Prozess wegen Doppelvergewaltigung: Drei Zeuginnen entlasten den Angeklagten

dzLandgericht Dortmund

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelvergewaltiger aus Bergkamen vernimmt das Gericht drei angebliche Entlastungszeugen und eines der mutmaßlichen Opfer. Am Ende lächelt der Angeklagte.

Bergkamen, Kamen

, 03.04.2020, 14:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 25-jährige Angeklagte soll im Sommer 2019 zwei junge Frauen in Bergkamen und Kamen vergewaltigt haben. Vor allem hinsichtlich der zweiten Tat äußerte Verteidiger Marco Ostmeyer aber schon früh Bedenken. In seiner Kanzlei hatten sich nämlich drei Frauen gemeldet, die angeblich mit dem mutmaßlichen Opfer an Heiligabend und in der Silvesternacht Kontakt hatten. Ihnen gegenüber soll die betroffene 21-Jährige gesagt haben, dass in Wirklichkeit alles ganz anders abgelaufen sei.

Am Freitag wurden diese Zeuginnen nun vom Dortmunder Landgericht vernommen. Und alle drei machten schnell klar, dass sie von der 21-Jährigen überhaupt nichts halten. „Sie lügt oft und will immer mit Mittelpunkt stehen“, sagte eine der jungen Frauen. Und ihre Bekannte ergänzte: „Sie hat sich schon sehr bald nach der angeblichen Vergewaltigung wieder ganz offenherzig und freizügig verhalten. So benehme ich mich doch nicht, wenn mir sexuelle Gewalt angetan worden ist.“

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Treffen vor dem „Unikum“

Diese beiden Zeuginnen wollen schließlich in der Silvesternacht auch persönlich mit der 21-Jährigen gesprochen haben - beim Rauchen vor dem „Unikum“ in Kamen. Auf die Frage, wie das denn im Sommer mit der Vergewaltigung gewesen sei, soll die angeblich Betroffene geantwortet haben: „Der Abend ist eigentlich ganz anders abgelaufen.“

Noch deutlicher soll das mutmaßliche Opfer an Heiligabend gegenüber der dritten Zeugin geworden sein. Auch diese Frau rauchte vor dem „Unikum“ eine Zigarette, als die 21-Jährige dazugekommen sein soll. „Stimmt das mit der Vergewaltigung“, will sie da gefragt haben. Die angebliche Antwort lautete: „Vergewaltigung jetzt nicht, aber das ist ja auch egal.“

Betroffene sagt erneut aus

Als vierte Zeugin hatten die Dortmunder Richter am Freitag schließlich das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer geladen. Die junge Frau zeigte sich sichtlich irritiert, als sie die drei anderen Zeuginnen im Saal sitzen sah. Und als sie dann gefragt wurde, wie sich die beiden Aufeinandertreffen vor dem „Unikum“ denn ihrer Erinnerung nach zugetragen haben, antwortete sie nur: „Ich habe gar nicht mit denen gesprochen.“ Silvester habe sie zwar tatsächlich in der Kneipe gefeiert, dabei aber keinerlei Kontakt zu den angeblichen Entlastungszeuginnen gehabt. Und an Heiligabend will sie gar nicht erst im „Unikum“ gewesen sein. „Ich war zu Hause bei meiner Familie.“

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Weil diese Beteuerungen auf die Richter jedoch offenbar wie Ausflüchte wirkten, zog sich die Kammer kurz zur Beratung zurück. Dann erklärte der Vorsitzende Ulf Pennig, dass er der Zeugin lieber keine weiteren Fragen stellen wolle. „Um sie zu schützen“, sagte Pennig noch. Das bedeutete: Der Vorsitzende hatte Sorge, dass jede weitere Antwort die Zeugin möglicherweise in ein eigenes Strafverfahren wegen Falschaussage getrieben hätte.

Angeklagter sagt nach Ostern aus

Am Ende des Verhandlungstages konnte also der Angeklagte durchaus zufrieden sein. Wie er den fraglichen Abend mit der 21-Jährigen erlebt hat, will er den Richtern am nächsten Verhandlungstag nach den Osterferien erzählen. An diesem Termin soll dann auch das zweite mutmaßliche Vergewaltigungsopfer geladen werden.

Im Fall eines Schuldspruchs müsste der 25-Jährige mit einer empfindlichen Haftstrafe und möglicherweise sogar der anschließenden Unterbringung in der Sicherungsverwahrung rechnen. Er ist nämlich bereits vorbestraft - wegen zweifacher Vergewaltigung.

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