweitern. Auf dem Gelände könnte noch eine weitere Raumschießanlage entstehen.

Auch für die Sportschützen gibt es noch Platz. Das ursprüngliche Konzept sah vor, dass Jäger und Sportschützen gemeinsam bauen.

Die Jäger wollen auf der Anlage nicht nur schießen, sondern sie auch für Sitzungen und Seminare nutzen. Es soll Tagungs- und Ausbildungsräume geben – und eine Küche. Dort wollen die Jäger unter anderem einen speziellen Kochkurs anbieten – „Kochen mit Wild“.

Die Kreisjägerschaften haben Baukosten in Höhe von 6,5 Millionen Euro für das Schießzentrum kalkuliert. Reinhard Middendorf ist zuversichtlich, dass das Geld trotz der enormen allgemeinen Baukostensteigerung ausreicht. Das Zentrum ist wahrscheinlich im zweiten Quartal 2019 – im Mai oder Juni – fertig, meint Prof. Lothar Reinken, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Hamm.
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