Schutz vor überfluteten Kellern bei Starkregen: Bergkamen plant mit dem Klimawandel

dzWohnen in Bergkamen

Der Klimawandel bringt nicht nur lange Trockenheit und Hitze, sondern auch mehr schwere Unwetter. Die richtige Stadtplanung soll Bergkamen vor Überflutungen wie vor einigen Jahren schützen.

Bergkamen

, 15.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Klimawandel hat auch Seiten, die wegen der beiden trockenen und heißen Sommer fast in Vergessenheit geraten sind: Er führt nicht nur zu ungewöhnlich langen Hitzeperioden, es können auch ungewöhnlich schwere Unwetter auftreten. Welche Auswirkungen solche Unwetter haben können, erlebten die Bergkamener im September 2014. Damals setzte ein sogenanntes „Starkregenereignis“ die halbe Stadt unter Wasser.

Jetzt lesen

Vor allem die tiefer gelegenen Bereiche waren betroffen – wie die Niederung am Kuhbach. Dort läuft ohnehin ein großer Teil des Ab- und Regenwassers aus Bergkamen zusammen.

Regenrückhaltebecken wie hier an der Grenze zwischen Rünthe und Overberge in der Nähe der Industriestraße sollen einen Teil des Wassers zunächst zurückhalten, damit es nicht zu Überflutungen kommt.

Regenrückhaltebecken wie hier an der Grenze zwischen Rünthe und Overberge in der Nähe der Industriestraße sollen einen Teil des Wassers zunächst zurückhalten, damit es nicht zu Überflutungen kommt. © Stefan Milk

Stadtplanung berücksichtigt Auswirkungen des Klimawandels

Es fielen über mehrere Stunden so gewaltige Regenfluten, dass das Wasser gar nicht so schnell abfließen konnte, wie es vom Himmel fiel. Die Folge: Zahlreiche Keller liefen voll und Straßen, die durch Senken verlaufen, mussten gesperrt werden bis Feuerwehr und THW die Wassermassen weggepumpt hatten.

Jetzt lesen

Mittlerweile hat auch die Stadtplanung Konsequenzen gezogen. Der Klimawandel spiele bei der Stadtplanung eine große Rolle, sagt Stadtplanerin Christiane Reumke – und der Schutz vor den Folgen solcher Starkregenereignisse ist einer davon. „Der Schutz vor Überflutungen ist inzwischen Teil der Bauleitplanung“, sagt sie.

Die Stadt Bergkamen hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, um zu klären, wo das Wasser bei Starkregen eigentlich abfließt. Solche Bereiche sollen unbebaut bleiben. Dafür gibt es zwei Gründe: Dort wären Probleme mit vollgelaufenen Kellern programmiert – das Wasser würde sich stauen und andere Bereiche überfluten, wenn es nicht schnell abfließen kann.

Wenn die Kanalisation in Neubaugebieten verlegt wird, setzt die Stadt jetzt immer auf ein Trennsystem. Abwasser und Regenwasser werden in getrennten Rohren abgeleitet.

Wenn die Kanalisation in Neubaugebieten verlegt wird, setzt die Stadt jetzt immer auf ein Trennsystem. Abwasser und Regenwasser werden in getrennten Rohren abgeleitet. © Stefan Milk

In Neubaugebieten gibt es immer ein Trennsystem bei der Kanalisation

Die Stadtplaner haben aber auch noch weitere Konsequenzen gezogen: Bei Neubaugebieten wird überall in Bergkamen mittlerweile ein Trennsystem für Abwasser und Regenwasser installiert. Früher floss das Abwasser im sogenannten Mischsystem mit dem Regenwasser in einem Kanalrohr zusammen ab. Jetzt bekommt das Regenwasser ein eigenes Rohr, damit es schneller abfließen kann. Außerdem ist es meist nicht belastet und muss deshalb nicht in die Kläranlage fließen, sondern kann gleich in einen Wasserlauf abgeleitet werden.

Jetzt lesen

Dort, wo die Gefahr besteht, dass es zu Überflutungen kommt, werden auch in Wohngebieten Regenrückhaltebecken angelegt. Sie speichern das Wasser erst einmal und geben es dann nach und nach ab, sodass es nicht zu einer Überlastung von Hochwasserpumpen kommen kann. Solche Pumpen halten große Teile von Bergkamen trocken, weil das Wasser wegen der Bergsenkungen nicht mehr auf natürlichem Wege abfließen kann.

„Checkliste Klimaschutz“ für die Planer

Nach Reumkes Angaben gibt es bei den Bergkamener Stadtplanern eine „Checkliste Klimaschutz“, die bei allen Planungen berücksichtigt werden muss.

SEB informiert
Wie Eigentümer ihr Haus vor Überflutung schützen

  • Der Stadtbetrieb Entwässerung Bergkamen (SEB) informiert auf seiner Homepage, wie sich Hauseintümer bei Starkregen vor einer Überflutung schützen können – zum Beispiel davor, dass ihr Keller vollläuft.
  • Wichtig ist zum Beispiel, dass eine Rückstauklappe an der richtigen Stelle eingebaut ist, die eigentlich sogar für alle Häuser vorgeschrieben ist.
  • Außerdem können sich Hauseigentümer beim SEB darüber informieren, wie sie selbst eine Versickerungsanlage – so etwas wie ein privates Regenrückhaltebecken – auf ihrem Grundstück anlegen können.
  • Die Homepage des SEB hat die Adresse seb-bergkamen.de

Sie muss abgearbeitet und der Klimaschutz auf jeden Fall gegen andere Interessen abgewogen werden. Ein kleiner Baustein ist auch der Kampf der Stadt gegen unnötige Pflasterflächen auf Grundstücken und Steingärten, ganz besonders, wenn sie auch noch mit einer wasserundurchlässigen Folie bestückt werden. Das führt dazu, dass Regenwasser nicht versickert, sondern abfließt und die Gefahr von Überflutungen noch erhöht.

Die Stadt hat deshalb alle Gartenbaubetriebe darauf aufmerksam gemacht, dass solche steinernen Vorgärten nach der Landesbauordnung nicht zulässig sind.

In einem Fall hat sie solche Schotter-Vorgärten sogar von vornherein komplett verboten. Der Bebauungsplan für das neue Baugebiet am Maiweg verbietet Schottervorgärten von vornherein.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bummansburg
„Zeitzeugen“ aus dem Mittelalter nehmen an der Bummansburg neue Schilder in Augenschein
Hellweger Anzeiger Gastronomie in Bergkamen
Im Restaurant „Am Yachthafen“ gibt es Steaks und einen Panorama-Blick auf die Marina
Meistgelesen