Die Feuerwehreinheit Oberaden kommt schneller zu einem neuen Fahrzeug mit Teleskopmast als gedacht. Eigentlich sollte jetzt nur der Auftrag für den Bau vergeben werden.

Oberaden

, 14.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Seit dem Großbrand in der GWA-Recyclinganlage in Bönen Ende Juni muss die Einheit Oberaden mit einem Ersatzfahrzeug zurechtkommen – einer normalen Drehleiter statt des Hubrettungsfahrzeugs. Jetzt kommen die Oberadener Feuerwehrleute schneller als gedacht zu einem vollwertigen Ersatz. „Normalerweise dauert es etwa zwei Jahre von der Erteilung des Auftrags bis zur Auslieferung des Fahrzeugs“, erläutert Patricia Höchst, die als Leiterin des Bürgerbüros für die Feuerwehr zuständig ist. Die Mittel für den neuen Hubretter sollte der Stadtrat eigentlich in seiner jüngsten Sitzung bewilligen. Dazu kam es aber nicht, weil er in nicht-öffentlicher Sitzung gleich den Kauf beschließen konnte.

Die Stadt hat ein zwei Jahre altes Gebrauchtfahrzeug gefunden, das sich in relativ kurzer Zeit für die Bedürfnisse der Oberadener Feuerwehr umbauen lässt. Die Auslieferung ist schon im Laufe des Januar geplant.

Schneller Ersatz für ausgebranntes Feuerwehrauto

Der Brand in der GWA-Recyclinganlage am 30. Juni war gewaltig. Dabei waren Feuerwehren aus dem ganzen Kreis Unna und der weiteren Umgebung im Einsatz.

Bundesweite Suche

Die Stadtverwaltung hatte bundesweit nach einem geeigneten Gebrauchtfahrzeug gesucht und hatte drei Angebote bekommen. Die Wahl fiel auf ein Feuerwehrfahrzeug mit Teleskopmast, das beim Hersteller Rosenbauer in Karlsruhe steht. Die Daten lesen sich auch für den Laien gut. Das Fahrzeug ist Baujahr 2016, hat eine Kilometerleistung von 21.000 und insgesamt 500 Betriebsstunden – für die Stadt der wichtigste Wert. „Das bedeutet, dass das Fahrzeug nur wenig im Einsatz war und wirklich fast neuwertig ist“, sagt Kämmerer Marc Alexander Ulrich. Deshalb ist es auch nicht gerade billig: Die Stadt muss 536.000 Euro für das neue Feuerwehrfahrzeug bezahlen – inklusive der Umbauten, die noch notwendig sind und bis zur Auslieferung vorgenommen werden sollen. Unter anderem soll das Auto mit einem Notstromaggregat ausgestattet werden, ein anderes Abluftsystem bekommen und einen neuen Innenausbau im Gerätebereich. Dann ist es praktisch baugleich mit dem zerstörten Hubrettungsfahrzeug. Die Oberadener Feuerwehrleute dürften sofort damit zurechtkommen, meint Höchst.

Schneller Ersatz für ausgebranntes Feuerwehrauto

Der Hubretter bei einem Einsatz im Jahr 2009, als das Fahrzeug noch fast neu war. Die Teleskopmastbühne rückte unter anderem aus, um Menschen aus oberen Stockwerken zu bergen, die sich nicht durchs Treppenhaus transportieren ließen. © S.R.-Fotos

Mietpreis auf den Kauf angerechnet

Die Stadt bekommt das neue Fahrzeug sogar noch einigermaßen kostengünstig. Sie hat das Ersatzfahrzeug für Oberaden ebenfalls bei Rosenbauer gemietet und bekommt den restlichen Mietpreis auf den Kaufpreis angerechnet, wie Ulrich mitteilte. Von den Kosten für die Neuanschaffung muss sie trotzdem einen großen Teil selbst tragen. „Die Versicherung bezahlt nur den Zeitwert und der liegt erheblich niedriger als die Kosten für den Kauf“, sagt die Leiterin des Bürgerbüros. Die Versicherung zahlt nur etwa 240.000 Euro – der Wert, den die alte, 2007 angeschaffte Teleskopmastbühne noch hatte. Das Fahrzeug wurde allerdings bei einem Einsatz außerhalb von Bergkamen beschädigt. Deshalb verhandle die Stadt noch mit der Gemeinde Bönen und der GWA über eine Kostenbeteiligung, sagte Ulrich.

