Jugendliche in Bergkamen lernen neue Welten kennen und erleben Szenen, in denen es bunt, kreativ und auch schweißtreibend zugeht. Das Ferienprojekt wird in einem Video festgehalten.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Bergkamen

, 10.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für die Erwachsenen sind sie so gut wie unsichtbar, aber auch viele Teenies und Jugendliche wissen eigentlich nicht, was dort so richtig abläuft: in den „Szenentreffs“ der Jugendlichen, die überall in Bergkamen zu finden sind. Damit sich das ändert, haben die Bergkamener Streetworker um Arne und Imke Vogt nun ein spannendes Mitmach-Projekt gestartet.

Eingeladen dazu hatten sie Jugendliche ab 14 Jahren, die einmal in die verschiedenen Jugendszenen hineinschnuppern wollten. Von Graffiti über Parkour bis hin zu Streetdance reicht das Angebot, bei dem die Jugendlichen in der zweiten Sommerferienhälfte drei Wochen lang diverse „SzenenTreffs“ unter Anleitung von Insidern direkt selbst ausprobieren können. Und damit nicht genug, am Ende soll über das gesamte Projekt ein Musikvideo mit viel „Action“ und „Performance“ entstehen, das von den Jugendlichen komplett selbst produziert und natürlich auch veröffentlicht wird.

Vorkenntnisse sind nicht nötig, Lust schon

In der vergangenen Woche standen aber erst einmal „Graffiti“ und „Parkour“ auf dem Programm.

„Je mehr Mauern, umso schöner ist der Weg.“
Thalis Weizmann, „Parkour-Dortmund“

dazu hatten die Streetworker am Unterstand an der Eishalle in Weddinghofen, auf dem Stadtmarkt in Bergkamen-Mitte und am Jugendzentrum „Yellowstone“ in Oberaden ihre „BaseCamps“ aufgeschlagen.

„Vorkenntnisse sind beim Parkour nicht erforderlich“, betonte Streetworkerin Imke Vogt, „hier muss man einfach nur „Bock“ haben.“ Allerdings sollte man für den „Parkour“ schon ein wenig sportlich sein, wie sich beim zweiten Tag herausstellte, an dem einige Teilnehmer vom lästigen Muskelkater geplagt wurden.

„Parkour wird bewusst mit „k“ geschrieben“, erklärt Thalis Weizmann vom Team „Parkour-Dortmund“, welches aus dem ehemaligen „Symphonie of Movements“ hervorgegangen ist. „Hierbei handelt es sich nämlich um eine neue Kunst-Sportart, die sich nicht nur mit dem „k“ vom „Parcours“ unterscheiden will.“

Schweißtreibender Ferienspaß: Jugendliche springen über Mauern und sprühen Graffitis

Die Jugendlichen durften mit professioneller Anleitung Grafitti sprühen. Die Motive suchten sie sich selbst aus. © Marcel Drawe

Nur öffentliche Mauern dürfen als Hindernisse dienen

„Je mehr Mauern, umso schöner ist der Weg“, beschreibt Thalis Weizmann den seit Montag teilnehmenden Jungs und Mädchen die Leidenschaft der Parkour-Jumper. Doch bis man sich als durchtrainierter „Traceur“, so der französische Fachbegriff, mit möglichst geschickter Krafteinteilung seinen Weg, der auch schon mal eine steile Wand hinauf geht, bahnen kann, wird noch viel Schweiß vergossen.

Für ihr Training haben sich die Parkour-Läufer daher am Wellenbad und auf dem Stadtmarkt mit den Findlingen und Mauern erst einmal ein eher moderates Gelände, in Insiderkreisen auch „Spot“ genannt, ausgesucht. „Check it out!“ machte Weizmann deutlich. „Erst wenn du bei dem Gelände sicher bist, darfst du springen!“ Und natürlich seien auch nur öffentliche Mauern und keine fremden Gärten erlaubt.

Für das Video soll sogar eine „Choreographie“ von besonders eleganten und schnellen Bewegungen eingeübt werden, wie beispielsweise der „Armsprung“, mit dem hohe Mauern überwunden werden können oder auch der „Katzensprung“, bei dem man zugleich auf Händen und Füßen landet und man unmittelbar weiterspringt. „Gerade beim Katzensprung bitte aber nicht die Daumen abspreizen!“, warnte Weizmann, denn diese könnten dabei gerne mal durchknacken und dann ist es mit dem Smartphone erst einmal vorbei, ergänzte er dann augenzwinkernd.

Schweißtreibender Ferienspaß: Jugendliche springen über Mauern und sprühen Graffitis

Was die Jugendlichen in dieser Woche gelernt haben, wird gefilmt. Daraus soll am Ende ein Film werden, der auch veröffentlicht wird. © Stefan Milk

Die Steigerung von Parkour heißt „Free-Running“

Neben dem „Parkour“ gibt es natürlich auch das „Free-Running“, bei dem die geübten Könner nicht nur mit eleganten Bewegungen die Hindernisse überwinden, sondern dabei auch noch mit gewagten akrobatische Einlagen beeindrucken, berichtet Max Vogdt, der zusammen mit Thalis Weizmann bei diesem Projekt das Coaching übernommen hat.

Während Montag und Dienstag nur für die „Parkour“-Läufer reserviert waren, brachten am Mittwoch schon die ersten künstlerisch-kreativen Kids richtig viel Farbe auf die vielen noch weißen Leinwände. Unter der Anleitung von Thilo Sievertsen zeichneten sie mit bunten Filzstiften gekonnt „Tags“ und „StreetArt-Styles“ auf Lein- und Pappwände.

Nachdem das dann so einigermaßen geklappt hatte, ging es richtig zur Sache. Mit Mundschutz und Farb-Spraydose wurden nämlich die ersten Motive auf Leinwand gesprayt. Ob „Heart“, „Love“ oder auch der „Union Jack“, bei der Motivauswahl waren keine Grenzen gesetzt.

Schweißtreibender Ferienspaß: Jugendliche springen über Mauern und sprühen Graffitis

Den Teilnehmern standen viele Farben zur Verfügung. © Marcel Drawe

Jugendliche dürfen jederzeit einsteigen

„Wenn dann alle richtig fit mit der Spraydose sind, wollen wir auch einige Skate-Boards zusammenschrauben und diese bunt sprayen“, erzählt Imke Vogt. Und natürlich wird auch das im Film festgehalten und vielleicht sind die bunten Skateboards dann sogar die Hauptdarsteller der Story.

Während die ersten Aktionen der SzenenTreff-Woche draußen stattfanden, geht es ab Montagmorgen ins Tonstudio im Jugendheim Spontan in Rünthe, wo schon mal an Text, Gesang und Musik für das Musik-Video gefeilt werden soll. Die letzte Projektwoche steht hingegen ganz im Zeichen von „Streetdance“, wo ebenfalls am Spontan unter fachkundiger Expertise an „Styles“ und „Moves“ gearbeitet werden soll. Interessierte Jugendliche sind auch hierzu jederzeit willkommen.

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