Schmerzensschreie: Tierfreunde retten über 20 Katzen aus einem Haushalt

dzTierquälerei

Dieser Fall schockte auch die erfahrenen Tierfreunde Kamen: Sie retteten 17 erwachsene und 8 Kitten aus einem Bergkamener Haushalt. Eines der Tiere war so stark verletzt, dass jede Hilfe zu spät kam.

Bergkamen

, 12.08.2019 / Lesedauer: 3 min

„Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Elend es da draußen noch gibt. Man bekommt vieles nicht mit“, sagt Regina Müller. Die Tierschützerin und Vorsitzende des Vereins Tierfreunde Kamen hat derzeit ein junges Kätzchen bei sich. Es ist erst etwas älter als zwei Wochen, schwach und hat entzündete Augen. Müller gibt dem Tier alle zwei Stunden die Flasche, ob es durchkommt, weiß sie nicht.

„Das kleine Mädchen wiegt nur 150 Gramm, die Geschwister wiegen 280 Gramm“, so Müller. Ob das Kätzchen noch leben würde, wenn die Tierfreunde Kamen nicht einen anonymen Anruf erhalten hätten, ist ungewiss.

Ein Anrufer habe am Mittwoch in der vergangenen Woche berichtet, dass in einem Haus viele Katzen gehalten werden – und das wohl nicht artgerecht. Eine Kollegin sei sofort hingefahren und habe schon die Schmerzensschreie gehört, als man ihr die Tür öffnete. Nach einigem Hin und Her hätten die Tierhalter die Kollegin von Müller hereingelassen und ihr auch einige der Tiere ausgehändigt.

„Die Kollegin war geschockt“, sagt Müller. Der Kater, der die Schmerzensschreie von sich gab, sei schwer am Bein verletzt gewesen. Der Tierarzt musste ihn einschläfern. Die Verletzung sei nicht frisch gewesen, so Müller. „Das ist Tierquälerei.“

Schmerzensschreie: Tierfreunde retten über 20 Katzen aus einem Haushalt

Das Kätzchen ist noch schwach und muss alle zwei Stunden mit der Flasche gefüttert werden. © privat

Wer eine Katze versorgt, ist automatisch der Halter

Die Tierschützer werden die Katzen nun aufpäppeln, kastrieren und dann vermitteln. Müller ist im Nachhinein froh, dass die Halter ihre Kollegin hereingelassen haben. Als Tierschützer haben die Tierfreunde nicht das Recht, einfach Wohnungen oder Häuser zu betreten. Dass ihnen diese Grenzen gesetzt sind, sei nicht immer leicht. „Manchmal können wir nichts tun, auch wenn wir wollen“, sagt Müller.

Sie hofft, dass das Veterinäramt des Kreises Unna Schritte gegen die ehemaligen Halter einleiten wird. Doch das könnte sich als schwierig erweisen, denn die offiziellen Halter der Katzen sind nun nicht mehr die mutmaßlichen Tierquäler, sondern die Tierfreunde Kamen. Das sei nicht wie bei Autos, erklärt Pressesprecherin Constanze Rauert. Im Falle von Tieren wie den Katzen, sei derjenige, der das Tier versorgt, der Halter.

Sie rät, bei Verdacht auf Tierquälerei erst die Behörde zu informieren. „Engagement ist zwar gut, aber manchmal sollte man erst einmal durchatmen. Denn im Nachhinein ist es für die Behörde schwer, einzugreifen.“ Im Falle der Bergkamener Kätzchen kann das Veterinäramt nichts mehr tun, weil die Halter nun die Tierfreunde sind.

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Bei Verdacht auf Tierquälerei das Veterinäramt einschalten

Wer einen Hinweis hat, soll sich direkt an das Veterinäramt in Unna wenden. Die Mitarbeiter entscheiden dann laut Rauert, was zu tun ist. Die Kollegen würden sich vor Ort ein Bild machen und Beweise sichern. Wann sie einen Tierhalter aufsuchen, entschieden sie nach Priorität, denn Hinweise dieser Art sind nicht selten. „Deshalb ist es wichtig, viele Fakten und konkrete Hinweise anzugeben“, so Rauert. Die Kollegen könnten dann besser einordnen, wie ernst die Lage ist.

Das Bürgerbüro der Stadt Bergkamen ist in Fällen wie diesen nicht der richtige Ansprechpartner. Wie der Sachgebietsleiter Heiko Brüggenthies erklärt, verwiesen er und seine Kollegen direkt an das Veterinäramt des Kreises. Ausnahmen seien Hunde.

Wer also den Verdacht hegt, dass sein Nachbar Katzen nicht tiergerecht hält oder gar quält, sollte nicht lange zögern und sich mit konkreten Angaben an das Veterinäramt wenden. Das ist auch Regina Müller wichtig. „Ich mache das jetzt seit 23 Jahren und es läuft immer noch so. Es muss sich endlich etwas ändern.“

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