Rathaus findet nur schwer Personal – manchmal auch zum Nachteil für die Bürger

dzStellenplan

Die Stadt Bergkamen sucht händeringend Personal, vor allem im technischen Bereich. Bürger, die eine Dienstleistung wollen, sollen davon nichts merken. Es fällt der Stadt aber schwer, Fördermittel auszugeben.

Bergkamen

, 03.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als es um die Planung der neuen Grundschule für Oberaden ging, entfuhr Schuldezernentin Christine Busch ein Stoßseufzer: „Wenn jemand einen Architekten weiß, der bei uns arbeiten will – wir stellen ihn sofort ein.“ Die Stadt will laut Stellenplan mehr Mitarbeiter einstellen, nachdem sie in den Jahren des Haushaltssicherungskonzepts massiv Stellen eingespart hatte, um die Stadtkasse nicht zu belasten.

Kaum Ingenieure und Architekten zu bekommen

Jetzt sieht die finanzielle Situation der Stadt erheblich besser aus. Personal findet sie aber nur schwer. Betroffen ist vor allem der technische Bereich, wie Thomas Hartl bestätigt, der Leiter Innere Verwaltung bei der Stadt Bergkamen. „In anderen Bereichen mit viel Publikumsverkehr wie dem Bürgerbüro haben wir fast keine Probleme“, sagt er. Ingenieure und Architekten seien dagegen kaum zu bekommen.

Im Bürgerbüro hat die Stadt nach eigenen Angaben keine Personalprobleme und daher auch nur geringe Wartezeiten.

Im Bürgerbüro hat die Stadt nach eigenen Angaben keine Personalprobleme und daher auch nur geringe Wartezeiten. © Borys Sarad

Bewerber entscheiden, ob sie kommen wollen

Das bestätigt auch Dezernent Marc Alexander Ulrich. Berufsanfänger aus dem bautechnischen Bereich entschieden sich zurzeit eher für die freie Wirtschaft als für den öffentlichen Dienst, sagt er. Die Bauwirtschaft boomt und zahlt ein hohes Gehalt, das der öffentliche Dienst nicht bieten könne. Mittlerweile habe sich die Situation bei Vorstellungsgesprächen sogar umgekehrt – falls es überhaupt Bewerber gibt. „Nicht wir teilen dem Bewerber mit, ob wir ihn nehmen. Meist teilt er uns mit, ob er unser Angebot annimmt“, sagt Ulrich.

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Die Stadt versucht nach seinen Angaben, die unmittelbaren Folge für die Bürger klein zu halten. Sie wären zum Beispiel betroffen, wenn sie auf einen Baubescheid länger als die eigentlich angestrebten maximal sechs Wochen warten müssten, nachdem sie einen Bauantrag abgegeben haben.

Für die Bauordnung und Bauberatung hat die Stadt selbst Mitarbeiter ausgebildet, damit es nicht zu Engpässen kommt.

Für die Bauordnung und Bauberatung hat die Stadt selbst Mitarbeiter ausgebildet, damit es nicht zu Engpässen kommt. © Borys Sarad

Eigene Kräfte für die Bauordnung ausgebildet

Den drohenden Engpass in der Bauordnung habe die Stadt schon früh erkannt, sagt der Dezernent. Sie hat deshalb selbst Fachkräfte für die Bauordnung ausgebildet, um Personalengpässe zu vermeiden und kurze Bearbeitungszeiten zu garantieren. Das ist oft nicht so einfach, wie Ulrich einräumt: Die Zahl der Bauanträge steigt – auch das ist ein Teil der zurzeit guten Baukonjunktur.

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Die Personalprobleme in der Stadtverwaltung treffen die Bergkamener Bürger eher indirekt, weil Vorhaben stocken, die ihnen eigentlich zugute kommen sollen. Das liegt unter anderem daran, dass eine Architektenstelle im Hochbaubereich unbesetzt ist und sich nur schwer ein geeigneter Bewerber findet.

Eigentlich könnte die Stadt viele Fördermittel verbauen, um Schulen und Kindergärten zu sanieren oder andere öffentliche Bauwerke zu erneuern. Betroffen sind zu Beispiel Fördergelder aus dem Konjunkturpaket III (KP III) oder aus dem Programm „Gute Schule 2020“.

Solche Arbeiten wie das Erneuern von Fenstern am Gymnasium im Sommer 2017 können sich verzögern, weil Personal im technischen Bereich fehlt.

Solche Arbeiten wie das Erneuern von Fenstern am Gymnasium im Sommer 2017 können sich verzögern, weil Personal im technischen Bereich fehlt. © Stefan Milk (Archiv)

Stadt kann Geld nicht ausgeben

Sie stehen zwar zur Verfügung, müssen aber oft innerhalb von bestimmten Fristen abgerufen werden. Mit anderen Worten: Es kann sein, dass eine Schule oder ein Kindergarten saniert werden muss und dass auch eigentlich das Geld zur Verfügung steht – dass es aber wegen Personalmangel nicht abgerufen werden kann. Aktuell hat die Stadt dieses Problem bei den KP III-Mitteln, die sie bis Ende 2020 abgerufen haben muss. Sie versucht jetzt, davon die letzten Arbeiten zur Sanierung des Pestalozzihauses zu bezahlen. Planung und Durchführung noch in diesem Jahr unterzubringen, wird jedoch knapp.

Hartl ist sich sicher, dass auch wieder andere Zeiten kommen. Spätestens wenn die gute Baukonjunktur nachlässt, wissen wieder viele zu schätzen, dass sie im öffentlichen Dienst einen sicheren Arbeitsplatz haben, auch wenn er nicht so gut bezahlt wird wie in manchen Unternehmen.

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