„Professor Becker“ mit Kabarett ohne Schenkelklopfer

dzKabarett-Reihe im studio theater

Eine ganz andere Seite als im Radio zeigte Kabarettist Jürgen Becker bei seinem Auftritt im studio theater. Für den unterhaltsamen Abend bekam er trotzdem viel Beifall.

von Rainer Larm

Bergkamen

, 14.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Jürgen Becker zu engagieren ist für ein Kulturamt eine sichere Bank – und garantiert ein volles Haus. Das war jetzt im studio theater nicht anders. Doch garantiert das auch zufriedene Zuschauer?

Nicht unbedingt. Vor allem jene, die Becker nur als Moderator der WDR-Mitternachtsspitzen kennen – also als Kabarettist mit sehr spitzer Zunge – zeigten sich eher enttäuscht über den „Professor Becker“, den er in Bergkamen gab. Ab 2008 moderierte er im WDR fünf Jahre lang die Sendung „Der dritte Bildungsweg“, ein neues Format, das Becker als „Professor“ sah, der wie an den Universitäten Vorlesungen hielt. Die allerdings waren nicht nur mit viel Wissen, sondern auch mit viel Humor versehen – und so mancher Student wird sich seinerzeit gewünscht haben, solche Vorlesungen auch an der Uni zu erleben.

„Volksbegehren“ nach Sex

An dieses Format knüpfte Becker am Donnerstag mit seinem seit 2016 laufenden Programm an: „Volksbegehren“. Dabei ging es weniger um mehr Basisdemokratie, sondern vielmehr um das Begehren der Menschen nach Sex. Denn Jürgen Beckers „Vorlesung“ befasste sich mit der „Kulturgeschichte der Fortpflanzung“. Doch bei allem Amüsement, das Becker seinem Publikum bereitete: Zum „Schenkelklopfen“, wie von der Kulturverwaltung angekündigt, reichte es nicht – wäre wohl auch bei dieser Wissensvermittlung der humorigen Art verfehlt gewesen.

Klammerte sich Becker im ersten Teil des Programms noch stark an die Evolutions-Erforschung, so öffnete er das Thema im zweiten Teil um die Verbindung zur Religion und zur Politik, was der „Vorlesung“ gut tat.

Zwei Stunden lang unterhielt Becker sein geneigtes Publikum mit wissenschaftlichen Ergebnissen, die er höchst eigenwillig interpretierte, setzte für die optische Darstellung vor allem Bilder alter Meister ein, die er auf eine Leinwand projizierte und schaffte es in der Tat, das Publikum über die ganze Zeit zu fesseln, ohne unterhalb der Gürtellinie zu rutschen. Das hatte er zwar zu Beginn angekündigt, aber sich erwartungsgemäß nicht daran gehalten. Was er zum Schluss selber feststellte und deshalb mit einem Witz endete, der die Vorgabe erfüllte.

Nein, Kabarett mit Jürgen Becker war das nicht. Aber ein äußerst unterhaltsamer Abend mit viel Wissensvermittlung allemal. Da blieb der lang anhaltende und zweifellos verdiente Beifall nicht aus. Und natürlich ließ Becker nach seinem Auftritt dem Publikum wieder ein „Kaltgetränk“ reichen. Kölsch, selbstverständlich.

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