Am Tatort auf einem Parkplatz in Hamm bot sich den Ermittlern im Januar ein grausiges Bild. © dpa
Plädoyers in Dortmund

Schwangere getötet: Messerstecher aus Bergkamen soll lange ins Gefängnis

Ein 24-jähriger Mann aus Bergkamen hat zugegeben, in Hamm seine schwangere Freundin getötet zu haben. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, soll er dafür viele Jahre im Gefängnis büßen.

Den Ermittlern bot sich am Tatabend Ende Januar ein schreckliches Bild. Der Angeklagte muss wie von Sinnen auf seine Partnerin eingestochen haben. Bei der Obduktion wurden später mehr als 70 Messerstiche gezählt.

Während die Verteidigung deshalb nicht ausschließen will, dass sich der Bergkamener zur Tatzeit in einer psychischen Ausnahmesituation befunden hat und deshalb nur vermindert schuldfähig war, lehnen alle übrigen Beteiligten eine Strafmilderung ab.

Vermindert schuldfähig oder nicht?

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Angeklagten zwölfeinhalb Jahre Haft wegen Totschlags. Ralph Reckmann, der Anwalt der Hinterbliebenen, stellte keinen konkreten Strafantrag, sagte jedoch: „Der Angeklagte war bei der Tat vollständig Herr seiner Sinne.“

Die unvorstellbare Anzahl an Messerstichen sei nicht unbedingt ein Hinweis auf einen „Affektsturm“, in dem sich der Mann befunden haben müsse. Diese spezielle Form der Übertötung könne auch auf übermäßige Wut oder auf Hass schließen lassen.

Die Beziehung des 24-Jährigen mit der auf den Philippinen geborenen Frau aus Hamm war über die gesamte Zeit hinweg von Höhen und Tiefen geprägt. Mal gingen die Beiden auseinander, dann kamen sie mit großer Leidenschaft wieder zusammen. Mal schlugen sie sich gegenseitig – und sie wurde schließlich schwanger.

Angeklagter hatte den Wunsch nach einem Kind

Der Bergkamener soll schon früh den Wunsch nach einem Kind verspürt haben. Im Prozess hatte eine frühere Freundin als Zeugin bekundet, dass er sich auch mit ihr ein Kind gewünscht habe.

Die Frau musste angeblich sogar ihre Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten umstellen, um sich bestmöglich auf eine Schwangerschaft vorzubereiten. Dazu kam es dann allerdings nicht mehr.

Die Zeugin aus Bergkamen hatte in einer früheren Aussage vielmehr davon berichtet, dass der Angeklagte sie zweimal vergewaltigt habe. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen dieser mutmaßlichen Taten ursprünglich ebenfalls Anklage erhoben.

Keine Verurteilung wegen Vergewaltigung

Nachdem die junge Frau in dem Prozess vor dem Schwurgericht jedoch einen Rückzieher gemacht und nun nicht mehr von Übergriffen gegen ihren Willen gesprochen hatte, wird der 24-Jährige in diesen Fällen sicher nicht noch einmal zusätzlich bestraft.

Wie die Dortmunder Richter den Fall bewerten und welche Strafe sie für angemessen halten, soll sich bereits am Donnerstag zeigen. Gegen Mittag soll das Urteil verkündet werden.

Über den Autor

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.