Die Entscheidung, wer das neue Bergkamener Bad baut und betreibt, soll spätestens bis März fallen. Bis dahin müssen die Stadt und ein möglicher Investor noch diverse Hürden nehmen.

Bergkamen

, 08.11.2018, 15:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die gute Nachricht zuerst: Auch im kommenden Sommer wird es wahrscheinlich noch einmal eine komplette Freibadsaison im Wellenbad geben. Die schlechte Nachricht, die dahinter steckt: Noch immer ist keine Entscheidung gefallen, wer das Bad baut und wer es betreibt – und deshalb ist auch immer noch nicht ganz klar, wie es im Detail aussehen soll. Bürgermeister Roland Schäfer hat jetzt als Ziel ausgegeben, dass es bis spätestens Februar/März 2019 eine Entscheidung geben soll. Bis dahin dauert es nach Schäfers Erkenntnissen, bis der Abstimmungsprozess zum Neubau des Bades in der Nachbarstadt Kamen beendet ist und es dort zu einer endgültigen Entscheidung kommt.

In Bergkamen ist immer noch nicht klar, ob ein privater Investor das Bad baut oder ob doch die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) zumindest als Bauherr auftreten. Die GSW sind bisher Betreiber und Eigentümer des Bergkamener Hallenbades und des Wellenbades.

Schwierige Entscheidung über den künftigen Bad-Betreiber

Das Bad in Lippstadt ist eines der Vorbilder für das geplante Bergkamener Bad.

Viele Dinge zu klären

Nach Schäfers Angaben gibt es weiter regelmäßig Gespräche zwischen dem privaten Investor und der Stadt, bei denen es aber noch nicht zu einer endgültigen Zusage gekommen ist. Die Hindernisse sind offenbar zahlreich und besehen nicht nur in einer wahrscheinlich noch nicht gesicherten Finanzierung für den Bad-Neubau. Es gibt wohl auch noch eine ganze Reihe von juristischen und steuerrechtlichen Hindernissen zu nehmen.

Dabei geht es unter anderem um den Konsortialvertrag zwischen Bergkamen, Kamen und Bönen, der die Verlustabdeckung für die Freizeitanlagen regelt. Bisher wurden die Verluste entsprechend der Gesellschafteranteile der an den GSW beteiligten Kommunen aufgeteilt – Bergkamen und Kamen je 42 Prozent und Bönen 16 Prozent. Zwar sind sich die Gesellschafter mittlerweile einig, dass jede Kommune künftig die Verluste der eigenen Freizeiteinrichtungen tragen soll. „Das ist zwar im Grundsatz von allen akzeptiert, aber nicht in den Details“, sagt Schäfer. Es gebe weitere Gespräche, um diese Frage endgültig zu lösen.

Hinzu kommt, dass es nach der Änderung des Konsortialvertrags deutlich schwieriger wird, die Gewinnausschüttung aus der Gas-, Wasser- und Stromversorgung auf die Kommunen zu verteilen. Bisher machen die GSW die Verluste aus den Freizeitanlagen aller drei Kommunen steuerlich geltend. Falls Bergkamen sich für einen privaten Bad-Bauherren und -Betreiber entscheidet, könnte die nur noch die Verluste aus Kamen und Bönen geltend machen. Es müsste eine Formel gefunden werden, um die Gewinnausschüttung trotzdem gerecht auszurechnen.

Schwierige Entscheidung über den künftigen Bad-Betreiber

Auf dem Gelände des bisherigen Wellebades am Häupenweg soll das Kombibad gebaut werden.

Problem Übernahme des Geländes

Ein weiteres Problem: Ein privater Investor müsste das Wellenbad-Gelände von den Stadtwerken übernehmen, auf dem das neue Kombibad entstehen soll. Die Stadt hatte es zwar vor Jahren mitsamt dem Bad den GSW überlassen. Die Stadt müsste das Grundstück von den GSW zurückkaufen – und zwar aus steuerlichen Gründen zu üblichen Marktpreisen. „Das darf keine verdeckte Gewinnausschüttung sein“, sagte Schäfer.

Grundsätzlich gibt es nach seinen Angaben drei mögliche Varianten für den Bau und den Betrieb des neuen Bades. Variante eins ist die Vergabe an einen privaten Investor, der das Bad baut und betreibt – falls die Stadt ein Angebot bekommt. Variante zwei ist, dass die GSW das Bad bauen und ein privates Unternehmen einen Dienstleistungsvertrag bekommt und den Betrieb des Bades übernimmt. So werden auch die Bäder in Lippstadt und Gevelsberg betrieben, die sich die Stadt angeschaut hat. Es gebe mehrere Gesellschaften, die damit Erfahrung haben und als Betreiber des Bergkamener Bades in Frage kommen, teilte der Bürgermeister mit. Dritte und wohl unwahrscheinlichste Variante ist, dass alles bleibt wie es ist – und die GSW das neue Bad bauen und später auch betreiben. In der Bergkamener Kommunalpolitik herrscht deutlicher Unmut darüber, wie die GSW die Bergkamener Freizeiteinrichtungen bisher betrieben haben.

Schwierige Entscheidung über den künftigen Bad-Betreiber

Möglicherweise bekommt das neue Bad ein Cabriodach, dass sich bei Sonne und warmem Wetter öffnen lässt. © picture alliance / dpa

Noch eine Saison für das Wellenbad

Da das neue Kombibad auf dem Gelände des bisherigen Wellenbades entstehen soll, ist der Baubeginn entscheidend dafür, die lange das Bergkamener Freibad noch betrieben werden kann. Falls es tatsächlich erst im kommenden Jahr zu der Entscheidung kommt, benötigt der künftige Bauherr sicherlich einige Monate für die Planung und die Ausschreibung der Baumaßnahmen. „Dann ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass das Wellenbad im Sommer noch einmal öffnet“, sagt der Bürgermeister. Mit dem Baubeginn könnte das Bad aber nicht mehr öffnen – es würde abgerissen, um Platz für das neue Bad zu machen.

Für die Übergangszeit, in der das neue Kombibad gebaut wird, soll das Hallenbad an der Lessingstraße über eine Schleuse zum Gelände des ehemaligen Freibads Bergkamen-Mitte geöffnet werden. Dort soll es im Sommer eine Liegewiese geben.

Ein Bad für alle

  • Das neue Kombibad am Häupenweg soll als Freizeit- und Familienbad geplant werden.
  • Das bedeutet: Zu den Schwimm- und Trainingsmöglichkeiten für Schulen und Vereine soll es auch eine Ausstattung geben, die für Kinder, Jugendliche und Familien attraktiv sind, die nicht einem Schwimmverein angehören.
  • Möglicherweise soll das neue Bad auch ein „Cabriodach“ bekommen, dass sich bei Sonnenschein und Wärme öffnen lässt und das Hallen- in ein Freibad verwandelt.
  • Vorbilder sind die Bäder in Lippstadt und Gevelsberg, die sich Vertreter der Stadt im Vorfeld angeschaut haben.
  • Schulen und Vereine sollen im neuen Bad die gleichen Trainingsmöglichkeiten wie bisher haben. Das will die Stadt vertraglich absichern.
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