Nach der Gründung des ZWAR-Netzwerks, das Menschen ab 55 zueinander bringen soll, hat sich für einige Bergkamener das Leben verändert. Sie sind aktiv, Langweilige gibt es nicht mehr – und jeder darf mitmachen.

Bergkamen

, 03.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Es sind Leute aus der Nachbarschaft dabei, denen man 1000 Mal begegnet ist und jetzt lernt man sich erst kennen“, sagt Ulrich Eickelmann. Er ist leidenschaftlicher Fahrradfahrer und hat nun endlich Gleichgesinnte in Bergkamen gefunden. Der Rentner habe in Dortmund gearbeitet, wo noch seine Arbeitskollegen und viele Freunde wohnen, mit denen er früher Fahrrad gefahren ist. „Da kann man nicht spontan abends zusammen Fahrrad fahren.“ Mit seinen neuen ZWAR-Bekanntschaften geht das, denn sie wohnen gleich um die Ecke. Regelmäßig schwingen sie sich aufs Rad und unternehmen mal größere und mal kleinere Touren. „Wir fahren bis zu 30 Kilometern, aber auch Kurzstrecken. Wir sind auch schon mal einfach zur Eisdiele geradelt“.

ZWAR steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ und ist ein Projekt, das die Stadt Bergkamen angestoßen hat. Unterstützung bekam sie dabei von der ZWAR-Zentralstelle NRW. Die Stadt verschickte 4.700 Briefe mit Einladungen zur Auftaktveranstaltungen am 6. Mai. Berücksichtigt wurden Personen zwischen 55 und 65 Jahren aus Bergkamen-Mitte und Weddinghofen. Rund 200 Menschen kamen zu dem ersten Treffen. Seitdem hat sich jedoch viel verändert.

Radfahren, Walken und Ausflüge für alle: Die ZWAR-Gruppen sind auf Wachstumskurs

Im April stellten Ludger Kortendiek und Christine Busch (l.) von der Stadt gemeinsam mit Barbara Thierhoff von der ZWAR-Zentralstelle das neue Projekt für Bergkamener vor. Seitdem hat sich einiges getan. © Borys Sarad

ZWAR-Mitglieder haben WhatsApp-Gruppen auf ihren Handys

Beim zweiten Treffen kamen schon deutlich weniger Personen, erinnert sich Eickelmann. Doch der harte Kern ist geblieben und der entwickelt sich prächtig. „Es gibt eine ZWAR-Laufgruppe, eine ZWAR-Stammtischgruppe, eine ZWAR-Ausflugsgruppe und und und“, sagt Doris Gumprich über die vielen neuen WhatsApp-Gruppen in ihrem Handy. Sie hat das Walken für sich entdeckt. Jeden Dienstag läuft die Gruppe um 18 Uhr am Eingang des Parkfriedhofes los. Demnächst wollen sie auch weitere Strecken laufen und sich steigern. „Wir sind ja noch jung“, sagt Gumprich. Doch auch Neulinge sind immer willkommen. „Wir warten immer auf den Schwächsten.“ Auch in der Fahrradgruppe um Eickelmann nimmt man aufeinander Rücksicht. „Das ist kein Wettrennen“.

Auch Personen aus der Region integrieren sich

In beiden Gruppen sind längst nicht nur Personen, die Anfang des Jahres einen der 4.700 Briefe erhalten haben. Gumprich hat letztens eine Freundin vom Hundeplatz zum Walken mitgebracht. „Sie hat schon angekündigt, dass sie nächstes Mal auch eine Freundin mitbringt. Das läuft alles über Mundpropaganda.“ Und auch in der Fahrradgruppe sind längst nicht nur Bergkamener, sondern zum Beispiel auch Kamener.

Die Gruppen sind offen, wer mitmachen will, macht mit. Und das ist auch genau das, was Eickelmann so gefällt. Man könne Neues ausprobieren und müsse nicht zwingend wiederkommen. Er liebt das Fahrradfahren, kann sich für den Winter aber auch vorstellen, zur Spielegruppe dazuzustoßen oder zum Stammtisch zu kommen, zu dem auch seine Frau gehört.

Radfahren, Walken und Ausflüge für alle: Die ZWAR-Gruppen sind auf Wachstumskurs

Wie genau die Bergkamener, die sich zwischen Arbeit und Ruhestand befinden, ihre Zeit verbringen, gibt das ZWAR-Netzwerk nicht vor. In Bergkamen hat sich eine Walking-Gruppe gebildet. © picture alliance / Christian Cha

ZWAR ist kein Verein: Es gibt keine Verpflichtungen

Das hat auch Arnim Müller überzeugt. Der 60-Jährige arbeitet noch, hat aber trotzdem Lust auf neue Bekanntschaften und neue Unternehmungen.

ZWAR-Netzwerk in Bergkamen

Jeder ist willkommen

  • Jede ZWAR-Gruppe hat ihre eigenen Termine, es gibt aber auch offene, regelmäßige Treffen im Treffpunkt an der Lessingstraße 2. Jeden zweiten Montag können Bergkamener ab 55 daran teilnehmen.
  • In den Sommerferien treffen sich die ZWARler nicht im Treffpunkt, sondern im Ratstrakt. Das nächste Treffen findet am 12. August im Ratstrakt statt.
  • Wer sich über ZWAR informieren möchte, kann die Gruppenleiterin Juditha Siebert unter Tel. (02307) 965 272 oder j.siebert@bergkamen.de erreichen.

„Das ist nicht wie im Verein“, sagt Müller. Er kommt gerne zum Stammtisch und nimmt an Ausflügen teil. Auch diese Gruppen gewinnen immer mehr neue Mitglieder.

Obwohl die ZWAR-Mitglieder sich schon gut selbst organisieren, werden sie noch von der Stadt unterstützt. Jeden zweiten Montag setzen sich die über 55-Jährigen mit der ZWAR-Gruppenleiterin Juditha Siebert zusammen. Sie fragt, wie es in den Gruppen läuft und organisiert die Findung neuer Gruppen. In der jüngsten Sitzung bildete sich eine neue Boule-Gruppe und eine Internetgruppe, die sich um eine ZWAR-Webseite kümmern soll, ist in Planung. „Das geht schnell“, sagt Siebert, die zufrieden mit der Entwicklung ist. Fast jedes Mal kämen neue Interessierte und es gebe ständig neue Ideen.

Gruppen sollen sich bald eigenständig organisieren

Siebert unterstützt die Gruppen nur maximal ein Jahr. Dann sollen die Teilnehmer die Planung selbst in die Hand nehmen. Darauf werden sie schon vorbereitet. Bei jedem Treffen übernimmt eine Person die Co-Moderation. Zudem werden spezielle Trainings angeboten. Das nächste Training hat das Motto „So gelingt Gruppe“. Dass die ZWAR-Gruppen schon recht gut gelungen sind, ist offensichtlich. Nach jedem Montagstreffen stehen einzelne Grüppchen noch lange zusammen und können sich kaum voneinander loseisen. Sie verstehen sich gut und Eickelmann ist sicher, dass die eine oder andere Freundschaft enstehen wird. „Es fühlt sich gut an.“

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