Rezept vom Arzt: Statt auf Papier bald aufs Handy oder gleich online an die Apotheke

dzMedikamente

Die Zettelwirtschaft bei den Rezepten vom Arzt ist bald vorbei: Das elektronische Rezept wird eingeführt. Es gibt auch eine Lösung für diejenigen, die kein Rezept aufs Smartphone wollen – für den Übergang.

Bergkamen Kreis Unna

, 21.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Patienten künftig ein Rezept vom Arzt bekommen, müssen sie nicht mehr das Papier entgegennehmen, bei der nächsten Apotheke einreichen und hoffen, dass es auch da ist. Vermutlich Ende des Jahres soll das elektronische Rezept eingeführt werden, sagt der Bergkamener Apotheker Frank Klesz von der Sonnenapotheke.

Patienten können das elektronische Rezept dann bei jeder Apotheke einreichen, nicht nur bei den Versandapotheken, wie Klesz betont. Und wenn sie nicht wollen, müssen sie noch nicht einmal wie bisher persönlich zur Apotheke gehen, um das Rezept einzulösen. Sie können es auch mit einigen Klicks online an die Apotheke übermitteln.

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Wer sich dann auch noch den Weg zum Abholen sparen möchte, kann auch das: Er kann auch gleich veranlassen, dass ihm die Medikamente nach Hause geliefert werden.

Auch die herkömmlichen Rezepte auf Papier soll es noch mindestens für eine längere Übergangszeit geben.

Auch die herkömmlichen Rezepte auf Papier soll es noch mindestens für eine längere Übergangszeit geben. © picture alliance / dpa

Umsetzung beginnt wahrscheinlich im Herbst

Klesz geht davon aus, dass die technische Umsetzung für das E-Rezept im September oder Oktober beginnt. Bis Patienten kein auf Papier gedrucktes Rezept mitnehmen müssen, wird es aber noch etwas länger dauern. „Nach allen Erfahrungen gehe ich davon aus, dass das E-Rezept wohl erst Anfang 2021 startet“, sagt der Apotheker.

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Patienten, die sich nicht an ein Rezept auf dem Smartphone oder an die elektronische Übermittlung an eine Apotheke gewöhnen wollen, haben zumindest noch eine Schonfrist. Für eine Übergangszeit von drei Jahren können sie noch wählen, ob sie noch das Rezept auf Papier oder das neue E-Rezept haben möchten.

Künftig sollen Patienten die Daten ihres Rezepts auf dem Handy speichern können. Sie können es auch elektronisch an die Apotheke übermitteln, statt selbst hinzugehen.

Künftig sollen Patienten die Daten ihres Rezepts auf dem Handy speichern können. Sie können es auch elektronisch an die Apotheke übermitteln, statt selbst hinzugehen. © picture alliance/dpa

Digitaler Code aufs Smartphone

Rein technisch bekommen Patienten das E-Rezept von ihrem Arzt in Form eines digitalen Codes, in dem die Daten verschlüsselt sind – entweder überspielt aufs Smartphone oder auf einem Papierrezept, teilt Klesz mit. Die Apotheken können dann beides auslesen, um festzustellen, welches Medikament in welcher Packungsgröße und in welcher Dosierung der Arzt verschrieben hat.

Patienten können Apotheke weiter frei wählen

Nach Angaben von Klesz lässt das E-Rezept Patienten auch weiterhin die Freiheit, ihr Rezept bei einer Apotheke einzulösen, an der sie gerade vorbeikommen oder zu ihrer Stamm-Apotheke zu gehen.Der Apotheker selbst sieht jedoch einen Vorteil darin, immer zu einer bestimmten Apotheke zu gehen. Sie kann dann eine elektronische Kundenakte anlegen und sieht, welche Medikamente der Patient regelmäßig nimmt.

Das E-Rezept ist in mehreren regionalen Pilotprojekten erprobt worden.

Das E-Rezept ist in mehreren regionalen Pilotprojekten erprobt worden. © picture alliance/dpa

Überblick, wenn mehrere Ärzte Medikamente verschreiben

Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn Menschen nicht nur zu ihrem Hausarzt in Behandlung gehen, sondern auch noch von einem Facharzt behandelt werden.

E-Rezept


Die gesetzliche Grundlage

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das E-Rezept im Gesundheitswesen eingeführt. Der Bundestag hat das Gesetz mit dem Titel „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ verabschiedet und es ist schon am 16. August 2019 in Kraft getreten. Laut der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums sollen bis zum 30. Juni die technischen Festlegungen getroffen werden, dass das elektronische Rezept sicher übermittelt werden kann.

Die Apotheker können dann zum Beispiel bei Patienten, die ein Medikament ständig nehmen müssen, leichter prüfen, ob es Wechselwirkungen mit einem neuen Medikament gibt.

Oft bekämen Patienten von mehreren Ärzten unterschiedliche Präparate verschrieben – und zwar häufig auch, ohne dass es dem verschreibenden Arzt bekannt ist, welche Medikamente sein Patient noch nimmt.

Als Beispiel nennt Klesz den Gerinnungshemmer Marcumar, den zum Beispiel Patienten nach einer Thrombose, nach einem Herzinfarkt oder eine Herzklappen-Operation ständig nehmen müssen. Wenn sie gleichzeitig Aspirin einnehmen, kann sich die Wirkung des Gerinnungshemmers auf ein ungewolltes Maß verstärken.

Der dafür verantwortliche Wirkstoff Salicylsäure im Aspirin kommt auch in anderen Medikamenten vor – ohne dass Betroffene das oft wissen. In solchen Fällen können Apotheker künftig leichter eingreifen und Rücksprache mit den Ärzten nehmen.

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