Radikaler Rückschnitt auf städtischer Grünfläche – die Anwohner sind empört

dzGrünanlagen

Anwohner einer Grünfläche in Schönhausen sind über Rückschnittmaßnahmen empört. Sie werfen den städtischen Mitarbeitern vor, keine Rücksicht auf nistende Vögel genommen zu haben. Die Stadt sieht das anders.

Bergkamen

, 12.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ilona Faralich ist der Ärger noch deutlich anzumerken, wenn sie die städtische Grünfläche hinter ihrem Haus an der Hansemannstraße betritt. Sie deutet auf eine breite, braune Fläche, die sich rund um die Wiese in der Mitte der Grünanlage hinzieht. „Hier sind völlig unnötig die Büsche gekappt worden“, erklärt sie empört. Die sogenannten Pflegemaßnahmen einer Kolonne des städtischen Baubetriebshofs hätten den Lebensraum von Vögeln und Insekten zerstört, ärgern sich Faralich und viele ihrer Nachbarn.

Bei den Arbeiten wurde unter anderem dieses Vogelnest freigelegt, das vorher tief im Gebüsch verborgen war.

Bei den Arbeiten wurde unter anderem dieses Vogelnest freigelegt, das vorher tief im Gebüsch verborgen war. © Michael Dörlemann

„Keine Rücksicht auf brütende Vögel und Insekten“

Nach ihren Angaben sei die Pflegekolonne vor einigen Tag angerückt und habe die Büsche mit einem ferngesteuerten Gerät an manchen Stellen auf mehreren Metern Breite weggeschnitten. An einigen Stellen habe die Kolonne mit Kettensägen nachgearbeitet. Dabei habe sie keinerlei Rücksicht auf nistende Vögel und auf Insekten genommen. Zum Beweis zeigt Ilona Faralich ein Vogelnest in einer Brombeerhecke, das durch den Rückschnitt freigelegt und offenbar verlassen ist.

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So weit sie wisse, seien solche Rückschnittmaßnahmen nach dem Bundesnaturschutzgesetz um diese Jahreszeit verboten.

Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters dagegen geht jedoch davon aus, dass die Pflegekolonne „das ordentlich gemacht hat“, nachdem er erste Informationen eingeholt hat. Auf nistende Vögel habe sie Rücksicht genommen. Außerdem sei der Gärtnermeister, der die Maßnahme geleitet habe, im Dialog mit den Anwohnern.

Die gerodete Fläche ist an einigen Stellen mehrere Meter breit.

Die gerodete Fläche ist an einigen Stellen mehrere Meter breit. © Michael Dörlemann

Müll auf der Grünfläche abgelagert

Dieser „Dialog“ stellt sich nach Angaben einiger Anwohner jedoch etwas anders dar. Es soll zu einem halbstündigen Streitgespräch am Telefon zwischen dem städtischen Gärtnermeister und einer Anwohnerin gekommen sein, die selbst im Bereich der Grünpflege arbeitet.

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Der städtische Baubetriebshof spricht nicht nur von Grünschnitt, sondern auch von Bauschutt und in einzelnen Fällen auch von Hausmüll. Die Anwohner bestreiten nicht, dass Unbekannte in den vergangenen Jahren immer mehr Müll in den Büschen an der Grünfläche abgelagert haben.

Wer sich auf der Fläche umschaut, sieht immer noch Reste davon in den Büschen liegen. Möglicherweise war er für die Pflegekolonne nicht ohne weiteres zu erreichen.

Peters kündigte an, dass sich der Baubetriebshof künftig intensiver um die Grünfläche zwischen Hansemann- und Russelstraße kümmern will. Für den Herbst sei ein weiterer Pflegegang auf der Grünfläche geplant.

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