Von der Idee, Bergkamen über eine „Regionalstadtbahn“ an den Schienenverkehr anzubinden, hat sich die Stadtverwaltung verabschiedet – von der Schienenanbindung aber nicht.

Bergkamen

, 21.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Der Plan, den die Stadt jahrelang verfolgt hat, sieht eine Stadtbahntrasse von Lünen über die Rotherbachtstraße und die Erich-Ollenhauer-Straße vor, mit einem Schwenk zum Baubahnhof im Rathaus und von dort weiter in Richtung Hamm. Sie ist im Regionalplan und im Flächennutzungsplan der Stadt vorgesehen. Dieser Schienenweg ist ein Irrweg, wie nicht nur Bürgermeister Roland Schäfer mittlerweile glaubt. Er geht davon aus, dass sich eine Bahn auf dieser Trasse wohl nie bauen lassen würde. „Dazu wäre ein erheblicher Grunderwerb notwendig und ein sehr aufwendiges Planverfahren“, sagt Schäfer. Außerdem hatten Anwohner der betroffenen Straßen bereits vor Jahren Proteste angekündigt, als die Pläne öffentlich diskutiert wurden. Es dürfte sich auch um keine besonders schnelle Verbindung nach Dortmund handeln. Ein Gutachten der Dortmunder Stadtwerke sah damals vor, die Stadtbahnline U 42 von Grevel nach Bergkamen zu verlängern – mit den entsprechend langen Fahrzeiten.

Regionalbahn zurück auf ihrem ursprünglichen Weg

Schon seit Mitte der 60er Jahre fahren nur Güterzüge über die Hamm-Osterfelder Bahn. Die Stadt möchte, dass es auch wieder Personenverkehr auf dem Teilabschnitt durch Bergkamen gibt. © Stefan Milk

Mehrere Wochen Personenzüge auf der Güterstrecke

Die Bergkamener Stadtverwaltung ist deshalb zu ihrer Ursprungsidee zurückgekehrt, Bergkamen über die schon vorhandene Hamm-Osterfelder Bahn anzubinden, auf der es bis Mitte der 60er Jahren Personenverkehr gegeben hatte. Diese Pläne waren am Widerstand der Bahn gescheitert. Sie hatte mitgeteilt, dass der Güterverkehr auf der Strecke so eng getaktet ist, dass für Personenzüge keine Lücke mehr bleibt. Ein Argument, das die Stadt mittlerweile als widerlegt ansieht. Als die Bahnlinie Dortmund-Hamm über Kamen in diesem Jahr für Wochen gesperrt war, rollte der gesamte Personenverkehr über die Hamm-Osterfelder Bahn als Umleitungsstrecke. „Sogar einschließlich aller überregionalen ICE-Verbindungen“, wie der Bergkamener Bürgermeister betont. Seine Folgerung: Die Bahn habe wenig Argumente, dass eine Regionalbahn von Dortmund über Bergkamen nach Hamm auf der Strecke keinen Platz habe, sagt Schäfer.

Die Stadt hofft bei ihren Plänen diesmal auch auf Unterstützung in der Region und auf Landesebene. Sie sieht die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027 als Möglichkeit, das Projekt zu platzieren. Im Rahmen der IGA soll der Bereich am Datteln-Hamm-Kanal mit der geplanten Wasserstadt Aden, der Freizeitlandschaft auf der Halde und der bereits bestehenden Marina in Rünthe einer der Schwerpunkte werden. Eine Schienenanbindung dieses Bereichs sei ein sinnvolles Projekt im Rahmen der IGA, meint der Bürgermeister. Deshalb will die Stadt die Regionalbahnanbindung sofort als IGA-Projekt anmelden, sobald es endgültig offiziell ist, dass der Regionalverband Ruhr (RVR) sie ausrichtet. Die Regionalkonferenz hat bereits einen Beschluss gefasst. Der Vertrag soll im kommenden Jahr unterschrieben werden.

Regionalbahn zurück auf ihrem ursprünglichen Weg

Vor Jahren war ein Regionalzug bereits einmal probeweise bis auf das Monopol-Gelände gefahren. Dort könnte ein Haltepunkt entstehen, meint der Bürgermeister.

Schon Probefahrt nach Bergkamen

Schäfer sieht übrigens wenig technische Probleme, Bergkamen über die Hamm-Osterfelde Bahn an das Schienennetz anzuschließen. Die Umleitungsphase habe gezeigt, dass es keine Probleme gebe, wenn Züge von der Strecke Dortmund-Münster in Lünen auf die Hamm-Osterfelder Bahn in Richtung Hamm abbiegen. Außerdem war schon vor Jahren ein Personenzug bis auf das Monopol-Gelände gefahren. Als die Idee der Schienenanbindung neu war, hatte es eine Probefahrt mit Halt in Bergkamen gegeben.

Mittlerweile hat die Stadt auch Kontakt mit dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) aufgenommen, der Aufgabenträger für den Schienenverkehr in der Region ist.

Regionalbahn zurück auf ihrem ursprünglichen Weg

Linienverlauf und mögliche Haltepunkte

Drei Haltepunkte in der Stadt

Nach den Vorstellungen der Stadt müssten zwar Investitionen getätigt werden, um Bergkamen an den Personen-Schienenverkehr anzubinden. Doch die dürften nach Einschätzung des Bürgermeisters im Vergleich zum Bau einer komplett neuen Trasse gering ausfallen. Möglicherweise müssten kleine Veränderungen auf den Schienenwegen vorgenommen werden. Bei den Haltepunkten könnte sich die Regionalbahn wahrscheinlich auf drei im Stadtgebiet beschränken, meint Schäfer – einen in Oberaden in Höhe der geplanten Wasserstadt, einen an der Halde, für Besucher und einen auf dem ehemaligen Monopol-Gelände in Bergkamen-Mitte, denn nach dort führt ein Abzweig von der Hamm-Osterfelder Bahn. Zwischen Dortmund und Bergkamen werde ein Halt an Preußen-Bahnhof wahrscheinlich reichen. Dort könnten Reisende auch in einen Regionalzug nach Münster umsteigen.

Darüber hinaus soll die Stadtverwaltung im Zusammenhang mit der IGA auch die Machbarkeit für andere Verkehrsmittel prüfen. Dabei geht es zum Beispiel um einen Sessellift auf die Halde aber auch um technisch innovative Verkehrsmittel. Ideen dazu hatte schon der Berliner Planer Manfred Karsch, der für den RVR Entwürfe zur IGA entwickelt. Er schlug selbstfahrende Wassertaxis und Landfahrzeuge vor, um die IGA-Projekte in Bergkamen und Lünen für Besucher zu verbinden.

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