Britta Garand vor dem Salon Mecklenbrauck, den sie betreibt. Die Friseurmeisterin aus Bergkamen ärgert sich über Berufskollegen, die im Lockdown schwarz Haare schneiden. © Stefan Milk
Corona-Pandemie

„Schwarz Haare schneiden, das macht hier keiner“ – Friseurin verärgert über Berufskollegen

Die Äußerungen eines Berufskollegen, dass er trotz Lockdown Haare schneidet, verärgert Friseurmeisterin Britta Garand. Sie hält sich an den Lockdown – auch wenn es schwer fällt.

Britta Garand sitzt seit dem 16. Dezember zuhause und hat nichts zu tun. Das war der Tag, als die selbstständige Friseurmeisterin den Salon Mecklenbrauck an der Töddinghauser Straße, den sie von ihren Eltern übernommen hat, wegen des verschärften Lockdown schließen musste. Wer seitdem dorthin kommt, den empfängt eine verschlossene Tür. Auch telefonisch ist der Salon nicht mehr zu erreichen. Der Anrufbeantworter ist abgeschaltet.

Friseurmeisterin ist empört über Berufskollegen

Die Friseurmeisterin nimmt die Bestimmungen des Lockdown ernst, frisiert und schneidet keine Haare – auch wenn es schwer fällt. Um so empörter ist sie über einen Berufskollegen aus der Region, der unumwunden aber anonym zugibt, dass seine Geschäfte schwarz weiterlaufen. Sogar Mitarbeiter der Ordnungsamtes und Polizeibeamte lassen sich bei ihm angeblich unter der Hand die Haare schneiden, hatte er behauptet. Das macht Garand und viele ihrer Berufskollegen ärgerlich, weil sie auch um ihren Ruf fürchten.

Auch sie werde gelegentlich von Stammkunden angesprochen, ob sie nicht unter Hand und an den Corona-Bestimmungen vorbei Haare schneiden oder frisieren können. Das lehnt sie konsequent ab, versichert die Friseurmeisterin. „Ich kenne hier in Bergkamen niemanden, der das macht – und ich kann mir das auch nicht vorstellen“, sagt sie.

Keine Schwarz-Frisuren trotz finanziellen Engpasses

Das Argument, dass der Friseur, der schwarz die Haare schneidet, sonst finanziell nicht mehr zurande komme, lässt sie nicht gelten. Da gehe es ihr kaum besser. Sie lebt zurzeit von den Einnahmen ihres Mannes, ein eigenes Einkommen hat sie zurzeit nicht. Sie hat für alle ihre Angestellten für die Dauer des Lockdowns Kurzarbeit angemeldet, damit sie von der Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld bekommen. „Für mich als Selbstständige geht das aber nicht“, macht sie deutlich.

Zwar sollen auch die selbstständigen Friseure finanzielle Hilfen vom Staat bekommen. Die sind aber bisher nicht geflossen. Viele Friseure misstrauen der Staatshilfe auch. „Viele mussten nach dem Lockdown im Frühjahr etwas zurückzahlen“, sagt Garand. Ähnliche Erfahrungen hatte auch schon ihr Berufskollege Jörn Moschinski geschildert, der ebenfalls einen Salon an der Töddinghauser Straße hat. Auch er weigert sich, schwarz zu frisieren.

Ihren Anrufbeantworter im Friseursalon will Garand erst einschalten, wenn feststeht, wann der Lockdown endet. Dann können Kunden wieder einen Termin machen – einen ganz legalen.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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