Rentner attackiert Polizei und Sanitäter – und kommt mit einer Geldbuße davon

dzGericht

Eigentlich wollten Sanitäter und Polizeibeamte einem 65 Jahre alten Bergkamener nur helfen. Der wehrte sich jedoch so brüsk und mit Gewalt, dass er sich jetzt vor Gereicht verantworten musste.

von Sylvia Mönnig

Bergkamen

, 24.06.2020, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollten sich Sanitäter und Polizei fürsorglich um einen 65-jährigen Bergkamener kümmern, der sich verletzt hatte. Doch der wollte nur seinen Rausch ausschlafen und machte das mit drastischen Mitteln deutlich. Er beleidigte und attackierte diejenigen, die ihm eigentlich helfen wollten. Das brachte ihm ein Verfahren vor Gericht ein, in dem er selbst eine Erklärung für sein Verhalten suchte.

Bisher hatte sich der Rentner aus Bergkamen nie etwas zu Schulden kommen lasen, niemals geriet er mit dem Gesetz in Konflikt. Und dann das: Nach einem Treffen mit seinen Schützenbrüdern, bei dem reichlich Bier und Schnaps flossen, traten der 65-Jährige und seine Gattin den Heimweg an. Unterwegs fiel der alkoholisierte Mann wohl hin und zog sich eine Wunde am Kopf zu. Er nannte es Schürfwunde, die Polizei sah es eher als Platzwunde.

Besorgte Nachbarin ruft nach Sturz den Rettungswagen

Eine besorgte Nachbarin, die den Sturz offenbar beobachtete, verständigte besorgt den Rettungsdienst. Doch bei Eintreffen der Sanitäter reagierte der Bergkamener so aggressiv, dass die Helfer schnell die Polizei zur Unterstützung riefen. Verärgert über die Helfer, die ihn vom Schlaf abhielten, beschimpfte er die Polizeibeamten wüst und trat schließlich zu, als die bereits dabei waren, den Ort des Geschehens wieder zu verlassen. Der Tritt traf das Schienbein einer Polizistin. Schmerzen und ein Hämatom waren die Folgen.

Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte wurden dem Rentner nun im Prozess vor dem Amtsgericht Kamen vorgeworfen. Dort räumte er die Taten über seinen Verteidiger ein, auch wenn ihm seine Erinnerung zum Teil einen Streich spielte. Er selbst betonte: „Ich kann nur inständig um Verzeihung bitten. Das ist nicht meine Art und kommt auch nicht wieder vor.“

Entschuldigung bei verletzter Polizistin

Auch nutzte der 65-Jährige die Chance, sich persönlich bei der betroffenen Beamtin zu entschuldigen. Die zeigte Herz und nahm an. Der Richter brachte es – auch mit Blick auf die Ereignisse in Stuttgart am vergangenen Wochenende – auf den Punkt: „Wir sind der Meinung, Polizisten müssen sich im Dienst nicht verhauen lassen. Das ist im Preis nicht inbegriffen.“ Allerdings sah er auch die zahlreichen Punkte, die für den Bergkamener sprachen. Der erhielt eine Chance: Gegen Zahlung von 300 Euro Schmerzensgeld an die verletzte Polizistin und 700 Euro Geldbuße zugunsten der ADAC-Luftrettung wurde sein Verfahren vorläufig eingestellt.

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