Rüge bei der Auftragsvergabe bremst das schnelle Internet für einige Monate

dzBreitbandversorgung

Bis die ersten Bergkamener und Kamener eine wirklich schnelle Internetverbindung bekommen, wird es noch einige Zeit dauern. Die Pläne, eine Breitbandversorgung aufzubauen, sind unverhofft ins Stocken geraten.

Bergkamen

, 09.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollte die Versorgung der sogenannten „weißen Flecken“ in Bergkamen und Kamen mit schnellem Internet in diesen Tagen einen entscheidenden Schritt weiterkommen. Der „Breitbandbetrieb Bergkamen“ (BBB), der den Anschluss der beiden Städte und der Gemeinde Bönen ans Glasfasernetz vorantreibt, wollte eigentlich den Auftrag für die Feinplanung des Netzes vergeben.

Dafür haben sich dem Vernehmen nach namhafte Büros aus ganz Deutschland beworben. Einem von ihnen passte es offenbar nicht, dass es nicht zum Zuge kommen sollte. Der BBB sieht sich jetzt mit einer Rüge für seine Vergabepraxis konfrontiert, wie der BBB-Geschäftsführer und Bergkamener Kämmerer Marc Alexander Ulrich bestätigte.

BBB muss auf Entscheidung der Vergabekammer warten

Die Konsequenz: Der Eigenbetrieb darf den Auftrag vorerst nicht vergeben. Er muss erst die Entscheidung der Vergabekammer Westfalen in Münster abwarten, die sich mit der Rüge befasst. Ulrich rechnet damit frühestens im September. Das bedeutet, dass sich die Feinplanung des Glasfasernetzes um mindestens zwei Monate verzögert.

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Dafür hat der BBB ohnehin schon beträchtliche Zeit eingeplant – mehr als für den späteren Bau des schnellen Netzes. Die Planer müssen nicht nur genau festlegen, wo die Kabel an das bestehende Netz angeschlossen werden und wo sie verlaufen sollen. Sie müssen auch alle Genehmigung einholen, um beispielsweise Bahnlinien, Autobahnen oder den Kanal zu kreuzen. Allein die Abstimmung mit den zuständigen Behörden kostet viel Zeit.

So sieht die grobe Planung für den Glasfaserausbau in Bergkamen, Kamen und Bönen aus. Es soll zwar die ländlichen Bereiche erschließen, reicht aber so nah an die Siedlungsbereiche heran, dass sie leicht angeschlossen werden können.

So sieht die grobe Planung für den Glasfaserausbau in Bergkamen, Kamen und Bönen aus. Es soll zwar die ländlichen Bereiche erschließen, reicht aber so nah an die Siedlungsbereiche heran, dass sie leicht angeschlossen werden können.

Reserven für die dichter besiedelten Bereiche

Hinzu kommt, dass das Netz gleich größer geplant werden soll, um Reserven zu haben. Die Versorgung der „weißen Flecken“, der ländlichen Bereiche ohne eine vernünftige Internet-Anbindung, ist eigentlich nur Mittel zum Zweck. Von dort aus sollen die Glasfaserkabel auch in die dichter besiedelten Bereiche verlegt werden, die zwar eine bessere, aber auch keine optimale Internet-Anbindung haben. „Deshalb müssen die Planer auch berechnen, wie viele zusätzliche Kapazitäten notwendig sind, um tatsächlich alle Bereiche der Stadt anzuschließen“, erklärt Ulrich.

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Entsprechend viel Zeit hat er für die Feinnetzplanung einkalkuliert. Ulrich geht davon aus, dass sie mindestes zwölf, möglicherweise aber sogar 18 Monate in Anspruch nimmt. Selbst wenn die Vergabekammer schnell zu einem Ergebnis kommt, ist davon auszugehen, dass sie sich bis Mitte 2022 hinzieht.

Erst wenn die Feinplanung vorliegt, kann der BBB den Auftrag für das Verlegen des Glasfasernetzes in den drei Kommunen vergeben.

Anfang 2024 wird das Netz wahrscheinlich in Betrieb gehen

Ulrich geht zwar davon aus, dass dieser Bau nicht so lange dauert wie die Planung. Er kalkuliert aber trotzdem mit etwa einem Jahr. Anfang 2024 ist das Glasfasernetz wahrscheinlich fertig und Betreiber Helinet kann es in Betrieb nehmen. Der Anschluss der Gewerbegebiete und der Schulen an das schnelle Internet soll deutlich schneller vorangehen, weil es dafür andere Förderprogramme gibt.

Die Telekom hatte bereits vor etwa drei Jahren Glasfaserkabel verlegt – aber nicht bis in jedes aus. Die Kabel reichen nur bis zu Verteilern, an die Haushalte über Kupferkabel angeschlossen sind. Das bremst den Datenfluss erheblich.

Die Telekom hatte bereits vor etwa drei Jahren Glasfaserkabel verlegt – aber nicht bis in jedes Haus. Die Kabel reichen nur bis zu Verteilern, die Haushalte sind aber über Kupferkabel angeschlossen. Das bremst den Datenfluss erheblich. © Marcel Drawe (Archiv)

Das größte Bergkamener Gewerbegebiet, der Gewerbepark Rünthe, hat ohnehin schon einen Glasfaseranschluss. Dort war die Internetanbindung so schlecht, dass Helinet schon vor einigen Jahren Glasfaserkabel verlegte.

Auch der Logistikpark wurde von vornherein mit einer Breitbandverbindung ausgestattet. Das schnelle Netz ist mittlerweile wichtig für die Ansiedlung von neuen Unternehmen.

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