Die Rückkehr zu G9 macht das Sitzenbleiben am Gymnasium schwierig

dzGymnasium Bergkamen

Die Rückkehr zum G9-Abitur am Städtischen Gymnasium bekommen zunächst die Lehrer zu spüren. Aber auch für die Schüler hat das Konsequenzen – vor allem dann, wenn sie sitzenbleiben.

Bergkamen

, 05.11.2019, 17:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fünft- und Sechstklässler des Städtischen Gymnasiums denken wahrscheinlich noch nicht allzu oft an ihre Abiturprüfungen. Ihre Schulleiterin Bärbel Heidenreich hingegen muss sich mit diesem Thema durchaus schon beschäftigen. Denn nach dem Scheitern des G8-Experimentes werden die jüngsten Gymnasiasten länger zur Schule gehen als ihre Mitschüler aus den anderen Jahrgangsstufen. Die jetzigen Unterstüfler werden wie in früheren Zeiten wieder in der Regel neun statt acht Jahre bis zum Abitur brauchen.

Wegen G9 ändert sich die Stundentafel

Das bringt für das Gymnasium eine ganze Menge organisatorische Veränderungen mit sich. Die Schüler merken das zunächst einmal daran, dass sie in diesem Schuljahr einen unterrichtsfreien Tag mehr haben werden. „Das Schulministerium hat uns einen dritten pädagogischen Tag zugestanden“, berichtet Heidenreich.

Die Rückkehr zu G9 macht das Sitzenbleiben am Gymnasium schwierig

Die Schüler aus der Klasse 5d am Städtischen Gymnasium Bergkamen beim Musikunterricht. Sie kommen ein Jahr später in die Oberstufe als ihre älteren Mitschüler. © Stefan Milk

An solchen Tagen bekommen die Schüler Aufgaben, die sie zu Hause lösen sollen, damit die Lehrer Zeit zum Planen und Organisieren haben. Und die brauchen sie auch. Denn durch den Wechsel von G8 zu G9 ändern sich natürlich auch die Lehrpläne und Stundentafeln.

G8er lernen zweite Fremdsprache ein Jahr später

Die Vorgaben vom Land liegen inzwischen vor, sagt Heidenreich. Nun müssen sie und ihr Kollegium sie für den konkreten Unterrichtsalltag am Bergkamener Gymnasium umsetzen.

Das wirkt sich natürlich auch auf die Stundenpläne aus. So werden die G8er die zweite Fremdsprache erst ein Schuljahr später lernen als die G9er. Französisch oder Latein gibt es also erst ab Jahrgangsstufe sieben.

Auch für die aktuellen Siebtklässler wird die Schulzeit-Änderung Konsequenzen haben. Zumindest dann, wenn sie sitzenbleiben. Dann nämlich müssen sie von einer G8- und in eine G9-Stufe wechseln. Auf diese Weise verlängert sich ihre Schulzeit dann auf einen Schlag um zwei Jahre. „Das lässt sich nicht vermeiden“, sagt die Schulleiterin.

Die Rückkehr zu G9 macht das Sitzenbleiben am Gymnasium schwierig

Beim Mathemathik-Unterricht denken die Sechstklässler am Städtischen Gymnasium Bergkamen vermutlich noch nicht an ihre Abiturprüfungen. Die Schulleitung muss sich aber schon Gedanken über die organisatorischen Veränderungen machen. © Stefan Milk

In der Oberstufe wird es richtig kompliziert

Richtig kompliziert wird es, wenn die jetzigen Fünft- und Sechsklässler in die Oberstufe kommen. Die beginnt mit der sogenannten Einführungsphase, in der die Schüler ein Jahr lang mit den Ansprüchen ihrer letzten Schulphase vertraut gemacht werden. Von dort wechseln sie in die zweijährige Qualifikationsphase, die idealerweise zum Abitur führt.

Aktuell beginnt die Einführungsphase am Gymnasium mit der Jahrgangsstufe zehn, die Qualifikationsphase mit der elf. Das wird sich für die neuen G9-Schüler ändern, sie werden die gymnasiale Oberstufe erst nach Abschluss der zehnten Klasse erreichen.

Jetzt lesen

Im Jahr 2026 gibt es keinen Abiturjahrgang

Für das Gymnasium bedeutet das, dass es im Jahr 2026 keinen Abiturjahrgang geben wird. Das dürfte zu verkraften sein. Das wesentlich schwerwiegendere Problem stellt sich hingegen einige Jahr vorher, wenn die jetzigen Unterstufenschüler in die zehnte Klasse kommen, die dann nicht mehr zur Oberstufe gehört: „Im Schuljahr 2023/24 werden wir keine Einführungsphase haben“, sagt Heidenreich.

Auch das ist auf den ersten Blick kein Drama. Schwierig wird es allerdings, wenn dann ein Schüler aus dem elften Jahrgang sitzenbleibt und das Schuljahr wiederholen muss. Das kann er nach dem aktuellen Stand der Dinge nicht am Gymnasium tun, weil er ja sonst noch einmal in die Einführungsphase müsste, die er eigentlich schon zwei Jahre hinter sich hat. Eine Lösung für dieses strukturelle Problem hat Heidenreich noch nicht: „Aber wir haben ja noch ein wenig Zeit dafür.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Sprachprojekt in der Grundschule

Warum auch deutsche Eltern am Rucksack-Projekt für den Spracherwerb teilnehmen

Hellweger Anzeiger Städtepartnerschaften

Bei der Schulpartnerschaft mit Gennevilliers beweist die Gesamtschule einen langen Atem

Meistgelesen