Römerlager bisher zu klein gerechnet

dzVortrag im Stadtmuseum

Neue geschichtliche Erkenntnisse und Berechnungen scheinen eine geschichtliche Sensation zu begründen: Das Römerlager Oberaden war wahrscheinlich viel größer als gedacht.

von Klaus-Dieter Hoffmann

Oberaden

, 15.10.2018, 04:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Möglicherweise muss die Geschichte Bergkamens neu geschrieben werden. Zumindest die Geschichte, in der es um das ehemalige Römerlager in Oberaden geht. Zu diesem erstaunlichen Ergebnis gelangte jetzt der Leiter des Bergkamener Stadtmuseums, Mark Schrader, der seine Recherchen in einem spannenden Referat im Drususzimmer des Stadtmuseums vorstellte. Denn neben einigen fachkundigen Hobby-Heimatforschern aus dem Bergkamener Einzugsbereich, waren auch wieder einige römisch-affine Zuhörer aus den Niederlanden angereist, die mit ihren Feststellungen die Thesen von Mark Schrader untermauerten.

„Unser Wissen über das Römerlager stammt doch eigentlich aus dem Jahr 1904“, berichtete Schrader. „Viele Zahlen, Daten und Fakten werden aus den alten Geschichtsbüchern als festgeschriebenes Dogma immer wieder neu übernommen, obwohl viele Fragen der Geschichte eigentlich neu gestellt und beantwortet werden müssten.“

Als weiteren Referenten für diesen Abend konnte Schrader seinen Studienkollegen und Doktoranden Andreas Wegert vom Archäologischen Institut an der Universität zu Köln gewinnen, der mit seinen Studien zum römischen Legionslager von Neuss ähnlich frappierende Erkenntnisse gewonnen hat. Denn auch er gehört zu den „jungen Wilden“ der Geschichtswissenschaftler, die mit neuen Methoden und Berechnungen die alten Dogmen in Frage stellen und zumindest neue umfangreiche Untersuchungen einfordern.

Viel Schiffsverkahr

Nach Wegerts Erkenntnissen gab es nämlich auf der Route Rhone-Saone-Mosel-Rhein und auf dem Seeweg über die Nordsee einen überaus umfangreichen Schiffsverkehr, der die römischen Truppen in diesen Breiten mit reichlich Nahrung und Materialien versorgte. „Viel Masse für nur zwei Legionen, die man bis jetzt hier in Oberaden vermutet“, konstatierte Wegert.

Wegert und natürlich Schrader sind sich daher schon ziemlich sicher, dass hier ein richtig großer Feldzug organisiert wurde, der das aufsässige Volk der hier ansässigen Sugambrer und am Ende auch das der nicht minder aufsässigen Chatten weiter südlich endlich zur Räson bringen sollte. „Topographisch hatte Oberaden beste Voraussetzungen dafür.“

Mark Schrader kommt bei seinen Berechnungen auf fünf Legionen mit rund 30.000 Legionären, einer unbestimmten Anzahl von Hilfstruppen - Thraker und Griechen, die als Bogenschützen eingesetzt wurden, sowie steinschleudernde Balearen und germanische und keltische Zwangsrekrutierungen von reitenden Truppen, mit denen der anführende Feldherr Drusus unterwegs war.

Doch damit noch nicht genug. Nach Schraders Recherchen hatte der Feldherr auch eine Leibgarde von drei Kohorten Prätorianern im Gefolge, ganz zu schweigen von den Veteranen und Beamten, die für die Versorgung und Ausbildung zuständig waren, und zusammen mit einem großen Tross von Familien, Handwerkern, Händlern und Sklaven ebenfalls im Römerlager untergebracht werden mussten.

Nach einem Blick auf die Ausgrabungspläne sieht Schrader seine Vermutungen sogar durchaus gerechtfertigt, denn Palast und Verwaltung waren schließlich dreimal so groß, als nach den bisherigen Erkenntnissen erforderlich. Und sollte es dann so sein, dass Schrader recht hat, dann könnte das Oberadener Römerlager vielleicht sogar zum größten römischen Legionslager Europas aufsteigen. „Fortsetzung folgt“, versprach Mark Schrader.

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