Schützenswerte Pflanzen wachsen auch am Weg in der Stadt

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Löwenzahn, kahles Bruchkraut oder Steinklee: Experte Götz Loos nahm Interessierte mit auf eine Reise in die Pflanzen- und Insektenwelt an einem ungewöhnlichen Ort..

von Alexandra Prokofev

Bergkamen

, 19.08.2019, 10:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die interessante Flora und Fauna liegt nicht nur in tiefen Wäldern und Parks, sondern auch entlang des Wanderweges am Stadtmuseum. In Gummistiefeln und mit Regenschirm in der Hand nahmen acht Interessierte an der Wanderung teil.

„Nur was man kennt, kann man schützen“, sagt Götz Loos von der Botanik AG des Naturschutzbundes Nabu. Deshalb dürfen bei der Erfassungsexkursion, bei der normalerweise der Pflanzenbestand von Fachleuten geprüft wird, auch Laien dabei sein. Die Öffentlichkeit soll „über die Schulter schauen“ und sich so das Wissen über die Natur aneignen können.

Viele Pflanzen werden verdrängt

„Viele sehen zum Beispiel grüne Feldreihen und finden sie so schön, dabei wissen sie nicht, dass dort vorher bunte Pflanzen wuchsen“, sagt der Pflanzenexperte.

Was die Wanderer auf ihrem Weg entdecken, sind meist alltägliche Gewächse, die sich der gewöhnliche Fußgänger aber nicht direkt anschauen würde. „Was wächst da an den Straßenrändern?“, fragt ein Besucher und zeigt auf die grünen Blüten auf dem Asphalt. Dabei handele es sich um den Vogelknöterich, erklärt der Experte.

Schützenswerte Pflanzen wachsen auch am Weg in der Stadt

Am Wegesrand lassen sich echte Schönheiten entdecken. © Alexandra Prokofev

Das „kleine Liebesgras“ ist Gewinner des Klimawandels

Auch andere Pflanzen entlang des Weges werden unter die Lupe genommen: Zu den Klimawandelgewinnern zählt zum Beispiel auch das kleine Liebesgras, das auch auf Bahnhöfen oder in Industriegebieten wächst. Während die Besucher jede Blüte inspizieren, gibt der Botaniker Hintergrundinformationen zum Artenschutz.

„Der Artenschutz der Bienen und anderen Insekten ist so ein großes Thema, viele vergessen, dass der Schutz der Pflanzen auch für die Insekten genauso wichtig ist“, wirft Loos ein. Zum Beispiel sei es nicht ratsam, Saatgut aus anderen Gebieten zu sähen, da sich die Pflanze sonst mit Einheimischen kreuzt oder diese vertreibt.

Schützenswerte Pflanzen wachsen auch am Weg in der Stadt

Oft wachsen die interessanten Pflanzen direkt zu Füßen der Passanten. © Alexandra Prokofev

Hundekot belastet die Böden

„Deshalb macht nur herkunftseigenes Saatgut Sinn“, findet der Experte. Auch empfiehlt er Hundebesitzern, die Hinterlassenschaften zu beseitigen, auch wenn er für diesen Tipp oft nicht ernst genommen wird. „Die Leute sagen dann, ‘ach, die paar Hunde machen doch keinen Unterschied‘“, sagt Loos. Dabei seien es längst nicht nur wenige Hunde in der Umgebung und die vielen Stickoxide seien nicht gut für den Boden.

Vier mal im Jahr veranstaltet die Botanik AG solche Wanderungen, bei denen Besucher die Veränderungen in der Natur miterleben sollen. „Man muss sich nur die Flächen anschauen, auf denen früher bunte Kräuter wuchsen, heute ist da Brennnessel“, bemerkt Loos, „die Kartierung, also Erfassung, der Pflanzen ist nötiger denn je“.

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