Schneller Ersatz für ausgebranntes Feuerwehrauto

Der Moment als das Hubrettungsfahrzeug in Flammen und Rauch geriet. In Sekunden zündete das Feuer in den umliegenden Hallen durch. Die Feuerwehrleute konnten gerade noch ihren Kameraden im Korb retten.

Feuerwehrmann gerade noch gerettet

Die Oberadener Teleskopmastbühne hatte bei dem Brand am 30. Juni unter dramatischen Umständen einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten. Das Feuerwehrfahrzeug stand zwischen den Hallen auf der Recyclinganlage, als das Feuer in den umliegenden Hallen blitzschnell durchzündete und den Teleskopmast in Flammen und dicken Rauch hüllte. Die Oberadener Feuerwehrleute schafften es gerade noch, ihren Kameraden zu retten, der sich gerade für Löscharbeiten im Korb befand. Die hydraulischen Stempel konnte sie nicht mehr einfahren, um das Fahrzeug in Sicherheit zu bringen. Drei Feuerwehrleute erlitten dabei Verletzungen. Zunächst schien es, als wenn das Fahrzeug noch repariert werden könnte. Ein Gutachter kam jedoch zu dem Schluss, dass die Reparaturkosten den Restwert übersteigen.

Schneller Ersatz für ausgebranntes Feuerwehrauto

Die Fahrzeuge der Einheit Oberaden. Außer dem Hubrettungsfahrzeug soll in knapp zwei Jahren auch ein Löschfahrzeug ersetzt werden. © Borys Sarad

Zwei weitere Fahrzeuge sind bestellt

Neben der neuen Teleskopmastbühne ersetzt die Stadt Bergkamen in nächster Zeit zwei weitere Feuerwehrfahrzeuge, deren Lebensdauer fast erreicht ist. Die Fahrzeuge werden über einen Zeitraum von 20 Jahren abgeschrieben. „Bei einer mittleren Einsatzintensität wie in Bergkamen können Feuerwehrfahrzeuge aber noch einige Zeit länger problemlos verwendet werden“, erklärt Patricia Höchst. Deshalb werden sie laut Brandschutzbedarfsplan in der Regel nach 25 Jahren durch ein Neufahrzeug ersetzt. Zurzeit ist ein Rüstwagen für die Einheit Rünthe im Bau. Er kommt vor allem bei technischen Hilfeleistungen zum Einsatz, zum Beispiel, wenn die Einheit bei Unfällen auf der A 1 im Einsatz ist. Er soll im März oder April 2019 ausgeliefert werden.

Die Einheit Oberaden soll ein neues Löschfahrzeug mit einem 2000-Liter-Wassertank an Bord, ein sogenanntes „HLF 20“ bekommen. Der Haupt- und Finanzausschuss hat vor einigen Tagen den Auftrag vergeben. Die erste Vorbesprechung mit dem Hersteller ist für Februar 2019 geplant. Bis das Fahrzeug da ist, vergeht aber noch viel Zeit. Die Stadt rechnet mit der Auslieferung im dritten Quartal 2020.

Mittel für die Anlaufstelle

  • Die Stadt stopft die Lücke zwischen dem Geld, das die Versicherung zahlt und dem tatsächlichen Kaufpreis aus einer anderen Haushaltsstelle.
  • Es handelt sich um die Mittel, die eigentlich für den Bau der neuen Anlaufstelle für das Streetwork vorgesehen waren.
  • Die Stadt muss den Bau verschieben, weil er an der eigentlich vorgesehenen Stelle nicht möglich ist.
  • Über neue Mittel für die Anlaufstelle soll in den Beratungen zum Doppelhaushalt 2020/2021 entschieden werden.
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