Rainer Volker Larm war ein Journalist aus dem Lehrbuch

Nachruf

Über 40 Jahre lang war der Hellweger Anzeiger untrennbar mit seinem Namen verbunden: Zum Tode unseres langjährigen Redaktionsleiters Rainer Volker Larm.

Bergkamen

, 17.07.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rainer Volker Larm

Rainer Volker Larm © Stefan Milk

Er prägte den Journalismus in Bergkamen in ganz besonderer Art und Weise: Neugierig, unbequem, aber immer fair. Und bestens vernetzt. Über 40 Jahre lang war der Hellweger Anzeiger untrennbar mit seinem Namen verbunden: Rainer Volker Larm. Am vergangenen Wochenende verstarb der langjährige Redaktionsleiter unserer Zeitung im Alter von 75 Jahren.

Mittler zwischen Politik und Menschen

Bergkamen, das war seine Stadt. „Perle des Nordkreises“ nannte er sie liebevoll, immer auch mit einem Augenzwinkern und dem nötigen Abstand. Den Aufstieg und Fall der einst größten Bergbaustadt Europas notierte er mit einer großen Liebe zum Detail.

„Dunkle Wolken über Haus Aden“, die später dann schwarze Wolken wurden, titelte er Seite um Seite in unserer Zeitung. Das Ende des Bergbaus und damit die schier unlösbare Aufgabe des Strukturwandels thematisierte er unermüdlich.

Er verstand sich im besten Sinne des Wortes als Mittler zwischen der Politik und den Menschen, ohne stets die notwendige Distanz zu verlieren.

Investigativ deckte er die Affäre Heil in den späten 1970er-Jahren auf, als sich Mitglieder einer Bürgerinitiative ihren Widerstand gegen einen fünfstelligen Betrag abkaufen ließen. So liebevoll er über sein Bergkamen formulieren konnte, so unerbittlich war er vor allem der Wahrheit verpflichtet und deckte zahlreiche Skandale auf.

Das war nur möglich, weil er über ein außergewöhnliches Netzwerk an Informanten verfügte, welches er mit großer Akribie pflegte. Jeden Morgen telefonierte der Frühaufsteher Multiplikatoren und Insider an. Manchmal, nur um einen guten Morgen zu wünschen, oft, um einen Tipp für eine lohnenswerte Recherche zu erhalten. Der Redaktionsleiter des Hellweger Anzeigers wurde gleichermaßen gefürchtet und geschätzt. Ein Journalist aus dem Lehrbuch.

Kabarett war seine große Leidenschaft

Sich selbst nahm er nicht zu wichtig. Er wusste um seine Stärken und seine Bedeutung, aber er suchte auch den Ausgleich zur Berufung Redakteur. Seine große Leidenschaft gehörte dem Kabarett, das er auch nach seinem Eintritt in den Unruhestand für uns rezensierte.

Nebenbei war er Autor. „Gärtner sterben stets im Herbst“ aus dem Jahre 1977 steht noch heute auf vielen Spielplänen kleinerer Theater. Ob in Dormagen oder in den deutschen Seebädern: Der feinsinnige, schwarze Humor mit englischer Prägung garantiert einen vergnüglichen Abend. Den vermittelte Rainer Volker Larm auch gern persönlich, wenn er seinen Zauberkasten aufmachte und als Magier seine Gäste in eine ganz andere Welt entführte.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt.“
Rainer Volker Larm

Bisweilen muss er sich auch in der täglichen Arbeit im Grenzbereich zur Magie gefühlt haben: Wenn er etwa aufspürte, dass ein goldfarbener Mercedes der Oberklasse zu einem Spottpreis den Besitzer gewechselt hatte, dann ging er der Angelegenheit auf den Grund. Und nicht selten beförderte er aus den Tiefen Unglaubliches hervor. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, schmunzelte er bisweilen, wenn ihn seine Kollegen bewundernd fragten, wie er dieser oder jener Story wieder auf die Spur gekommen sei.

Wichtigste Maxime dabei: Jede Information muss mehrfach abgesichert und absolut wasserdicht sein. Dann, und nur dann, taugte sie als Grundlage zu einem der unzähligen Berichte von Rainer Volker Larm, die Bergkamen aufrüttelten und über die in der gesamten Stadt leidenschaftlich diskutiert wurde.

Larm arbeitete dann längst schon wieder am nächsten Thema. In seiner und für seine Stadt Bergkamen.

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