Rünther Marktplatz: Ehemalige Müllkippe könnte das Grundwasser gefährden

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Der Müll unter dem ehemaligen Rünther Marktplatz ist das große Hindernis für eine neue Nutzung des Geländes. Möglicherweise werden die Eigentümer bald gezwungen sein, die Fläche zu sanieren.

Bergkamen

, 09.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Stadt Bergkamen den ehemaligen Rünther Markt vor gut 15 Jahren an die Wohnbau Westfalen verkaufte, nahm sie keinen Baulandpreis, obwohl die Fläche mit Eigenheimen bebaut werden sollte. Der Grund: Unter dem Platz befindet sich eine ehemalige Hausmülldeponie. Bevor dort Wohnhäuser gebaut werden können, muss die Fläche saniert werden.

Möglicherweise ist das der Grund, warum dort nie gebaut wurde. Die zu einem großen Teil asphaltierte Fläche liegt immer noch brach. Der jetzige Eigentümer, die Wohnungsbaugesellschaft Vivawest hat wenig Neigung die Fläche zu sanieren und zu bebauen. Auch die kommunale Wohnungsbaugesellschaft UKBS winkte kürzlich ab.

Unter der schon teilweise bröckelnden Asphaltschicht befinden sich Schadstoffe im Boden. Sie stammen wohl zum größten Teil aus einer ehemaligen Mülldeponie.

Unter der schon teilweise bröckelnden Asphaltschicht befinden sich Schadstoffe im Boden. Sie stammen wohl zum größten Teil aus einer ehemaligen Mülldeponie. © Marcel Drawe

Kreis prüft, ob Schadstoffe ins Grundwasser gelangen können

Eigentümerin und mögliche Käufer schrecken wohl vor allem die hohen Sanierungskosten. Jetzt könnte sie jedoch gezwungen sein, das Geld auszugeben. Der Kreis Unna prüft zurzeit, ob er die Eigentümer anweisen muss, die Fläche zu sanieren. Immerhin wurden dort so gefährliche Stoffe wie Arsen und Blei festgestellt.

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Der Kreis will jetzt untersuchen, ob Schadstoffe ins Grundwasser gelangen können, wie Morten Brodersen von der Wasserschutzstelle des Kreises erläuterte. Besteht die Gefahr, müsse der Kreis handeln und die Eigentümer auffordern, die Fläche zu sanieren, wie Brodersen sagte. Dabei ist auch die Stadt Bergkamen mit im Boot: Der größte Teil der Fläche gehört der Vivawest, aber ein kleinerer auch immer noch der Stadt.

Erstes Sanierungskonzept von 2006 ist nicht mehr gültig

Der Kreis wehrt sich gegen die Darstellung, dass er so hohe Auflagen gemacht hat, dass die Sanierung teuer wird. „Die Anforderungen bewegen sich im üblichen Rahmen“, machte Brodersen deutlich. Die Kosten seien aber mit den Jahren erheblich gestiegen, seit der Kreis Unna 2006 ein Sanierungskonzept genehmigt hat. Damals habe der Kreis die Auswirkungen auf das Grundwasser nicht geprüft, weil er von einer schnellen Sanierung ausgegangen sei.

Mittlerweile ist das einst genehmigte Konzept aber noch nicht einmal mehr gültig. Es müsste neu erstellt und beantragt werden. Der Kreis geht aber davon aus, dass die Anforderungen ähnlich sind wie vor 14 Jahren. Nach den damaligen Messungen muss der Boden zum Teil bis in eine Tiefe von 2,20 Metern ausgebaggert und ausgetauscht werden.

Einige Anwohner nutzen den Platz als Abstellplatz für Fahrzeuge. Außerdem stehen dort einige Sammelcontainer. Davon abgesehen hat er schon lange keine Funktion mehr.

Einige Anwohner nutzen den Platz als Abstellplatz für Fahrzeuge. Außerdem stehen dort einige Sammelcontainer. Davon abgesehen hat er schon lange keine Funktion mehr. © Marcel Drawe

Passanten können mit Schadstoffen nicht in Kontakt kommen

Nach Brodersens Angaben ist die Belastung für Menschen, die sich auf der Fläche befinden, ungefährlich. Die gefährlichen Stoffe sind entweder durch die Asphaltschicht abgedeckt oder befinden sich unter einer dickeren unbelasteten Bodenschicht. Nur Bauen ist wegen der Bodenbelastung ohne Sanierung nicht möglich.

Die größte Belastung mit Polycyclischen aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) befindet sich direkt unter der Asphaltschicht. Möglicherweise stamme er aus dem Unterbau der Deckschicht, sagt Brodersen.

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Vor allem der „Aktionskreis Wohnen und Leben“ fordert schon länger, dass die Stadt den Platz zurückkaufen und neu gestalten soll – entweder indem er bebaut wird oder indem er zu einem Teil des benachbarten Landwehrparks umgestaltet wird. Der Bergkamener Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters machte jedoch deutlich, dass das für ihn nicht in Frage kommt. Er könne dem Steuerzahler nicht zumuten, die Kosten für den Kauf der Fläche und die Sanierung zu tragen, sagt er.

Er sieht allenfalls die Möglichkeit, dass die Stadt als Zwischenerwerber auftritt und die Fläche dann weiterverkauft.

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