Ab dem 1. September gilt ein verschärftes Waffengesetz. Markus Milewksi vom Schießzentrum Hamm-Unna hält davon wenig. Denn es könnte ein falsches Licht auf harmlose Hobby-Schützen werfen.

Bergkamen

, 30.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Dienstag, 1. September tritt das neue Waffengesetz in Kraft, das sogenannte „Dritte Waffenrechtsänderungsgesetz“. Nach den Terroranschlägen von Paris im Jahr 2015 folgte eine Veränderung der EU-Feuerwaffenrichtlinie, die wiederum dazu führte, dass in Deutschland das Waffengesetz geändert wird.

Das Gesetz, welches der Bundestag Ende vergangenen Jahres beschlossen hat, sorgte für viel Aufruhr und Diskussionen. Es gab viele Gegenstimmen, denn das Gesetz bringt einige neue Regeln und Verbote mit sich. Wer einen Blick ins Gesetz wirft, versteht schnell, was gemeint ist. Oder auch nicht. Denn die Änderungen sind kompliziert.

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So kompliziert, dass man sich erst einmal einlesen muss – wie etwa die Schießgruppe in Overberge. „Wir haben Unterlagen angefordert, die werden uns zugeschickt und die überprüfen wird dann“, sagt der Vorsitzende Robert Heitmann. Für ihn und seine Vereinskollegen werde sich erst einmal nicht viel ändern, wenn aber Waffen an und verkauft werden sollte, werde es komplizierter.

„Dazu kann ich jetzt aber noch nichts sagen“, so Heitmann. Man wolle sich erst einmal schlau machen. Er glaubt, dass die Schießgruppe das Waffengesetz selten zu spüren bekommt, höchstens nur dann, wenn ein Mitglied sterbe und seine Waffe verkauft werden müsse. Eins kann Heitmann dann aber doch schon über die Gesetzesänderung sagen: „Es ist kompliziert.“

Waffengesetz: Reparatur einer Waffe wird dokumentiert

Das sagt auch Markus Milewski, Betriebsleiter und Geschäftsführer des Schießzentrums Unna-Hamm an der Hansastraße. „Für die Menschen wird sich nichts ändern, sie sind nicht betroffen“, erklärt er. Auch für die Jäger ändere sich nicht allzu viel.

Markus Milewski, Geschäftsführer des Schießzentrums Hamm-Unna ist ehrlich. Er hält wenig von den Verschärfungen des Waffengesetzes. Vor Anschlägen bewahrt es seiner Meinung nach nicht. Stattdessen wirft es ein falsches Licht auf Hobby-Schützen.

Markus Milewski, Geschäftsführer des Schießzentrums Hamm-Unna ist ehrlich. Er hält wenig von den Verschärfungen des Waffengesetzes. Vor Anschlägen bewahrt es seiner Meinung nach nicht. Stattdessen wirft es ein falsches Licht auf Hobby-Schützen. © Marcel Drawe

Anders sehe es hingegen bei den „Nachbarn“ den Nachbarn der Jäger im Schießzentrum aus, dem Shop „Jagdwelt 24“. Denn wie Milewski erklärt, muss ab September genau nachgehalten werden, wo sich die Einzelteile einer Waffe gerade befinden.

So soll rückverfolgt werden können, wo eine Waffe sich von der Herstellung bis zum Ende befindet. „Das ist ein riesen bürokratischer Aufwand“, erklärt Milewski. Die Waffe kurz zum Büchsenmacher bringen und wieder abholen? Das geht künftig nicht mehr. Alles muss dokumentiert werden.

Markus Milewski: Waffengesetz suggeriert mehr Sicherheit

Ein Aufwand, der es wert ist? Da ist Milewski eher skeptisch. Denn die Verschärfung des Gesetzes treffe vor allem jene, die die Waffen legal besitzen und in den vergangenen Jahren rechtmäßig mit ihnen umgegangen sind und schon jetzt regelmäßig kontrolliert werden. Den illegalen Waffenbesitz verhindert es hingegen nicht.

Dennoch soll das neue Gesetz nach den terroristischen Anschlägen mehr Sicherheit bringen. Doch ist die Welt damit wirklich sicherer und die Gefahr vor Anschlägen geringer? Milewskis Antwort auf diese Frage lautet klar „Nein“.

Als Beispiel nennt er das künftig geltende Verbot von sogenannten Hi-Cap-Magazinen (über 20 Schuss für Kurzwaffen, über 10 Schuss für Langwaffen). Dass die Magazine ab September weniger Schuss haben dürfen, dürfte einen Profi nicht bremsen. „Der wechselt ein Magazin in einer bis eineinhalb Sekunden“, weiß Milewski.

„Falsches Licht“ auf Hobby-Schützen und Jäger geworfen

Für ihn ist die Änderung im Waffengesetz aus einem guten Willen heraus entstanden, aber er glaubt nicht, dass es vor Anschlägen bewahrt. Denn diese würden nicht unbedingt von Menschen ausgeübt, die Waffen legal besitzen – die sind es aber, die die Gesetzesänderungen im Endeffekt betreffen.

Dadurch könne ein Generalverdacht auf jene Menschen entstehen, deren Passion oder Hobby es ist zu schießen und die das schon seit Jahren unbescholten tun. „Das Gesetz hat die Absicht, Sicherheit zu schaffen, aber es wirft ein falsches Licht auf Menschen, die alles richtig machen. Sie werden jetzt schärfer kontrolliert und es entsteht der Eindruck, dass sie noch strengere Regeln brauchen“, so Milewski.

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Er versteht freilich, dass das ein sensibles Thema ist, und jeder Anschlag sei eine Tragödie. Menschen mit legalen Waffen deshalb als gefährlich einzustufen, gehe völlig am Thema vorbei – findet Milewski, der betont, dass das seine subjektive Meinung sei. Er will dafür sensibilisieren, dass Waffenbesitzer nicht gleich gefährlich sind: „Eine Waffe verübt kein Verbrechen, sondern der Mensch.“

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