Mehr als Selbsthilfe

dzGruppe für Sehbehinderte und Blinde

Sie reden nicht nur über Augenkrankheiten, aber dennoch ist es das langsam schwindende oder kaum noch vorhandene Sehvermögen, das eine Gruppe Sehbehinderter und Blinde zusammen schweißt.

Bergkamen

, 02.11.2018, 14:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elke Jagielki leidet unter dem „Tunnelblick“: Seit rund 20 Jahren kämpft die 56-Jährige mit den Folgen dieser Augenkrankheit, die neben der Verringerung der Sehschärfe vor allem die Gesichtsfeldeinschränkungen ein eigenständiges Leben nur schwer möglich machen. Neben dem stark eingeschränkten Sehen ist es vor allem der Verlust der Selbstständigkeit, der sie seither belastet: „Du gibst ein großes Stück von dir selbst an andere ab, das ist nicht leicht.“ Dieses Gefühl, immer wieder um Hilfe bitten zu müssen, sei nur schwer zu ertragen. Nächtelang habe sie anfangs im Bett gesessen und nur noch geweint. Unterstützung und Gelegenheit, mit ihren Problemen auf Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht, erfährt sie in der Selbsthilfegruppe für Sehbehinderte und Blinde in Bergkamen.

Mehr als Selbsthilfe

Wenn die Gruppenmitglieder im Straßenverkehr unterwegs sind, tragen sie dieses Kennzeichen und gehen in der Regel nie ohne Taststock hinaus. An vielen Stellen in der Stadt helfen sogenannte Rillenplatten bei der Orientierung. Archiv © dpa

Einsatz für Barrierefreiheit

Rund 20 Männer und Frauen treffen sich regelmäßig alle 14 Tage in Bergkamen. Zum Austausch ja, aber auch, um gemeinsam etwas zu unternehmen, Ausflüge zu planen und die Kaffeerunde zu pflegen. Seit über 20 Jahren gibt es diesen Treff, gegründet hat ihn Walter Görlitz. Der ehemalige Vorsitzende hat sich jahrelang dafür eingesetzt, die Interessen der Gruppe so weit als möglich umzusetzen. Barrierefreiheit besonders innerhalb der Stadt Bergkamen war für ihn stets ein großes Thema. Ein Einsatz, der längst Früchte trägt: „Wenn die Stadt Bergkamen neue Maßnahmen plant, werden wir mit einbezogen“, bestätigt Klaus-Peter Jagielki, Sprecher der Selbsthilfegruppe. Nur einmal hat das nicht so ganz funktioniert. Am Kreisel Landwehrstraße/Töddinghauser Straße führten die Rillenplatten, an denen sich Blinde- und Sehbehinderte mittels Taststock orientieren können, direkt zur Mitte des Verkehrskreisels. „Das Malheur ist aber schnell behoben worden“, sagt Jagielki.

Mittlerweile hält er die Gruppe zusammen: Betroffene und Angehörige, die nicht nur aus Bergkamen, sondern auch den umliegenden Städten und Gemeinden kommen.

Gemeinschaft macht Mut

Trotz aller Gemeinschaft, die sie leben, und auch, wenn sie zwischendurch versuchen, ihre Krankheiten auszublenden, sind die immer wieder Thema. Die Angst, völlig zu erblinden, sitzt bei den meisten tief. Und auch die vielen Fragen, wie es im Alltag weitergeht. Da bietet die Gruppe Halt. Sie brauchen kein ausgewiesenes Expertenwissen, um Tipps zu geben, sie kennen viele Symptome und nutzen ihre eigenen Erfahrungen, um die anderen zu stützen. Das hat auch Elke Jagielki gerne angenommen. „Gemeinsam mit meinem Mann bilde ich mittlerweile ein prima Tandem, wenn ich unterwegs bin, aber ich froh, dass da auch noch die anderen sind, mit denen ich reden kann.“

  • Interessierte, die das Angebot der Sehbehinderten- und Blinden Selbsthilfegruppe nutzen möchten, können sich unter Tel. (02307)9447031 an Klaus-Peter Jagielki wenden.
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