Prozess wegen Doppelvergewaltigung: Überraschende Aussage einer Zeugin

dzLandgericht Dortmund

Vor dem Dortmunder Landgericht ist der Prozess gegen einen Mann fortgesetzt worden, der zwei Frauen vergewaltigt haben soll. Die Aussagen einer Zeugin aus einer der Tatnächte wirft Fragen auf.

Bergkamen, Kamen

, 19.02.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer Überraschung ist in Dortmund am Mittwoch der Prozess um eine mutmaßliche Doppel-Vergewaltigung in Kamen und Bergkamen fortgesetzt worden. Eine der betroffenen Frauen hatte in der Tatnacht Schutz in einem nahen Haus gesucht, einen sexuellen Übergriff dabei jedoch eindeutig bestritten.

Es war die Nacht auf den 11. August 2019, als an der Tür eines Ehepaares aus Bergkamen plötzlich Sturm geklingelt wurde. Draußen stand eine 25-jährige Frau, die offenbar völlig außer sich war. „Die junge Dame hat total geweint und gezittert“, sagte die 59-jährige Hausbewohnerin. Auch an ihre Worte konnte sich die Zeugin noch genau erinnern: „Ich bin überfallen worden. Hilfe. Hilfe. Ein Bekannter hat mich angegriffen und bedroht.“

„Das wirkte absolut echt“

Auch später, als längst die Polizei alarmiert war, habe die 25-Jährige immer noch geweint. „Sie saß bei uns in der Küche. Das wirkte alles absolut echt – hundertprozentig“, so die 59-Jährige.

Ein Bekannter habe die junge Frau nach deren Angaben damals nach Hause bringen wollen. Doch dann sei man plötzlich Wege gegangen, die die 25-Jährige nicht gekannt habe. „Er soll ihr dann die Handtasche weggenommen und sie mit einer Rasierklinge bedroht haben“, so die Zeugin. Ob auch von einer Vergewaltigung gesprochen worden sei?

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„Er wollte wohl mehr, das war klar. Aber sie hat gesagt, dass es nicht zu sexuellen Handlungen gekommen ist.“

Dass die 25-Jährige in der Nacht ausgerechnet an ihrer Tür geklingelt hat, war kein Zufall. Die Familie war mit einem Freund der jungen Frau gut bekannt. Der soll ihr das Haus schon früher gezeigt haben – für den Fall der Fälle. Weil die Strecke so einsam und dunkel sei. „Dort wird Dir immer geholfen.“ So oder so ähnlich soll er sich gegenüber der 25-Jährigen ausgedrückt haben.

Die junge Frau war der Zeugin allerdings nicht bekannt. Sie habe sie höchstens einmal gesehen – im Geschäft.

Mantrailing-Hunde liefen zu altem Gehöft

Nach der Anzeige der 25-Jährigen war drei Tage lang intensiv nach dem Angeklagten gefahndet worden. Auf der Suche nach ihm hatte die Polizei sogar Mantrailing-Hunde eingesetzt. Allerdings erfolglos. „Sie haben uns zu einem alten Gehöft geführt“, sagte ein Polizeibeamter am Mittwoch. Der 25-Jährige war schließlich drei Tage später im Münsterland festgenommen worden.

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Im Prozess geht es noch um eine weitere Tat. Dabei wird der Angeklagte von einer damals erst 16-Jährigen belastet. Auch sie hat laut Anklage ein absolutes Martyrium erlebt. Diese Tat soll in der Nacht auf den 9. August 2019 passiert sein – zwei Tage vor der zweiten mutmaßlichen Vergewaltigung. Zur Anzeige hat die 16-Jährige sie allerdings erst später gebracht, als schon nach dem Angeklagten gefahndet wurde.

Angeklagter schweigt weiter

Er selbst will sich zu den Vorwürfen auch weiterhin nicht äußern. Der 25-Jährige ist bereits wegen Vergewaltigung vorbestraft. Er war 2012 zu dreieinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Nach seiner Entlassung war er in das KURS-Programm des Landes NRW aufgenommen worden, das speziell für rückfallgefährdete Sexualstraftäter entwickelt wurde. Im Prozess kommt es nun entscheidend auf die Aussagen der beiden damals 16 und 25 Jahre alten Frauen an. Einfach wird der Prozess für die Richter der 31. Strafkammer am Dortmunder Landgericht auf jeden Fall nicht. Sie haben schon jetzt Verhandlungstage bis Ende Juni angesetzt.

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