Richter ahndet den Unfalltod einer Seniorin auf dem Zebrastreifen mit Geldstrafe

dzGericht

Gut ein Jahr nach einem tödlichen Unfall musste sich die Verursacherin vor Gericht verantworten. Das verurteilt sie, sah aber auch mildernde Umstände.

von Jana Peuckert

Bergkamen

, 05.12.2018, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als eine 81 Jahre alte Frau am 12. Dezember vergangenen Jahres ihre Wohnung verließ, ahnte niemand, dass sie acht Tage später tot sein würde.

An der Bambergstraße in Bergkamen wollte die Seniorin über den Zebrastreifen gehen. Von links näherte sich ein Auto. Am Steuer eine 29-jährige Wuppertalerin. Statt anzuhalten und die ältere Dame passieren zu lassen, fuhr die Frau weiter – und erwischte die Seniorin mit der rechten Vorderseite ihres Wagens. Die 81-Jährige schlug mit dem Oberkörper auf die Motorhaube, wurde etwa vier Meter mitgeschleift und prallte schließlich auf den Asphalt. Der Rettungswagen brachte die Seniorin mit zahlreichen Frakturen ins Krankenhaus. Vier Tage vor Heiligabend erlag sie einer Hirnblutung.

Zeugin widerspricht der Angeklagten

Die Unfallverursacherin musste sich an diesem Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung im Amtsgericht Kamen verantworten. Sie gab an, die 81-Jährige sei auf dem Bürgersteig gelaufen und habe sich plötzlich zum Zebrastreifen gedreht. Einen Augenkontakt habe die Angeklagte so gedeutet, dass die Frau sie habe vorbeifahren lassen wollen. Sie habe nicht vor dem Streifen bremsen wollen, aus Angst, der Wagen würde auf der glatten Straße rutschen und die Frau erfassen.

Sie sei gefahren, als es plötzlich einen Knall gegeben habe. Dann habe sie den Oberkörper der Seniorin auf der Motorhaube gesehen und einen Arm, der vergeblich versucht habe, die Frau zu halten. Besagter Arm gehört zu einer Studentin, die an dem Tag neben der 81-Jährigen am Zebrastreifen wartete. Sie schilderte das Geschehen anders als die Angeklagte. Danach habe sich die Seniorin nicht bewegt, sondern am Übergang gestanden und darauf gewartet, dass ein Auto anhalten würde. Der Wagen der Angeklagten schien noch entfernt, sei dann aber plötzlich doch schnell da gewesen. „Ich wollte sie noch zurückziehen, aber da wurde sie schon erfasst“, erklärte die junge Frau. Sie selbst sei mitgerissen und auf die Straße geschleudert worden. Dabei habe sie sich den Fuß gebrochen und blaue Flecken davon getragen.

Die Autofahrerin hätte bremsen können

Ein Gutachter gab am Mittwoch an, die Angeklagte sei nicht zu schnell unterwegs gewesen. Glätte habe es zu der Zeit nicht gegeben. Sie hätte also vor dem Streifen anhalten können.

Das betonte der Richter in seiner Urteilsbegründung noch einmal: „Sie hätten die Chance gehabt, anzuhalten.“ Da er der Seniorin ein Mitverschulden gab und den Umstand berücksichtigte, dass sich die Angeklagte nach dem Unfall in eine Traumatherapie begeben musste, verwarnte er die 29-Jährige und verhängte eine Geldstrafe von 9600 Euro unter Vorbehalt. Wird die Wuppertalerin in den nächsten zwei Jahren nicht straffällig und zahlt sie 3000 Euro an den „Crashkurs“ des evangelischen Kirchenkreises und 1000 Euro an eine Organisation zur Rettung von Orang Utans, wird die Akte geschlossen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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